Eisenstadt, Ende September. Die Thermometer fallen, die ersten Nebelschwaden hängen über dem Burgenland – und in Tausenden Autos sinkt unbemerkt ein Wert, der über Sicherheit und Spritkosten entscheidet. Markus Rath, Leiter des ARBÖ-Prüfzentrums in Eisenstadt, sieht das jeden Herbst aufs Neue: Autofahrer, die den ganzen Sommer ohne Probleme unterwegs waren, wundern sich plötzlich über schlechteres Fahrverhalten oder höheren Verbrauch.
Der Grund ist physikalisch und lässt sich nicht wegdiskutieren: Sinkt die Außentemperatur, zieht sich die Luft im Reifen zusammen – und damit fällt auch der Reifendruck. Nach einem Sommer mit Spitzenwerten von bis zu 40 Grad Celsius ist dieser Effekt besonders ausgeprägt. Der ARBÖ Burgenland hat deshalb am 27. September 2026 eine klare Empfehlung herausgegeben: Jetzt sofort den Reifendruck prüfen.
Warum der heiße Sommer 2026 den Reifendruck verändert hat
„Nach dem heißen Sommer mit Temperaturen bis zu 40 Grad muss der Druck in den Reifen kontrolliert werden“, sagt Markus Rath, Leiter des ARBÖ-Prüfzentrums Eisenstadt. Im Herbst sinke der Druck spürbar, im Winter könne er weiter zurückgehen. Was im Juli noch stimmte, passt im Oktober schlicht nicht mehr.
Der Temperatureffekt ist kein Randphänomen: Pro 10 Grad Celsius Temperaturrückgang verliert ein Reifen erfahrungsgemäß rund 0,1 bar. Wer also den ganzen Sommer nicht nachgepumpt hat und nun bei deutlich kühleren Morgendlichen losfährt, trägt möglicherweise bereits einen messbaren Mangel mit sich.
Schon 0,5 bar zu wenig: Wenn Sicherheit und Bremsweg auf dem Spiel stehen
Bereits bei einem halben bar unter dem Sollwert verändern sich laut ARBÖ die Fahreigenschaften spürbar. Das klingt nach wenig – ist es aber nicht. Bei Regen steigt die Gefahr von Aquaplaning, der Bremsweg verlängert sich, die Kurvenstabilität leidet.
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Im Extremfall, vor allem bei hohen Autobahngeschwindigkeiten und stark falschem Druck, kann ein Reifen platzen. Was im Sommer auf trockener Fahrbahn noch glimpflich ausging, kann auf nassem Herbstasphalt ernste Folgen haben.
Richtiger Reifendruck spart Sprit – und das spürbar an der Kasse
Wer den Luftdruck vernachlässigt, zahlt auch an der Zapfsäule drauf. Laut ARBÖ steigen bei einem Druckdefizit von rund 0,4 bar sowohl der Reifenverschleiß als auch der Treibstoffverbrauch messbar an. Angesichts der nach wie vor hohen Spritpreise in Österreich ist das ein Argument, das ins Gewicht fällt.
Wer zusätzlich sparen möchte, kann den Herstellerrichtwert um 0,2 bis 0,3 bar erhöhen, erklärt Rath – maßgeblich bleiben jedoch immer die Angaben des Fahrzeugherstellers. Die Grundempfehlung des ARBÖ ist eindeutig: Den Luftdruck alle 14 Tage kontrollieren, nicht nur beim Reifenwechsel.
Das RDKS-Warnsystem im Auto ersetzt die eigene Kontrolle nicht
Viele moderne Fahrzeuge sind mit einem Reifendruck-Kontrollsystem (RDKS) ausgestattet. Es zeigt den aktuellen Luftdruck an oder warnt bei Abweichungen – je nach Fahrzeugtyp. Erscheint eine Warnmeldung, sollte der Druck umgehend geprüft und korrigiert werden.
Auf das System allein verlassen sollte man sich trotzdem nicht. „Das RDKS trägt zur Sicherheit bei, kann jedoch eine regelmäßige Kontrolle des Reifendrucks nicht ersetzen“, betont Rath. Das System reagiert oft erst, wenn der Druck bereits deutlich unter dem Sollwert liegt.
So prüft man den Reifendruck richtig – Schritt für Schritt
Die Kontrolle dauert keine fünf Minuten und ist an den meisten österreichischen Tankstellen kostenlos möglich. Wichtig: Den Druck immer bei kalten Reifen messen, also vor längeren Fahrten oder nach maximal zwei Kilometern.
- Ventilkappe abschrauben und sicher ablegen
- Messgerät fest auf das Ventil drücken, bis kein Zischen mehr zu hören ist
- Angezeigten Druck mit dem Sollwert des Herstellers vergleichen
- Druck über die Plus- oder Minus-Funktion des Geräts korrigieren
- Ventilkappe wieder fest aufschrauben
- Vorgang an allen vier Reifen wiederholen – auch am Reserverad nicht vergessen
Den richtigen Sollwert findet man auf einem Aufkleber an der B-Säule neben der Fahrertür, auf der Innenseite des Tankdeckels, im Handschuhfach oder zuverlässig in der Bedienungsanleitung des Fahrzeugs.
Was Autofahrer jetzt konkret tun sollten
Der Herbst ist ohnehin die Zeit, in der viele Österreicher über den bevorstehenden Reifenwechsel nachdenken. Der ARBÖ empfiehlt, die Druckkontrolle nicht auf diesen Termin zu verschieben, sondern sofort – in dieser Woche – durchzuführen. Wer ohnehin zur Tankstelle fährt, hat die Kontrolle in wenigen Minuten erledigt.
Wer unsicher ist oder kein geeignetes Messgerät zur Hand hat, kann sich an eines der ARBÖ-Prüfzentren in ganz Österreich wenden. Mit dem bevorstehenden Winterreifenpflicht-Zeitraum ab 1. November rückt das Thema Reifensicherheit ohnehin wieder stärker in den Fokus der Verkehrsbehörden.
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