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Energydrink-Pulver Österreich: Kinderärztin aus Linz warnt vor 200 mg Koffein pro Portion

Energydrink-Pulver Österreich: Kinderärztin aus Linz warnt vor 200 mg Koffein pro Portion

Ein 14-Jähriger kommt nach der Schule nach Hause, löst ein buntes Pulver in Wasser auf und trinkt es in einem Zug. Die Dose wirbt mit mehr Konzentration und Energie, auf der Rückseite steht in kleiner Schrift, wie viel Koffein tatsächlich drin ist. Gerade nach den Sommerferien, wenn Schulstress und frühe Aufstehzeiten wieder zum Alltag gehören, greifen immer mehr Jugendliche zu solchen Produkten.

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Was wie eine harmlose Alternative zu herkömmlichen Energydrinks aussieht, kann laut einer Linzer Kinderärztin erhebliche gesundheitliche Folgen haben — von Herzrhythmusstörungen über Schlafstörungen bis hin zu Panikattacken. Und in Österreich gibt es bis heute kein gesetzliches Verkaufsverbot für diese Produkte an Minderjährige.

Der Hype um Energydrink-Pulver trifft besonders Jugendliche nach den Sommerferien

Energydrink-Pulver und -Sirupe haben sich in den vergangenen Jahren still und leise in der Jugendkultur etabliert. Knallige Verpackungen, comichafte Figuren und Influencer-Werbung auf TikTok und Instagram erreichen genau jene Zielgruppe, die am empfindlichsten auf hohe Koffeinmengen reagiert.

„Man sieht, dass rund ein Zehntel der Jugendlichen regelmäßig Energydrinks konsumiert. Viele arbeiten oft lange oder sind in der Schule einem gewissen Leistungsdruck ausgesetzt“, sagt Claudia Arnreiter, Kinderärztin am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern. Besonders rund um den Schulbeginn im September steige die Versuchung, zum Koffeinschub zu greifen, deutlich an.

200 Milligramm Koffein pro Portion: Warum eine einzige Zubereitung zu viel sein kann

Ein handelsüblicher Energydrink enthält rund 80 Milligramm Koffein auf 250 Milliliter. Für Jugendliche empfehlen Mediziner eine tägliche Obergrenze von etwa 3 Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht. Bei einem 50 Kilogramm schweren Teenager sind das maximal 150 Milligramm am Tag.

Das Problem: Eine einzige Portion Energydrink-Pulver oder -Sirup kann bereits zwischen 150 und 200 Milligramm Koffein enthalten. Damit ist die empfohlene Tagesmenge mit einem einzigen Getränk erreicht oder überschritten — noch bevor der Tag richtig begonnen hat.

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Erschwerend kommt die Zubereitung zu Hause hinzu. Die größeren Packungen reichen für 30 bis 50 Getränke. Wer statt der vorgesehenen 7-Gramm-Portion nur 3 Gramm mehr abmisst, überschreitet bereits die 200-Milligramm-Grenze. „Die knallige Verpackung lenkt auch von wesentlichen Informationen ab. Oft steht nur ganz klein hinten drauf, wie viel Koffein drin ist. Dabei wäre das die wichtigste Info. Auch der gesetzlich verpflichtende Warnhinweis ist leicht übersehbar“, sagt Arnreiter.

Brustschmerzen, Atemnot, Panikattacken: Die konkreten Risiken aus der Praxis

Hohe Koffeindosen können Puls und Blutdruck erhöhen und Herzrhythmusstörungen auslösen. Arnreiter berichtet aus ihrem Praxisalltag: „Manchmal kommen Jugendliche zu uns, die über Beschwerden wie Brustschmerzen oder Atemnot klagen. Dann stellt sich heraus, dass sie ganz schön viel koffeinhaltige Getränke konsumiert haben. Vielen ist dabei auch nicht bewusst, dass mit Koffein eine Überdosierung möglich ist.“

Die Folgen beschränken sich nicht auf körperliche Symptome. „Wegen der Unruhe nimmt man Dinge anders wahr. Hat man dann noch schlecht geschlafen, kann das sogar Angstzustände bis hin zu Panikattacken auslösen. Im schlimmsten Fall können Krampfanfälle auftreten“, warnt die Ärztin. Zusatzstoffe wie Taurin, Guarana oder Ginseng können die Koffeinwirkung zusätzlich verstärken — ihre Sicherheit in solchen Kombinationen ist bei Jugendlichen noch unzureichend untersucht.

