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AfD-Sieg Sachsen-Anhalt: Warum Migranten in Berlin jetzt ans Auswandern denken

AfD-Sieg Sachsen-Anhalt: Warum Migranten in Berlin jetzt ans Auswandern denken

Hasan steht seit zwanzig Jahren hinter der Theke eines Elektronikladens in Berlin. Er kam aus der Türkei, baute sich ein Leben auf, lernte die Sprache, zahlte Steuern. Am Abend des 12. September 2026 aber, als die Ergebnisse aus Sachsen-Anhalt über die Bildschirme flimmerten und die AfD mit 43,8 Prozent einen Erdrutschsieg einfuhr, saß der 50-Jährige lange still da.

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Was die Partei mit Deutschland vorhabe, sei für ihn der „Anfang vom Ende“, sagt Hasan. Plötzlich denkt er wieder daran, das Land zu verlassen — und er ist damit nicht allein. Unter Migranten in deutschen Großstädten wächst seit dem Wahltag die Unruhe, wie Berichte aus Berlin zeigen.

Der AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt und seine Wirkung auf Migranten

Mit 43,8 Prozent holte die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ihr bislang stärkstes Ergebnis bei einer Flächenwahl. Das Beben wirkt weit über das Bundesland hinaus — zumal in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern demnächst ebenfalls Wahlen anstehen. Für viele Zugewanderte ist das Ergebnis kein abstrakt-politisches Signal mehr, sondern eine persönliche Bedrohung.

Hasan formuliert es so: Sollte die Partei bundesweit an die Macht kommen, wäre ein weiteres Leben in Deutschland für ihn nicht vorstellbar. Das Wort „Auswandern“, das er zwanzig Jahre lang nicht mehr gedacht hatte, ist zurück.

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Auch die schwarz-rote Bundesregierung steht in der Kritik

Die Sorgen speisen sich nicht nur aus dem AfD-Wahlerfolg. Auch die schwarz-rote Bundesregierung erntet Unmut — von Menschen, die sich eigentlich weit von der AfD entfernt wähnen. Omer, Gemüsehändler in Berlin und Sohn türkischer Einwanderer, wurde vor 44 Jahren in der Stadt geboren. Er beklagt die hohen Lebenshaltungskosten und wünscht sich, die Politik solle wieder mehr für die Wirtschaft tun.

Bei der Migrationspolitik sieht der 44-Jährige durchaus Probleme — die AfD würde er trotzdem nie wählen. Den Hass, den die Partei verbreite, empfindet er als „unerträglich“. Sollten die Blauen in Berlin oder auf Bundesebene die Regierung übernehmen, will er mit seiner Familie in die Türkei auswandern.

„Kein Deutscher Pass schützt mich vor Willkür“: Die Stimmen der Betroffenen

Ahmed, 22 Jahre alt und seit sieben Jahren in Deutschland, kommt aus dem Irak. Zurzeit arbeitet er in einem Minijob und träumt davon, seinen Schulabschluss nachzuholen und danach „eine richtige Arbeit zu bekommen“. Der Rassismus der AfD mache ihn traurig, sagt er. Bei straffällig gewordenen Ausländern teilt er allerdings die Forderung der Partei: Wer Straftaten begehe, müsse das Land verlassen.

Eine ganz andere Perspektive bringt Payiz ein. Die 48-jährige Irakerin lebt seit 20 Jahren in Deutschland, besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft und führt eine Immobilienagentur. Ihre drei Kinder studieren derzeit in Wien. Ihren deutschen Pass sieht sie dennoch nicht als Schutzschild: Er werde sie nicht „vor Willkür durch die AfD“ bewahren, ist sie überzeugt — denn sie sei eben keine „Bio-Deutsche“.

Auswandern als Gedankenspiel: Wie verbreitet ist die Stimmung?

Payiz berichtet, dass viele Migranten in ihrem Umfeld ähnlich denken und konkret überlegen, in welche Länder sie ausweichen könnten. Auch ihre eigene Familie spiele den Gedanken durch, sollte die AfD tatsächlich die Regierung stellen. Es geht dabei nicht um spontane Panik, sondern um einen schleichenden Vertrauensverlust — in Institutionen, in Mehrheiten, in den Schutz, den ein Pass eigentlich garantieren sollte.

Die Betroffenen eint dabei eine eigentümliche Ambivalenz: Kaum einer von ihnen stimmt der AfD in allen Punkten zu, manche lehnen die Partei scharf ab — und doch erzwingen die Wahlergebnisse eine Auseinandersetzung mit der Frage, ob Deutschland dauerhaft ihr Zuhause bleibt.

Was jetzt folgt: Wahlen in Berlin und die offene Frage der Regierungsbildung

Der Blick richtet sich nun auf die bevorstehenden Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Ob die AfD ihren Aufwärtstrend bestätigen kann, wird die politische Debatte über Migration, Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt erneut befeuern. Wie die Bundesregierung auf den wachsenden Verdruss von Zugewanderten reagiert, die sich bislang als Teil dieser Gesellschaft verstanden haben, ist derzeit offen.

Für Hasan in seinem Berliner Laden bleibt die Antwort auf eine schlichte Frage aus: Was passiert mit Menschen, die seit Jahrzehnten hier leben, arbeiten und Steuern zahlen — wenn die politische Mehrheit eine andere Richtung einschlägt?

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