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Igel im Garten: Warum ein 13-cm-Loch im Zaun diesen Herbst Leben retten kann

Igel im Garten: Warum ein 13-cm-Loch im Zaun diesen Herbst Leben retten kann

Es ist kurz nach Einbruch der Dunkelheit, irgendwo in einem Wiener Vorortgarten. Ein Igel tapst entlang einer Holzlatte, sucht eine Lücke, findet keine – und dreht ab. Vor ihm liegt ein lückenloser Zaun, dahinter ein Garten voller Insekten und Würmer. Die Grenze ist unüberwindbar. Nicht weil der Igel zu schwach wäre, sondern weil kein Mensch je daran gedacht hat, ein Loch hineinzuschneiden.

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Genau in diesen Herbstwochen bereiten sich Igel auf den Winterschlaf vor. Sie fressen sich Reserven an, erkunden neue Reviere, wechseln zwischen mehreren Gärten. Wer ihnen dabei im Weg steht – und sei es nur mit einem ordentlich gezimmerten Zaun –, kann dazu beitragen, dass die Tiere entkräftet auf Straßen ausweichen. Die Lösung braucht weder Werkzeugkiste noch handwerkliches Talent. Sie braucht 13 Zentimeter.

13 cm Durchmesser: Was das Igel-Loch leisten muss und wie es entsteht

Die Maßangabe ist konkret: Damit ein ausgewachsener Igel einen Durchgang sicher passieren kann, muss die Öffnung mindestens 13 Zentimeter im Durchmesser betragen. Bei einem rechteckigen Ausschnitt gilt das entsprechend für beide Seiten der Öffnung.

Bei einem Holzzaun lässt sich der Durchgang mit einer Stichsäge aussägen – ein Arbeitsschritt, der kaum mehr als zehn Minuten dauert. Bei einem Maschendrahtzaun genügt es, den unteren Bereich mit einer Drahtzange aufzuschneiden und die Enden sauber umzubiegen. Worauf man unbedingt achten muss:

  • Keine scharfen Kanten oder abstehenden Drahtreste an der Öffnung
  • Keine herausstehenden Nägel im Bereich des Durchgangs
  • Der Durchgang muss ebenerdig liegen – nicht erhöht
  • Steine, Bretter oder dichtes Gestrüpp direkt davor machen ihn unbrauchbar
  • Besonders sinnvoll: die Nachbarn fragen, ob sie das Loch spiegeln – dann entsteht ein durchgehender Korridor

Ein einzelner Durchgang nützt wenig, wenn dahinter sofort wieder ein geschlossener Zaun wartet. Das Ziel ist ein vernetztes System, durch das Igel mehrere Gärten traversieren können, ohne auf Straßen ausweichen zu müssen.

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Warum der geschlossene Zaun zur echten Falle wird

Igel sind schlechte Kletterer. Steht ein vollständig abgeriegelter Zaun vor ihnen, läuft das Tier an der Grundstücksgrenze entlang und sucht eine Lücke. Findet es keine, weicht es irgendwann auf den nächsten offenen Weg aus – und der führt in städtischen Gebieten oft über eine befahrene Straße.

Dabei sind Igel auf Streifzüge zwischen mehreren Gärten angewiesen. Ein einzelner, hermetisch abgeriegelter Garten ist für sie zu klein. Dort finden sie nicht genug Insekten, Würmer und andere Kleintiere, um ausreichend Winterspeck anzufressen. Ein durchgehender Geländekorridor – verbunden durch kleine Öffnungen in Zäunen – kann dieses Problem lösen, ohne dass auch nur ein einziger Garten seinen Charakter verliert.

Gartenordnung kontra Igelglück: Warum Unordnung hier ausdrücklich erwünscht ist

Wer Igeln wirklich helfen will, muss seinen Garten nicht verwildern lassen. Aber ein bisschen weniger Ordnung schadet nicht – im Gegenteil. Laubhaufen, Reisighaufen und Totholzecken sind keine Nachlässigkeit, sondern belebte Mikrohabitate.

Dichte Hecken und naturbelassene Gartenwinkel bieten Versteckmöglichkeiten und potenzielle Winterquartiere. Auch der Bereich unter Sträuchern kann als geschützter Rückzugsort dienen. Auf Pestizide und chemische Schneckenmittel sollte man möglichst verzichten – sie gefährden Igel direkt und vernichten gleichzeitig ihre Nahrungsgrundlage.

Diese 4 Gefahren im Garten sind gefährlicher als der Zaun

Der Zaun ist das bekannteste Hindernis, aber nicht das tödlichste. Im österreichischen Hausgarten lauern mindestens vier weitere Fallen:

Offene Kellerschächte sollten abgedeckt oder mit einer Ausstiegshilfe versehen sein. Gartenteiche mit senkrechten Wänden werden zur tödlichen Falle; ein flaches Ufer oder ein schräg ins Wasser ragendes, aufgerautes Brett schafft Abhilfe. Regentonnen und Wasserbehälter müssen gesichert sein, damit hineingefallene Tiere wieder herauskommen. Und Gartennetze, die lose am Boden liegen, können Igel mit Beinen oder Stacheln einfangen – mit oft tödlichem Ausgang.

Eine besondere Gefahr stellt der Mähroboter dar. Weil Igel vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv sind, genau dann, wenn viele Geräte automatisch starten, steigt das Unfallrisiko deutlich. Wer einen Mähroboter verwendet, sollte ihn auf einen Betrieb ausschließlich tagsüber programmieren und dicht bewachsene Bereiche vom Fahrplan ausnehmen.

Was jetzt, im Herbst, noch Zeit hat – und was nicht

Der Herbst ist das entscheidende Zeitfenster. Igel, die bis Oktober nicht genug Gewicht aufgebaut haben – Experten nennen als Richtwert mindestens 500 Gramm – überstehen den Winterschlaf häufig nicht. Je mehr Gärten sie in dieser Phase durchstreifen können, desto besser ihre Chancen.

Das Loch in den Zaun schneiden dauert eine Viertelstunde. Den Kellerschacht abdecken vielleicht zwanzig Minuten. Das Gartenteichnetz hochbinden noch weniger. Es sind kleine Eingriffe mit messbarer Wirkung – und wer seinen Nachbarn überzeugt, mitzumachen, verdoppelt den nutzbaren Aktionsradius für die nächste Igelfamilie.

Ob die Igel, die diesen Herbst durch die Wiener Vorgärten ziehen, im Frühjahr wieder auftauchen, hängt auch davon ab, wie viele Zäune zwischen jetzt und dem ersten Frost noch ein Loch bekommen.

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