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Kindesmissbrauch, Fall Gunkl: Was Eltern nach Günther Paals Geständnis über Symptome wissen müssen

Kindesmissbrauch, Fall Gunkl: Was Eltern nach Günther Paals Geständnis über Symptome wissen müssen

Donnerstagabend, kurz nach 22 Uhr. In der ORF-„ZIB2“ sitzt Kathrin Sevecke, Professorin für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Medizinischen Universität Innsbruck, und erklärt ruhig, was in einem Kind vorgeht, das sexuellen Missbrauch erlebt hat. Draußen brodelt die Debatte um Günther Paal, den 64-jährigen Kabarettisten, der unter seinem Bühnennamen „Gunkl“ österreichweit bekannt ist. In einem auf Facebook veröffentlichten Video hat er selbst eingeräumt, ein Kind an einer Stelle geküsst zu haben, „an der Erwachsene Kinder nicht küssen dürfen“. Bereits zuvor hatte er Selbstanzeige erstattet.

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Gegen Paal wurde Anklage wegen des sexuellen Missbrauchs einer Unmündigen sowie wegen des Besitzes von Missbrauchsdarstellungen erhoben — bei einer Hausdurchsuchung wurden 19 Videos und 960 Bilddateien sichergestellt. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung. Auch die Mutter und die Großmutter des betroffenen Mädchens sind angeklagt, ihnen wird schwere Erpressung in Höhe von 189.000 Euro vorgeworfen. Doch mitten in diesem Justizfall stellt sich eine Frage, die weit über das Verfahren hinausgeht: Was geschieht eigentlich mit einem Kind, das so etwas erlebt hat?

„Massiver Eingriff in die Seele“: Was Missbrauch bei kleinen Kindern anrichtet

„Das ist ein massiver Eingriff in die Seele des Kindes“, sagte Kathrin Sevecke in der Sendung. Je jünger ein Kind sei, desto unspezifischer könnten die Symptome ausfallen — und desto schwieriger werde auch die Behandlung. Das macht den Fall von Kindern unter fünf Jahren besonders heikel: Ihr Schmerz ist real, aber selten klar zuzuordnen.

Was ein Kind nach einem solchen Erlebnis vor allem braucht, fasst Sevecke in zwei Worte: „einen sicheren Ort“. Es brauche Menschen, die dem Kind klar vermitteln, dass es Erwachsene gibt, denen es vertrauen kann. Ohne diesen Rückhalt bleibe das Trauma unbearbeitet — mit Folgen, die sich manchmal erst Jahrzehnte später zeigen.

Kein „typisches Missbrauchssyndrom“: So erkennen Eltern mögliche Warnsignale

Sevecke macht gegenüber dem ORF ausdrücklich klar, dass Eltern nicht nach einem einzelnen eindeutigen Zeichen suchen sollten. „Es gibt nicht das typische Missbrauchssyndrom bei Kindern“, betont die Expertin. Mögliche Hinweise können vielmehr sein:

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Kein einzelnes dieser Symptome beweist für sich allein einen sexuellen Missbrauch, da solche Veränderungen auch andere Ursachen haben können. Entscheidend sei das Gesamtbild: Häufig trete eine Kombination mehrerer Auffälligkeiten über einen längeren Zeitraum auf. Nur Fachleute mit entsprechender Ausbildung könnten daraus „einen Verdacht oder sogar eine Wahrscheinlichkeit“ ableiten.

Warum Eltern nicht nachbohren sollen — und was sie stattdessen tun können

Sevecke rät Eltern eindringlich davon ab, ein Kind immer wieder mit Fragen zu einem möglichen Missbrauch zu konfrontieren. Die gezielte Befragung solle Fachleuten überlassen werden — denn falsch gestellte Fragen können Erinnerungen verzerren und spätere Aussagen vor Gericht entwerten.

Stattdessen sei es wichtig, das Verhalten des Kindes genau zu beobachten und Äußerungen möglichst wörtlich festzuhalten. Was ein Kind gesagt hat und unter welchen Umständen es etwas erzählt hat, könne für Polizei und Sachverständige entscheidend sein. Jedes Detail zählt — auch wenn es im Moment unbedeutend wirkt.

„Schlechte Geheimnisse“ dürfen erzählt werden: Prävention beginnt mit Sprache

Einen zentralen Stellenwert räumt Sevecke der Prävention ein. Kinder müssten lernen, zwischen verschiedenen Arten von Geheimnissen zu unterscheiden. Ihre Formulierung ist dabei einfach und einprägsam: „Man darf Geheimnisse haben. Den Geburtstagskuchen für die Mama zu backen ist ein Geheimnis, das bewahrt werden darf. Aber bestimmte Geheimnisse sind nicht gut und die darf man auch erzählen.“

Gerade dann, wenn ein Kind innerhalb des Bekannten- oder Familienkreises mit einem Verhalten konfrontiert wird, das ihm seltsam vorkommt, müsse es wissen, dass es darüber sprechen darf. Ebenso wichtig sei die Botschaft, dass Erwachsene nicht immer alles richtig machen — und dass der eigene Körper dem Kind gehört. Beides zusammen helfe, Grenzen zu erkennen und sie benennen zu können.

Spätfolgen nach Jahren, Täterbiografien und der Unterschied zur pädophilen Neigung

Traumatische Erlebnisse müssen nicht unmittelbar nach dem Vorfall sichtbar werden. Manche Folgen zeigen sich erst Jahre oder Jahrzehnte später, wenn bestimmte Lebensereignisse alte Erfahrungen wieder aufleben lassen — etwa eine neue Partnerschaft, die eigene Sexualität oder die Geburt eines eigenen Kindes. Das macht deutlich, warum Opferschutz nicht mit dem Ende eines Gerichtsverfahrens abgeschlossen sein kann.

Zur oft zitierten These, wonach Missbrauchsopfer später selbst zu Tätern werden, nimmt Sevecke eine differenzierte Haltung ein: Eine Kombination aus biografischen Belastungen und fehlender oder erfolgloser Therapie könne die Wahrscheinlichkeit erhöhen, selbst einen Übergriff zu begehen — aber es handle sich um keinen zwangsläufigen Zusammenhang. Und sie unterscheidet klar: Pädophilie ist nach Seveckes Einschätzung mit hoher Wahrscheinlichkeit anlagebedingt, aber „die Entscheidung zum Missbrauch ist eine bewusste, willentliche Entscheidung“. Rund 5 Prozent der Männer seien von Pädophilie betroffen — doch sexueller Missbrauch an Kindern gehe häufig nicht auf eine pädophile Präferenz zurück, sondern auf Machtverhältnisse: Alter, Körpergröße, eine bestimmte Position oder die konkrete Situation.

Ziel einer Therapie sei es, den Weg zum Missbrauch zu unterbrechen — beginnend mit Veränderungen im Alltag, bis hin zum Einsatz von Medikamenten. Das Strafverfahren gegen Günther Paal ist unterdessen noch nicht rechtskräftig abgeschlossen; der ORF erklärte, derzeit keine aktuelle Zusammenarbeit mit ihm zu haben, geplante Auftritte wurden abgesagt.

Ob und wie rasch das Verfahren zu einem Urteil führt, bleibt offen — ebenso wie die Frage, welche Unterstützung das betroffene Kind in den kommenden Jahren erhalten wird.

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