Der Teufelskreis: Schlechter Schlaf führt zum nächsten Koffeinschub

Koffein hat im Körper eine Halbwertszeit von etwa 4 bis 5 Stunden. Wer um 16 Uhr ein hochdosiertes Pulvergetränk zu sich nimmt, hat um Mitternacht noch die Hälfte der Wirkstoffmenge im Blut. Die Folge sind verkürzte Tiefschlafphasen, die für die Erholung und Entwicklung junger Menschen besonders wichtig sind.

Wer am nächsten Morgen trotzdem erschöpft zur Schule muss, greift erneut zum nächsten Getränk. Bei regelmäßigem Konsum gewöhnt sich das Gehirn an das Koffein — für denselben Effekt werden mit der Zeit größere Mengen nötig, und eine Abhängigkeit kann entstehen. Das ist kein Einzelfall, sondern ein Muster, das Arnreiter in ihrer Ambulanz wiederholt beobachtet.

Kein Verkaufsverbot in Österreich — Ärztin fordert gesetzliche Regelung

In Österreich existiert derzeit keine Altersbeschränkung für den Kauf koffeinhaltiger Energydrinks oder der entsprechenden Pulver und Sirupe. Das unterscheidet die Republik von Ländern wie Norwegen oder Polen, wo ein Verkaufsverbot an Minderjährige bereits gesetzlich verankert ist.

„Ein Verkaufsverbot von Energydrinks an Minderjährige wäre auch in Österreich dringend zu empfehlen. Dabei sollten auch Energydrink-Pulver und -Sirupe berücksichtigt werden. Sie enthalten oft hohe Mengen an Koffein sowie künstlichen Zuckerersatz, sind meist günstiger als herkömmliche Energydrinks und sprechen dadurch besonders junge Menschen an“, sagt Arnreiter. Auch Spanien diskutiert derzeit ein entsprechendes Verbot für alle unter 16 Jahren.

Was Eltern konkret tun können — und wo die Grenzen liegen

Arnreiter empfiehlt Eltern, das Gespräch zu suchen: offen über Koffeinmengen, Warnhinweise und die realen Wirkungen sprechen, bevor ein Kind von selbst zum Regal greift. Ein pauschales Verbot zu Hause ist schwer durchzuhalten, wenn das Produkt im Freundeskreis ganz selbstverständlich konsumiert wird.

„Oft führt der Gruppenzwang im Freundeskreis zum Konsum. Wenn Freunde der Kinder das trinken dürfen, ist ein Verbot nicht leicht umzusetzen. Wollen es die eigenen Kinder unbedingt, dann können Eltern ihnen nur eine begrenzte Menge pro Tag geben oder die Getränke vorher selbst mischen. Denn alles, was man verbietet, ist noch interessanter“, sagt Arnreiter. Ihr pragmatischer Rat für jene Fälle, in denen ein Nein nicht durchsetzbar ist:

  • Produkte ausschließlich ohne Koffein und ohne Zucker wählen
  • Die Koffeinangabe auf der Verpackung gemeinsam mit dem Kind lesen und einordnen
  • Den Konsum auf den Vormittag beschränken, damit der Schlaf nicht leidet
  • Nie mehr als eine Portion pro Tag zulassen, auch wenn das Pulver mehr erlauben würde
  • Selbst mischen, um die Menge kontrollieren zu können

Ob Österreich dem Beispiel Norwegens und Polens folgt und ein gesetzliches Mindestalter für koffeinhaltige Getränke einführt, liegt vorerst bei der Politik — und die hat sich dazu noch nicht festgelegt.

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