Am Montecuccoliplatz in Wien-Hietzing hingen die Baugerüste noch keine sechs Monate, als der Neubau in der Opitzgasse 29A seinen offiziellen Namen erhielt. Mitten unter den Anwesenden stand Gerold Oberhauser, der Witwer. Dass ausgerechnet dieser sechsgeschoßige Gemeindebau, errichtet auf jenem Bezirksboden, auf dem seine Frau gelebt hatte, nun ihren Namen tragen würde — das hatte eine Schwere, die kein Festredner wirklich in Worte fassen konnte.
Ende Februar 2025 wurde die Wohnanlage eröffnet, doch die feierliche Benennung zum Sabine-Oberhauser-Hof folgte erst danach — und wirft unweigerlich die Frage auf, welches Vermächtnis eine Ärztin, Gewerkschafterin und Ministerin hinterlässt, die Wien mit 53 Jahren verlassen musste.
Eine persönliche Verbindung: Warum Hietzing der richtige Ort ist
Der 13. Bezirk war nicht zufällig gewählt. Sabine Oberhauser lebte mit ihrer Familie in Hietzing — der Bezirk war ihr Zuhause, nicht bloß politische Kulisse. Frauen- und Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) betonte bei der Benennung, Oberhauser sei eine „außergewöhnliche Frau und Politikerin: klug, geradlinig, herzlich und immer ganz nah bei den Menschen“ gewesen.
Gesundheits- und Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) ergänzte: „Heute bekommt die Erinnerung an Sabine Oberhauser einen ganz besonderen Platz: mitten im Leben, mitten in Hietzing.“ Auch Paul Steurer von der Wigeba war bei der Veranstaltung zugegen.
Mehr zum Lesen
Von der Frühgeborenenstation bis ins Ministerium: Der Lebensweg Sabine Oberhausers
Sabine Oberhauser wurde 1963 als Sabine Schuh in Wien geboren. Als erstes Kind ihrer Arbeiterfamilie absolvierte sie nach der Matura ein Medizinstudium an der Universität Wien. Sie spezialisierte sich auf Allgemeinmedizin sowie Kinder- und Jugendheilkunde und arbeitete unter anderem auf der Frühgeborenenstation der Rudolfstiftung. 2004 wurde sie dort zur Oberärztin ernannt.
Parallel dazu wuchs ihr gewerkschaftliches Engagement stetig. Ab 1998 war sie Personalvertreterin, 2009 stieg sie zur Vizepräsidentin des Österreichischen Gewerkschaftsbunds (ÖGB) auf, 2013 wurde sie Bundesfrauenvorsitzende. Den Sprung in die Bundespolitik hatte sie bereits 2006 vollzogen, als sie für die SPÖ in den Nationalrat einzog.
Ministerin trotz Krebsdiagnose: Pflichtbewusstsein bis zuletzt
2014 übernahm Oberhauser das Gesundheitsministerium, ab 2016 führte sie zusätzlich das Frauenressort. In dieser Zeit engagierte sie sich für die Wiener Frauenhäuser, den Österreichischen Frauenring und die Europäische Frauenlobby. Kurz nach ihrer Angelobung zur Gesundheitsministerin machte sie ihre Krebserkrankung öffentlich.
Trotz schwerer Krankheit übte sie ihr Amt bis Mitte Februar 2017 aus. Am 23. Februar 2017 starb sie in Wien — mit 53 Jahren. Die Diagnose hatte sie nicht zum Rückzug bewogen, sondern zur Offenheit: Sie sprach über ihre Erkrankung, um anderen Mut zu machen.
62 Gemeindewohnungen auf versiegelter Fläche: Was der Neubau bietet
Der Sabine-Oberhauser-Hof entstand zwischen 2023 und 2025 auf einer bereits versiegelten Grundfläche am Montecuccoliplatz — ein Grundsatz des Wiener Wohnbaus, der keine zusätzlichen Grünflächen versiegelt. Das Gebäude umfasst sechs Geschoße mit insgesamt 62 Gemeindewohnungen. Alle Einheiten sind barrierefrei erreichbar und verfügen über Balkone, Loggien oder Eigengärten.
- Barrierefrei zugängliche Wohnungen auf allen 6 Etagen
- Jede Wohnung mit Balkon, Loggia oder Eigengarten
- Begrünter Innenhof mit Spiel- und Aufenthaltsbereichen
- Gemeinschaftsdachgarten mit Urban-Gardening-Möglichkeit
- Energieversorgung über Fernwärme und Photovoltaik
- Zertifizierter Niedrigstenergiestandard laut Stadt Wien
Niedrigstenergiestandard und Urban Gardening: Was den Hof von älteren Bauten unterscheidet
Die Anlage setzt auf Photovoltaik und Fernwärme kombiniert — ein Standard, den die Stadt Wien laut eigenen Angaben für alle Neubauten im geförderten Wohnbau anstrebt. Der Gemeinschaftsdachgarten ermöglicht Urban Gardening, also gemeinschaftliche Eigenanbauflächen für die Bewohnerinnen und Bewohner. Das Gebäude erfüllt den Niedrigstenergiestandard, was die Betriebskosten im Vergleich zu Bestandsbauten gleicher Größe spürbar senkt.
Ob weitere Wiener Gemeindebauanlagen in naher Zukunft nach Persönlichkeiten benannt werden, die dem sozialen Wohnbau programmatisch nahestanden, ließ die Stadt Wien bislang offen.
Ihre Meinung hilft uns










Das Gespräch geht weiter
Kommentare