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Franz-Stefan Gady Prognose: Warum ein Waffenstillstand frühestens im Frühjahr 2027 möglich ist

Franz-Stefan Gady Prognose: Warum ein Waffenstillstand frühestens im Frühjahr 2027 möglich ist

Am Donnerstagabend, dem 18. September 2026, saß Franz-Stefan Gady vor einem Kreis von Auslandskorrespondenten und Europajournalisten und ließ keinen Zweifel an seiner Einschätzung. Der österreichische Militärexperte wählte keine vorsichtigen Formulierungen, keine diplomatischen Weichzeichner. Sein Befund war klar und nüchtern: Ein rasches Ende des Krieges in der Ukraine hält er derzeit für kaum vorstellbar.

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Welche Bedingungen Russland erfüllt sehen will, bevor es überhaupt zu ersten Gesprächen kommen könnte — und warum der nahende Winter die Lage zwar verändert, aber nicht entscheidet — das legte Gady in seiner Analyse Schritt für Schritt dar.

Gadys düstere Prognose: Kein Kriegsende in naher Zukunft

Franz-Stefan Gady, Senior Fellow am International Institute for Strategic Studies (IISS) und einer der profiliertesten österreichischen Militäranalysten, sieht „keinerlei Anzeichen, dass Putin vorhat, den Krieg in naher Zukunft zu beenden“. Diese Einschätzung äußerte er am 18. September 2026 bei einer Diskussionsveranstaltung mit Mitgliedern des Verbands der Auslandspresse und der Vereinigung der Europajournalisten in Wien.

Verhandlungen hält Gady frühestens im Frühjahr 2027 für denkbar — und auch das nur unter sehr spezifischen militärischen Voraussetzungen. Bis dahin, so seine Analyse, werde das Kriegsgeschehen im Donbass das Tempo vorgeben.

Slowjansk und Kramatorsk: Russlands Minimalziel vor dem Verhandlungstisch

Eine entscheidende Rolle spielen aus Gadys Sicht die beiden Großstädte Slowjansk und Kramatorsk im östlichen Donbass. Die Einnahme dieser Städte bezeichnet er als russisches Minimalziel, bevor Moskau überhaupt bereit wäre, über einen Waffenstillstand zu sprechen.

„Erst wenn diese Städte fallen oder im Begriff sind zu fallen, würden aus russischer Perspektive erste Verhandlungen stattfinden“, sagte Gady bei der Veranstaltung. Solange das nicht der Fall sei, habe der Kreml keinen Anreiz, den Druck zu verringern.

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Konkret: Sollte die russische Armee bis zum Einsetzen des Winters nicht zumindest die ersten Häuserreihen von Kramatorsk erreicht und sich dort festgesetzt haben, erwartet Gady erhebliche Schwierigkeiten beim weiteren Vordringen — mit entsprechenden Folgen für einen möglichen Verhandlungszeitplan.

Der Winter begünstigt die Verteidiger — aber nur begrenzt

Mit dem nahenden Winter könnten sich die Bedingungen zugunsten der ukrainischen Verteidiger verschieben. Wenn die Bäume ihre Blätter verlieren, werde die Verteidigung generell begünstigt, so Gady — Drohnen und Aufklärung verlieren an Effizienz, Geländegewinne werden schwerer zu erzielen.

Das allein reiche jedoch nicht aus, um die russische Offensive grundlegend zu stoppen. Gadys Schlussfolgerung: Verhandlungen vor dem Frühjahr 2027 sind aus militärischer Logik heraus kaum zu erwarten — der Winter fungiert allenfalls als Atempause, nicht als Wendepunkt.

Russlands militärische Stärke: Drohnen, Raketen, Marschflugkörper

Beim Blick auf das Kräfteverhältnis sieht Gady klare Vorteile auf russischer Seite. Russland habe seit 2022 bei Mittel- und Langstreckendrohnen sowie bei ballistischen Raketen und Marschflugkörpern enorme Fortschritte erzielt. Die technologische und industrielle Aufrüstung habe das russische Militär in diesen Bereichen deutlich schlagkräftiger gemacht.

Gleichzeitig habe Gady keine belastbaren Hinweise gefunden, dass ukrainische Drohnenangriffe auf Ziele in einer Entfernung von 30 bis 100 Kilometern den russischen Vorstoß im südlichen Donbass nachhaltig gebremst hätten. Das Bild, das sich ergibt, ist eines asymmetrischer Reichweite: Russland kann tiefer treffen, mit größerer Masse und wachsender Präzision.

Europa zwischen Krieg und Frieden: Gadys Warnung an den Westen

Über den Ukraine-Krieg hinaus blickt Gady mit erkennbarer Sorge auf die Sicherheitslage in Europa insgesamt. Zwischen Westeuropa und Russland herrsche zwar formal kein Krieg, nach seiner Einschätzung aber ein „kriegsähnlicher Zustand“ — ein Zustand „zwischen Krieg und Frieden“, der sich von einem offenen Konflikt nur graduell unterscheide.

Für den hypothetischen Fall eines bewaffneten Konflikts zwischen Russland und einem NATO-Staat geht Gady davon aus, dass dieser überwiegend aus der Luft geführt würde. Der Westen, so sein ernüchterndes Urteil, habe derzeit nicht die Fähigkeit, eine große Menge an Drohnen und Raketen wirkungsvoll abzuwehren. Das betrifft nicht nur einzelne Staaten, sondern die NATO-Luftverteidigung als Ganzes.

Was nun offen bleibt: Frühjahr 2027 als entscheidende Wegmarke

Gadys Analyse läuft auf eine einzige zentrale Frage hinaus: Werden Slowjansk und Kramatorsk bis zum Frühjahr 2027 in russische Hände fallen — oder nicht? Von der Antwort hängt ab, ob Moskau überhaupt einen Anlass sieht, sich an einen Verhandlungstisch zu setzen.

Die relevanten Entwicklungen der kommenden Monate lassen sich in ihrer Bedeutung so zusammenfassen:

  • Gelingt Russland bis Winter 2026 der Einbruch in die Stadtgebiete von Kramatorsk, steigt der Druck auf Kiew erheblich.
  • Scheitert der Vorstoß am winterlichen Gelände, verschiebt sich das Zeitfenster für mögliche Gespräche weiter nach hinten.
  • Russlands Raketen- und Drohnenkapazitäten bleiben unabhängig vom Bodenverlauf eine strategische Bedrohung für die gesamte ukrainische Infrastruktur.
  • Der Westen steht nach Gadys Einschätzung vor einer Lücke in der Luftverteidigung, die nicht kurzfristig zu schließen ist.
  • Ein Waffenstillstand vor dem Frühjahr 2027 gilt dem Experten als so gut wie ausgeschlossen.

Ob die Frühjahrsoffensive 2027 — sollte es sie geben — dann tatsächlich den entscheidenden Druck erzeugt, der beide Seiten an den Verhandlungstisch zwingt, bleibt nach Gadys eigenem Bekunden die offenste Frage des gesamten Konflikts.

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