Es war eine klare Kampfansage, formuliert in den nüchternen Zahlen des Weltfußballs: UEFA-Präsident Aleksander Ceferin und CONCACAF-Chef Victor Montagliani verlangen, dass jeder der 211 FIFA-Mitgliedsverbände eine zusätzliche Zahlung von zehn Millionen US-Dollar erhält. Nicht irgendwann — sondern als einmalige Ausschüttung über den bereits laufenden Zyklus hinaus.
In Summe geht es um rund 2,1 Milliarden US-Dollar, umgerechnet etwa 1,8 Milliarden Euro. Der Adressat dieser Forderung ist eindeutig: FIFA-Präsident Gianni Infantino, der das mächtigste Amt im Weltfußball seit Jahren mit eiserner Hand hält — und sich im März 2027 erneut wählen lassen will.
Prall gefüllte Kassen nach der WM in den USA, Kanada und Mexiko
Ceferin und Montagliani stützen ihre Forderung auf eine schlichte Bestandsaufnahme: Die FIFA-Reserven sollen sich nach der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko auf rund sechs Milliarden US-Dollar belaufen. Selbst wenn die geforderten 2,1 Milliarden ausgezahlt würden, wären laut ihrer Analyse im nächsten Zyklus noch immer rund 1,5 Milliarden Dollar an Rücklagen vorhanden.
Das Argument ist damit nicht leicht wegzuwischen: Der Weltverband sitzt auf einem Berg Geld, während viele seiner 211 Mitgliedsverbände mit chronischer Unterfinanzierung kämpfen. Die Zahlung soll zwischen 2027 und 2030 für Infrastruktur und die Entwicklung des Fußballs in den jeweiligen Ländern eingesetzt werden.
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Was die 2,1 Milliarden Dollar bedeuten — und warum sie zusätzlich fließen sollen
Entscheidend ist der Zusatz „zusätzlich“: Die geforderte Milliardensumme soll nicht die ohnehin zugesagten Mittel aus dem bestehenden FIFA-Forward-Programm ersetzen, sondern darüber hinausgehen. UEFA und CONCACAF fordern außerdem eine unabhängige Prüfung der FIFA-Finanzen — ein Schritt, der Infantinos Kontrolle über die Kassen des Weltverbands empfindlich beschneiden würde.
Die Liste der Forderungen ist damit dreigeteilt:
- Einmalige Zusatzzahlung von je zehn Millionen US-Dollar an alle 211 Mitgliedsverbände
- Zweckbindung der Mittel für Infrastruktur und Fußballentwicklung zwischen 2027 und 2030
- Unabhängige externe Prüfung der FIFA-Finanzen
Der tiefere Konflikt: Infantinos gescheiterter Plan und das Machtgefüge im Weltfußball
Hinter den Zahlen steckt ein seit Monaten schwelender Machtkampf. UEFA und CONCACAF hatten sich zuletzt vehement gegen Infantinos Plan gestellt, Anteile am WM-Geschäft für privates Kapital zu öffnen. Dieses Vorhaben scheiterte — nicht zuletzt am Widerstand der beiden Kontinentalverbände.
Nun wollen Ceferin und Montagliani auch die übrigen vier Kontinentalverbände — darunter die asiatische AFC, die afrikanische CAF und den südamerikanischen CONMEBOL — für ihren Ausschüttungsvorschlag gewinnen. Gelingt das, stünde Infantino einer breiten Front gegenüber, die seine Finanzpolitik offen infrage stellt.
Warum März 2027 alles verändert: Infantinos Wiederwahl als Druckmittel
Der Zeitpunkt der Forderung ist kein Zufall. Im März 2027 will sich Gianni Infantino erneut zum FIFA-Präsidenten wählen lassen. Die 211 nationalen Verbände — genau jene, die laut UEFA und CONCACAF je zehn Millionen Dollar erhalten sollen — entscheiden über seinen Verbleib im Amt.
Eine milliardenschwere Ausschüttung kurz vor dem Wahlkongress würde die Stimmungslage unter den kleinen Verbänden erheblich beeinflussen, sagte dem Vernehmen nach ein ranghoher Verbandsvertreter aus dem UEFA-Umfeld. Infantino sieht sich damit nicht nur mit finanzpolitischen, sondern auch mit handfest wahltaktischen Überlegungen seiner Rivalen konfrontiert.
Riesiger Druck — doch Infantino hat noch Zeit zu reagieren
Offiziell hat die FIFA zu den konkreten Forderungen bislang keine detaillierte Stellungnahme abgegeben. Der Weltverband verwies intern auf bestehende Förderstrukturen und den laufenden Planungsprozess für den nächsten Zyklus, wie aus Verbandskreisen zu erfahren war.
Bis zum Wahlkongress im Frühjahr 2027 verbleiben rund 18 Monate — genug Zeit für Verhandlungen, aber auch für weitere Eskalation. Ob die vier noch nicht positionierten Kontinentalverbände der Forderung von UEFA und CONCACAF folgen, dürfte die entscheidende Frage der kommenden Wochen sein.
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