Am Montag, dem 10. September 2026, klingelt für mehr als 200.000 Kinder und Jugendliche in Oberösterreich wieder der Schulalltag. Neue Hefte, neue Lehrer, neue Klassen. Doch in drei Volksschulen im Innviertel bleibt es still — die Türen öffnen sich nicht mehr.
Die Standorte in Pramet und Jeging nehmen ihren Betrieb im neuen Schuljahr nicht mehr auf, und auch in Geiersberg sowie St. Marienkirchen am Hausruck ändert sich alles. Was dahintersteckt, ist kein plötzlicher Entschluss, sondern das Ergebnis eines Problems, das Oberösterreich seit Jahren belastet — und das zum Schulstart 2026 in aller Schärfe sichtbar wird.
3 Innviertler Schulen zu: Welche Standorte betroffen sind
Die Volksschule in Pramet im Bezirk Ried im Innkreis sowie jene in Jeging im Bezirk Braunau am Inn nehmen ihren Betrieb mit dem Schuljahr 2026/27 endgültig nicht mehr auf. Beide Standorte werden geschlossen, berichten die Oberösterreichischen Nachrichten. Das ist keine vorübergehende Maßnahme — die Schultüren bleiben dauerhaft zu.
In Geiersberg und St. Marienkirchen am Hausruck, beide im Bezirk Ried, hat man hingegen eine gemeindeübergreifende Lösung erarbeitet. Alle Volksschülerinnen und Volksschüler sowie ihre Lehrkräfte ziehen übergangsweise in das Schulgebäude nach Geiersberg. Dort soll der gemeinsame Unterricht laufen, bis der Neubau in St. Marienkirchen im Sommer 2027 fertiggestellt ist.
Klassen nicht auffüllen: Der Bevölkerungsrückgang als eigentlicher Grund
Hinter den Schließungen steckt ein demografisches Problem, das kleine Gemeinden im Innviertel seit Jahren unter Druck setzt. „Als kleine Gemeinde haben wir das Leid, dass wir die Klassen nicht auffüllen können“, sagte Friedrich Hosner, Bürgermeister von St. Marienkirchen am Hausruck (SPÖ). Zu wenige Kinder im Einzugsgebiet bedeuten zu wenige Klassen — und irgendwann lässt sich ein eigener Schulstandort schlicht nicht mehr rechtfertigen.
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Dass es Sigharting mit rund 900 Einwohnern vorerst anders gelingt, zeigt, wie unterschiedlich die Lage von Gemeinde zu Gemeinde ist. Dort wird die Volksschule wieder zweiklassig geführt. „Mittelfristig ist der Standort gesichert“, sagte Bürgermeisterin Martina Schlöglmann (ÖVP). In Altschwendt steht man vor einer ähnlichen Aufgabe, den Betrieb mittel- bis langfristig zu sichern — eine Garantie gibt es auch dort nicht.
Lehrermangel verschärft die Lage: „Keine Entwarnung angesagt“
Die Standortschließungen treffen ein Schulsystem, das ohnehin unter erheblichem Druck steht. Der grüne OÖ-Bildungssprecher Reinhard Ammer stellte gegenüber Heute klar: Beim Lehrkräftemangel sei „keine Entwarnung angesagt“. Entscheidend sei nicht nur, dass am ersten Schultag jede Klasse irgendwie versorgt ist.
Die Direktorin einer Mittelschule im Bezirk Linz-Land beschrieb die Realität unverblümt: „Wir müssen mittlerweile Stellen mit jedem besetzen, der sich bewirbt. Wir können nicht mehr darauf schauen, ob die Person ins Team und zum Leitbild der Schule passt.“ Diese Entwicklung sei, so die Schulleiterin, „schon seit drei, vier Jahren besorgniserregend“ — also kein neues Phänomen, sondern ein strukturelles Dauerproblem.
Neubau in St. Marienkirchen bis Sommer 2027: Was die Lösung bringt
Für die betroffenen Familien in St. Marienkirchen am Hausruck und Geiersberg gibt es zumindest eine konkrete Perspektive. Der Interimsunterricht in Geiersberg ist als Übergangslösung angelegt — zeitlich begrenzt bis zur Fertigstellung des neuen Schulgebäudes in St. Marienkirchen, die für den Sommer 2027 geplant ist.
Nach Abschluss des Neubaus soll das Bildungsangebot in der Region neu aufgestellt werden:
- Volksschule St. Marienkirchen am Hausruck: neues Gebäude, gemeinsamer Standort für beide Gemeinden
- Kindergarten Geiersberg: bleibt als Betreuungseinrichtung für die Region erhalten
- Volksschule Pramet (Bez. Ried): endgültig geschlossen, kein Ersatzstandort vor Ort
- Volksschule Jeging (Bez. Braunau): endgültig geschlossen, kein Ersatzstandort vor Ort
Bezirk Schärding bisher verschont — doch wie lange noch?
Bürgermeister Hosner wies ausdrücklich darauf hin, dass vergleichbare kleine Gemeinden im benachbarten Bezirk Schärding von dieser Misere bisher verschont geblieben sind. Ob das so bleibt, ist offen. Die demografischen Trends, die das Innviertel erfassen, machen vor Bezirksgrenzen nicht halt.
Ob das Bildungsministerium in Wien reagiert und strukturelle Maßnahmen für ländliche Kleingemeinden plant, ist derzeit nicht bekannt. Die Zuständigkeit für Volksschulen liegt in Österreich bei den Ländern — das Land Oberösterreich hat sich zu einem koordinierten Programm zur Standortsicherung bislang nicht öffentlich geäußert.
Ob die für Sommer 2027 geplante Fertigstellung des Neubaus in St. Marienkirchen am Hausruck tatsächlich im Zeitplan bleibt, wird die nächste entscheidende Frage für die betroffenen Familien im Bezirk Ried sein.
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