Sonntagabend, irgendwo in Athen – und die griechischen Spieler feierten ein torloses Remis wie einen Pokalsieg. Das sagt alles. Deutschland war angereist, um die Niederlage aus dem Hinspiel wettzumachen, und kam nicht einmal über ein 0:0 hinaus. Für Jürgen Klopp war es das vierte Länderspiel als DFB-Teamchef – und erst der zweite Punkt in einem Auswärtsspiel dieser Nations-League-Gruppe.
Damit ist die Lage in der Gruppe A2 der UEFA Nations League nach Abschluss der Oktober-Länderspielpause denkbar unangenehm für die Deutschen: Griechenland führt das Tableau an, hat das direkte Duell gewonnen – und das könnte am Ende entscheidend sein.
Drei Punkte Rückstand: So steht Deutschland in der Gruppe A2
Nach vier Spieltagen liegt Deutschland auf Platz 3. Griechenland und die Niederlande führen die Gruppe punktegleich an, beide mit drei Punkten Vorsprung auf das DFB-Team. Das direkte Duell Griechenland gegen Deutschland endete zunächst 1:0 für die Griechen, jetzt folgte das 0:0 – damit haben die Griechen in beiden Begegnungen nicht verloren und haben damit im Falle eines Gleichstands die bessere Ausgangslage.
Deutschland ist damit Gruppendritter und braucht im November dringend Siege, um noch in den Kampf um Platz 1 einzugreifen.
Klopps Bilanz nach vier Spielen: Ein Sieg, eine Niederlage, zwei Remis
Der 59-jährige Klopp übernahm die Nachfolge von Julian Nagelsmann, der mit dem DFB-Team bei der WM enttäuscht hatte. Der Start verlief alles andere als reibungslos. Einem holprigen 0:1 gegen Griechenland folgte ein 1:1 gegen die Niederlande, dann ein 2:0-Heimsieg über Serbien – der einzige Dreier bislang – und jetzt eben das 0:0 in Athen.
Mehr zum Lesen
Spielerisch war die Mannschaft laut Beobachtung auch in Griechenland über weite Strecken ansehnlich. Nur das Entscheidende fehlte: ein Tor. Das ist für einen Trainer mit Klopps Ansprüchen auf Dauer keine tragfähige Bilanz.
Das Casting-Experiment: Klopp setzte auf zwei unterschiedliche Kader
Im aktuellen Oktober-Lehrgang wagte Klopp einen ungewöhnlichen Schritt: Er berief für die beiden Länderspiele zwei unterschiedliche Kader. Das Experiment sollte ihm einen breiteren Überblick über das vorhandene Spielermaterial verschaffen – ein offenes „Casting“, wie es in deutschen Sportmedien genannt wurde.
Nun, nach dem Doppelspieltag, stellt sich die entscheidende Frage: Auf welche Spieler wird sich Klopp nach diesen Eindrücken langfristig festlegen? Die Antwort wird spätestens im November erwartet, wenn die nächsten zwei Pflichtspiele anstehen.
November-Programm: Serbien und Niederlande als Schicksalsspiele
Die verbleibenden Gruppenspiele haben es in sich. Am 13. November trifft Deutschland auf Serbien, ehe am 16. November das potenzielle Gruppenfinale daheim gegen die Niederlande wartet. Ein Sieg gegen Serbien ist dabei Pflicht – alles andere würde die rechnerischen Chancen auf Platz 1 faktisch beerdigen.
Gegen die Niederlande braucht Klopp dann drei Punkte und gleichzeitig Schützenhilfe: Griechenland müsste in seinen verbliebenen Spielen Punkte liegen lassen. Deutschland ist damit auf externe Ergebnisse angewiesen – eine Situation, die ein Topfavorit eigentlich vermeiden will.
- 13. November: Deutschland – Serbien (Nations League, Gruppe A2)
- 16. November: Deutschland – Niederlande (Nations League, Gruppe A2, mögliches Gruppenfinale)
- Griechenland führt mit 3 Punkten Vorsprung und gewonnenem Direktvergleich
- Niederlande punktgleich mit Griechenland auf Rang 2
- Deutschland auf Rang 3, mit 3 Punkten Rückstand auf die Spitze
Warum das 0:0 in Athen für Griechenland wie ein Sieg zählt
Griechische Spieler feierten den Schlusspfiff ausgelassen – und das war keine Übertreibung. Mit dem Hinspiel-1:0 und dem Heimremis haben sie gegen das DFB-Team in beiden Duellen nicht verloren. Sollte die Gruppe am Ende mit Punktgleichheit enden, entscheidet zunächst das direkte Duell – und das gehört Griechenland.
Für Deutschland bedeutet das: Selbst wenn Klopp im November beide Spiele gewinnt, ist ein Aufstieg in die höhere Division keineswegs gesichert. Die Griechen haben sich mit ihrer Taktik gegen den Favoriten eine komfortable Pufferzone erarbeitet, ohne dabei spektakulären Fußball spielen zu müssen.
Ob Klopp im November tatsächlich auf einen gefestigten Kader zurückgreifen kann oder ob das Casting neue Fragen aufwirft, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen.
Ihre Meinung hilft uns










Das Gespräch geht weiter
Kommentare