Eine Frau entdeckt ihr eigenes Gesicht in einem sexuellen Video, das sie nie gedreht hat. Das Bild ist täuschend echt, die Verbreitung längst nicht mehr aufzuhalten. Es war genau dieser Fall, der im September 2026 die Ermittlungen der New Yorker Staatsanwaltschaft ins Rollen brachte – und am Ende zur bisher größten Beschlagnahmeaktion dieser Art führte.
Zwölf Websites, auf denen KI-generierte Pornoaufnahmen ohne Einwilligung der abgebildeten Personen verbreitet und verkauft wurden, sind nun offline. Rund 1.200 Menschen waren von den gefälschten Inhalten betroffen. Offen bleibt, wer hinter den Seiten steckt – und ob ähnliche Plattformen bereits im Verborgenen neu entstehen.
12 Webseiten beschlagnahmt: Was die New Yorker Staatsanwaltschaft durchgesetzt hat
Die Aktion wurde von Manhattans Staatsanwalt Alvin Bragg geleitet. Er bezeichnete die Beschlagnahme als die bislang größte Operation gegen illegale KI-Pornografie weltweit. Laut Staatsanwaltschaft wurden die Ermittlungen durch eine Betroffene ausgelöst, die anzeigte, dass Deepfake-Bilder von ihr auf einer der Seiten kursieren.
Das Technologiemagazin Wired berichtete, dass auf mehreren der gesperrten Domains bereits behördliche Hinweisschilder zu sehen sind. Archivierte Versionen einzelner Seiten zeigen, dass manche Videos zehntausende Male aufgerufen worden waren, bevor die Behörden eingriffen.
Mehr zum Lesen
1.200 Betroffene: Vor allem Frauen aus der Öffentlichkeit im Visier
Die Opfer sind keine anonyme Zahl. Laut Behördenangaben handelt es sich häufig um Frauen aus dem öffentlichen Leben: Schauspielerinnen, Politikerinnen, Influencerinnen. Ihre Fotos und Videos wurden mit Werkzeugen der künstlichen Intelligenz so manipuliert, dass täuschend echte Aufnahmen entstanden, die Situationen zeigen, die nie stattgefunden haben.
Die gefälschten Inhalte wurden nicht nur veröffentlicht, sondern aktiv verkauft. Mehrere der beschlagnahmten Seiten warben offen mit solchen Fälschungen, wie das Nachrichtenportal lessentiel.lu berichtete.
Was sind Deepfakes – und warum sind sie so schwer zu bekämpfen?
Deepfakes sind mit KI erzeugte oder nachträglich veränderte Bild-, Video- oder Tonaufnahmen. Die Technik ist seit Jahren zugänglich und wird kontinuierlich besser. Schon ein einziges öffentlich verfügbares Foto kann genügen, um eine überzeugende Fälschung herzustellen.
Genau das macht die Strafverfolgung so aufwendig: Die Inhalte entstehen schnell, verbreiten sich rasch und tauchen nach Sperrungen häufig unter neuen Adressen wieder auf. Die New Yorker Staatsanwaltschaft hat deshalb angekündigt, die beschlagnahmten Angebote weiter zu beobachten, um einen Neustart unter geänderten Internetadressen zu verhindern.
Behörden warnen vor Nachahmern – Ermittlungen laufen weiter
Festnahmen gab es laut Staatsanwalt Bragg und der Nachrichtenagentur AFP bislang nicht. Die Ermittlungen gegen Betreiber und Ersteller der Inhalte dauern an. Für österreichische Betroffene ist die zuständige Anlaufstelle das Bundeskriminalamt, das unter dem Stichwort Cybercrime Meldungen entgegennimmt.
Betroffene können folgende Schritte unternehmen:
- Beweise sichern: Screenshots mit sichtbarer URL und Datum anfertigen
- Anzeige bei der nächsten Polizeidienststelle oder online beim Bundeskriminalamt erstatten
- Die Plattform, auf der der Inhalt erscheint, direkt über das Meldeformular kontaktieren
- Bei Bedarf rechtliche Beratung bei der Datenschutzbehörde (DSB) einholen
- Dokumentation aller Kommunikation mit Plattformen und Behörden aufbewahren
Was nach der Beschlagnahme offen bleibt
Die Sperrung von zwölf Domains ist ein deutliches Signal, löst das strukturelle Problem aber nicht. Neue Plattformen können innerhalb von Stunden unter anderen Adressen entstehen. Die Staatsanwaltschaft räumt selbst ein, dass Prävention und Nachverfolgung langfristig nur gemeinsam mit internationalen Partnerbehörden funktionieren können.
Ob der Fall in New York ähnliche Ermittlungen in Europa beschleunigt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen – der EU-weite Rechtsrahmen des Digital Services Act verpflichtet große Plattformen bereits zur schnellen Entfernung gemeldeter illegaler Inhalte, doch für spezialisierte Deepfake-Seiten im rechtlichen Graubereich fehlt es vielfach noch an klaren Durchsetzungsinstrumenten.
Ihre Meinung hilft uns










Das Gespräch geht weiter
Kommentare