An der Tankstelle, Mittwochabend Ende September. Diesel steht auf 2,20 Euro pro Liter, Eurosuper auf 1,92 Euro — Preise, die Österreich bisher nicht kannte. Wer einen mittelgroßen Tank befüllt, lässt locker 110 Euro zurück. Jeder vierte Autofahrer fährt laut einer aktuellen Umfrage bereits weniger, manche lassen das Auto ganz stehen.
Angesichts dieser Rekordpreise meldet sich der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) mit konkreten Forderungen an die Politik zu Wort. Das Rezept klingt simpel und ist trotzdem politisch heikel: weniger Tempo auf Österreichs Straßen — und deutlich billigere Öffi-Tickets. Ob die Regierung darauf einsteigt, ist offen.
Rekord-Spritpreise im September: Diesel bei 2,20 Euro, Benzin bei 1,92 Euro
Die Zahlen, die der VCÖ für September nennt, sind nüchtern und eindrücklich zugleich. Der österreichweite Medianpreis für Diesel lag bei 2,20 Euro pro Liter, Eurosuper kostete im Schnitt 1,92 Euro — beides Höchstwerte, die in dieser Form bislang nicht verzeichnet wurden. Hintergrund sind gestiegene Rohölpreise auf den Weltmärkten, die sich seit Wochen direkt an österreichischen Zapfsäulen niederschlagen.
Die Regierung hat bereits reagiert: Ab 1. Oktober tritt eine erweiterte Spritpreisbremse in Kraft, die Benzin und Diesel um 12,2 Cent je Liter verbilligen soll. Der VCÖ hält das für unzureichend und legt ein eigenes Maßnahmenpaket vor.
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Tempo 90 statt 100 auf Freilandstraßen: Was der VCÖ konkret verlangt
Der Vorschlag des Verkehrsclubs sieht zwei Stufen vor. In der ersten, moderateren Variante sollen auf Freilandstraßen künftig 90 statt 100 km/h gelten, auf Autobahnen und Schnellstraßen 120 statt 130 km/h. Eine zweite, schärfere Stufe würde Tempo 80 auf Freilandstraßen und Tempo 100 auf Autobahnen vorsehen. Beide Regelungen wären nach dem VCÖ-Konzept ausdrücklich als vorübergehende Maßnahme gedacht — solange die Spritpreise auf dem aktuellen Niveau bleiben.
Die Berechnungsgrundlage liefert das Umweltbundesamt. Laut dessen Daten, auf die sich der VCÖ beruft, würden Tempo 90 und 120 den Spritverbrauch österreichweit um rund 110 Millionen Liter pro Jahr senken — das entspricht einer monatlichen Einsparung von rund 19 Millionen Euro.
Bis zu 46 Millionen Euro Ersparnis pro Monat bei der strengeren Variante
Bei der härteren Lösung — Tempo 80 beziehungsweise 100 — wäre die Wirkung noch deutlich größer. Der VCÖ beziffert die mögliche Einsparung in diesem Fall auf rund 22 Millionen Liter weniger Sprit pro Monat, was einer Kostenentlastung von insgesamt etwa 46 Millionen Euro monatlich entspräche.
„Das ist viel Geld. Zusätzlich sinkt die Lärm- und Abgasbelastung, die Verkehrssicherheit steigt und weniger Geld fließt für Erdölimporte von Österreich ins Ausland“, betonte Klara Maria Schenk, Expertin beim Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Die Kombination aus fiskalischer Entlastung und Umweltnutzen ist es, mit der der VCÖ seinen Vorstoß begründet.
20 Prozent Rabatt auf das Klimaticket: Die Öffi-Preisbremse als zweite Säule
Niedrigere Tempolimits allein reichen dem VCÖ nicht. Parallel fordert der Verkehrsclub eine zeitlich befristete Öffi-Preisbremse: Das österreichweite Klimaticket sowie alle regionalen Klimatickets sollen um 20 Prozent billiger angeboten werden. Ziel ist, den Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn oder Park-and-Ride attraktiver zu machen — besonders für jene, die täglich auf das Auto angewiesen sind, weil der öffentliche Verkehr in ihrer Region dünn gesät ist.
Unternehmen sollen nach dem VCÖ-Modell zusätzlich stärker in Pflicht genommen werden: Öffi-Jobtickets, Jobräder und organisierte Fahrgemeinschaften sollen ausgebaut und gefördert werden. Eine Forderung nach einer Preisbremse bei Öffis kommt auch von den Grünen, die darauf hinweisen, dass die Ticketpreise zuletzt vielfach angehoben wurden.
Was von den Forderungen auf der Straße und in der Politik ankommt
Die Maßnahmen, die der VCÖ vorschlägt, lassen sich in drei Kategorien zusammenfassen:
- Stufe 1 (moderat): Tempo 90 auf Freilandstraßen, Tempo 120 auf Autobahnen — Einsparung rund 19 Millionen Euro pro Monat
- Stufe 2 (schärfer): Tempo 80 auf Freilandstraßen, Tempo 100 auf Autobahnen — Einsparung rund 46 Millionen Euro pro Monat
- Öffi-Preisbremse: 20 Prozent Rabatt auf Klimaticket und regionale Klimatickets, befristet auf die Dauer der Hochpreisphase
Ob und in welcher Form die Bundesregierung diese Vorschläge aufgreift, ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch offen. Die bereits beschlossene Spritpreisbremse, die ab 1. Oktober gilt, war in einer Sondersitzung des Nationalrats beschlossen worden — ein Hinweis darauf, dass der politische Druck groß genug ist, um ungewöhnliche Schritte zu setzen. Ob Tempolimits diesen Schwellenwert erreichen, werden die kommenden Wochen zeigen.
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