Es war kurz vor halb acht am Sonntagabend, als Andreas Babler vor die Kameras trat — flankiert von fast allen neun Landesparteivorsitzenden der SPÖ. Nur einer fehlte: Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil hatte die Sitzung bereits vor Bablers Statement verlassen. Der symbolische Riss war damit auch optisch sichtbar.
Nach zwei Gipfeltreffen am 4. Oktober 2026 stand das Ergebnis fest: Die Ära Babler an der SPÖ-Spitze endet noch vor dem Jahreswechsel. Doch wer übernimmt, wie geordnet verläuft die Übergabe — und was bedeutet das für die Koalition in Wien?
Bablers Rückzug: Ein „freiwilliger Schritt“ mit festem Datum
Andreas Babler betonte am Sonntagabend ausdrücklich, dass er den Schritt aus freier Entscheidung setze. „Ich habe mir bei der Übernahme des Parteivorsitzes geschworen anders zu sein — nicht persönliches Interesse in den Vordergrund, sondern das Wohl der Bewegung vor alles andere zu stellen“, sagte Babler bei seinem Statement.
Bis Jahresende bleibt er Vizekanzler und formell Parteivorsitzender. Zur Seite gestellt werden ihm in dieser Übergangsphase Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner und Klubobmann Philip Kucher. Babler selbst will als Minister im Amt bleiben — auch nach der Übergabe des Vizekanzleramts.
Marterbauer als Nachfolger: Übergabe abhängig vom Gesundheitszustand
Finanzminister Markus Marterbauer soll Babler als Parteichef ablösen — das ist der Fahrplan, den die SPÖ-Granden am Sonntag festlegten. Der genaue Zeitpunkt der Übergabe des Vizekanzleramts steht allerdings noch nicht fest. Laut den Beschlüssen der Parteiführung hängt dieser ausdrücklich vom Gesundheitszustand Marterbauers ab.
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Am kommenden Donnerstag soll der Vorschlag im Bundesparteigremium formell fixiert werden. Erst dann ist der Übergang offiziell besiegelt.
Seltenheim in der ZiB2: „Eine geregelte Übergabe, die wir lange nicht hatten“
SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim bezeichnete den 4. Oktober 2026 im ORF als „sehr sehr guten“ Tag für die Partei. „Es gibt eine geregelte Übergabe, die wir lange nicht hatten“, sagte Seltenheim in der ZiB2. „Damit bringen wir Ordnung in die Partei.“
Zur Kandidatur von Medienmanager Gerhard Zeiler um den Parteivorsitz erteilte er eine klare Absage: „Niemand ist der Meinung, dass er die Partei übernehmen soll. Ich denke, dass das Kapitel damit beendet ist.“ Zeiler hatte der SPÖ ein „Angebot“ gemacht — mit der Einschränkung „wenn die Partei mich will“. Sie will offenbar nicht.
FPÖ und ÖVP: Gegensätzliche Reaktionen auf den SPÖ-Showdown
Die Reaktionen aus den anderen Parteien ließen nicht lange auf sich warten. FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz forderte noch am Sonntagabend Neuwahlen. „Eine Partei, die derart mit ihren eigenen Eitelkeiten und Grabenkämpfen beschäftigt ist, hat in einer Bundesregierung momentan absolut nichts verloren. In ihrer aktuellen Verfassung ist die SPÖ schlichtweg nicht regierungsfähig“, so Schnedlitz.
Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) schlug einen anderen Ton an. Er betonte die Pflicht zur Stabilität und listete die offenen Regierungsvorhaben auf:
- Reformpartnerschaft
- Sozialhilfe-Reform
- Verbot des Politischen Islam
- Zukunftsdepot
„Parteiinterne Diskussionen dürfen die Regierungsarbeit nicht beeinträchtigen“, erklärte Stocker. „Alle Regierungsparteien müssen sich mit voller Kraft und Aufmerksamkeit dem Herbst der Ergebnisse widmen.“
Vertrauen neu aufbauen: Was die SPÖ jetzt will
Babler sprach beim Punkt, in dem sich laut eigener Aussage alle Beteiligten einig waren, von einer „neuen Einigkeit der SPÖ, die geschlossen und gemeinsam auftritt“. Der Vertrauensverlust — sowohl bei den Mitgliedern als auch in der Bevölkerung — sei massiv und müsse dringend wieder aufgeholt werden.
„Es braucht geordnete Ansagen und Prozesse“, sagte Babler. „Mir ist wichtig, dass dies die Partei bekommt.“ Die Regierungsarbeit soll dabei ohne Unterbrechung weitergeführt werden — ein Signal, das sowohl an die Koalitionspartner als auch an die eigene Basis gerichtet war.
Was nach dem Donnerstag-Gremium folgt — und was noch offen bleibt
Der formelle Beschluss im SPÖ-Bundesparteigremium am Donnerstag gilt als nächster entscheidender Schritt. Bis dahin ist der Fahrplan skizziert, aber nicht rechtskräftig. Offen bleibt insbesondere, wann genau Marterbauer auch das Vizekanzleramt übernehmen kann — eine Frage, die von einem medizinischen Umstand abhängt, über den die Parteiführung keine Kontrolle hat.
Ob der angekündigte geordnete Prozess tatsächlich so reibungslos verläuft wie erhofft, wird sich spätestens dann zeigen, wenn das Bundesparteigremium zusammentritt und die neun Landesorganisationen ihr Votum formalisierten müssen.
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