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Oliver Baumann, DFB: „War unfassbar“ – Nagelsmann-Abrechnung und Klopps kalte Schulter

Oliver Baumann, DFB: „War unfassbar“ – Nagelsmann-Abrechnung und Klopps kalte Schulter

Es war der Traum eines Torhüters, der sich über Jahre aufgebaut hatte – und dann innerhalb weniger Tage zerbrach. Oliver Baumann, Kapitän der TSG 1899 Hoffenheim, hatte sich unter Julian Nagelsmann zur unbestrittenen Nummer eins im deutschen Nationaltor hochgearbeitet. In der WM-Generalprobe gegen Gastgeber USA stand er zwischen den Pfosten, lieferte beim 2:1-Sieg ab, und alles deutete darauf hin, dass er beim Turnier die deutsche Defensive anführen würde.

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Was dann passierte, hat Baumann monatelang mit sich getragen. Nagelsmann holte Manuel Neuer aus dem Ruhestand zurück und degradierte den 36-Jährigen kurz vor dem Turnier auf die Bank. Lange schwieg Baumann öffentlich. Jetzt, nachdem auch der neue Bundestrainer Jürgen Klopp ihn schlicht übergangen hat, ist der Frust herausgebrochen – und seine Worte sitzen.

„Unfassbar“ – Baumanns Abrechnung mit Nagelsmanns WM-Entscheidung

Gegenüber dem Sender Nitro ließ Baumann die Maske fallen. „Im Sommer tat deutlich mehr weh, wie das gelaufen ist. Das war unfassbar – auch nicht nur aus einer Richtung tatsächlich“, sagte der Hoffenheim-Profi. Wen genau er mit dem Zusatz „nicht nur aus einer Richtung“ meint – ob also auch Verbandsstrukturen oder andere Beteiligte gemeint sind – ließ Baumann bewusst offen.

Die Formulierung ist für einen deutschen Nationalspieler ungewöhnlich direkt. Wer das System kennt, weiß, dass Profis selten so über Bundestrainer sprechen – zumindest nicht, solange sie noch auf eine Rückkehr ins Nationalteam hoffen.

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Wie Baumann zur Nummer eins wurde – und warum Neuer alles veränderte

Der Weg an die Spitze war für Baumann keine Selbstverständlichkeit. In Abwesenheit von Marc-André ter Stegen – der langzeitverletzt fehlte – baute Nagelsmann auf den TSG-Kapitän und machte ihn zur deutschen Nummer eins. Baumann absolvierte insgesamt 13 Länderspiele, alle unter Nagelsmann. Die WM-Generalprobe gegen die USA war dabei sein bislang größter Auftritt auf internationalem Parkett.

Dann die Kehrtwende: Nagelsmann entschied sich, Manuel Neuer aus dem Ruhestand zurückzuholen. Eine Entscheidung, die intern für Unruhe gesorgt haben dürfte, öffentlich aber zunächst keine Reaktion Baumanns provozierte. Der Hoffenheimer deckte seinem Trainer den Rücken – bis jetzt.

Klopp nominiert 44 Spieler – Baumann ist trotzdem nicht dabei

Jürgen Klopp berief für seine ersten vier Länderspiele als neuer Bundestrainer insgesamt 44 Spieler – eine außergewöhnlich breite Sichtung. Im Tor setzt Klopp auf Marc-André ter Stegen, Alexander Nübel, Finn Dahmen, Noah Atubolu und Jonas Urbig. Fünf Torhüter, aber keiner davon heißt Baumann.

Für den 36-Jährigen ist das eine zweite Zurückweisung in kurzer Zeit – diesmal ohne die persönliche Geschichte mit dem Trainer, ohne die Hoffnung auf eine Erklärung hinter verschlossenen Türen. Klopp schlägt einen neuen Weg ein, und Baumann gehört vorerst nicht dazu.

Baumanns Reaktion: Akzeptanz mit unverhohlener Bitterkeit

Nach Hoffenheims 0:2-Niederlage in der Europa League bei OFI Kreta sprach Baumann auch über Klopps Entscheidung. Sein Ton war beherrscht, aber die Enttäuschung kaum zu überhören: „Die Entscheidung muss ich akzeptieren. Die gefällt mir nicht, das ist klar. Sie schlagen einen anderen Weg ein, das muss ich akzeptieren und respektieren“, sagte Baumann.

Zwei Sätze, dreimal das Wort „akzeptieren“. Das ist kein Zeichen von Gleichgültigkeit, sondern von jemandem, der sehr genau wählt, was er sagt – und was er zwischen den Zeilen stehen lässt.

Ob Baumann je wieder das DFB-Trikot trägt, bleibt offen

Mit 36 Jahren läuft die Zeit für Baumann. Klopp baut auf jüngere Keeper, der Kader ist dicht besetzt, und der TSG-Kapitän hat durch seine öffentlichen Äußerungen zumindest klargemacht, dass er nicht still in den Hintergrund treten wird. Sein Betreuerverhältnis zu Christian Ilzer beim Verein bleibt unberührt von der Nationalmannschaftsfrage.

Ob Klopp in einem künftigen Kader doch noch Platz für Baumann sieht, hängt letztlich von Leistungen in der Bundesliga und der Europa League ab – Turniere, in denen der Hoffenheimer beweisen muss, dass er das Thema Nationalmannschaft noch nicht abgeschrieben hat.

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