Es war die 35. Minute im Lavanttal, als Schiedsrichter Alain Sadikovski seine Entscheidung traf — und damit eine Debatte auslöste, die noch lange nach dem Abpfiff nicht verstummte. Yusuf Demir schoss, der Ball verließ das Spielfeld, und Sadikovski deutete auf die Eckfahne. WAC-Keeper Lukas Gütlbauer soll mit den Fingerspitzen noch am Ball gewesen sein — zumindest laut Schiedsrichter. Doch die Wolfsberg-Spieler auf dem Rasen sahen das ganz anders.
Rapid Wien feierte am Samstagabend, dem 12. September 2026, einen klaren 3:0-Auswärtssieg in Wolfsberg. Serge-Philippe Raux-Yao traf in der 13. Minute per Kopf zum 1:0, Nenad Cvetkovic erhöhte in der 35. Minute nach dem besagten Eckball auf 2:0, und Petter Nosa Dahl setzte in der 82. Minute den Schlusspunkt. Aber wer hatte bei diesem zweiten Tor tatsächlich recht — die Hütteldorfer, der Schiedsrichter oder der VAR, der schwieg?
Der strittige Eckball: Was in der 35. Minute wirklich geschah
Die entscheidende Situation entstand, als Demirs Schuss auf das WAC-Tor abgefälscht wurde — oder eben nicht. Schiedsrichter Sadikovski entschied auf Eckball, obwohl Gütlbauer laut den Wolfsberg-Akteuren den Ball zuletzt nicht berührt hatte. Aus dem folgenden Corner resultierte das 2:0 durch Cvetkovic. Die Flugkurve des Balles und die sofortige Reaktion der Kärntner Spieler deuteten klar auf eine Fehlentscheidung hin.
Wolfsbergs Verteidiger Simon Piesinger suchte noch auf dem Platz das Gespräch. „Es war kein Eckball. Ich habe ihn gefragt, ob es einer war. Er hat gesagt, er schwört, dass er ihn nicht berührt hat“, schilderte Piesinger nach dem Spiel bei Sky, wie er bei seinem Torwart nachgehakt hatte. Genau das habe er auch dem Unparteiischen mitgeteilt — doch dessen Antwort blieb vage.
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VAR ohne Eingriff: Warum das System hier versagte
Ein falsch gegebener Eckball wäre grundsätzlich ein Fall für den Videobeweis. Das Problem: Die beiden Zeitlupenbilder, die während der Live-Übertragung zu sehen waren, lieferten offenbar keine eindeutige Grundlage für eine Intervention. Der VAR griff nicht ein.
Piesinger fasste seine Frustration knapp zusammen: „Aber sie haben es anscheinend nicht gecheckt. Keine Ahnung“, sagte er und zuckte mit den Schultern. Für ihn war die Sachlage auf dem Rasen klar: „Fernsehen ist wurscht, der Schiedsrichter muss es sehen“ — und auf dem Feld sei es „ersichtlich“ gewesen, dass kein Corner vorlag.
Sadikovskis Leistung: Nicht nur der Eckball stand in der Kritik
Die strittige Situation rund um das 2:0 war nicht die einzige Entscheidung, die an diesem Abend für Gesprächsstoff sorgte. Kurz vor der Halbzeitpause zeigte Sadikovski dem späteren Torschützen Dahl die Gelbe Karte — wegen einer angeblichen Schwalbe. Auch diese Bewertung war umstritten.
Rapids Sport-Geschäftsführer Markus Katzer sah in derselben Szene sogar ein Elfmeterfoul zulasten des Wieners. Damit standen an diesem Abend gleich 2 Schiedsrichterentscheidungen im Fokus, die von den beteiligten Klubs völlig gegensätzlich bewertet wurden.
WAC-Trainer Silberberger: Trotz Ärger zur eigenen Abwehr selbstkritisch
Bemerkenswerterweise ließ Piesinger die Kritik an der Schiedsrichterleistung nicht als alleinige Erklärung für die Niederlage gelten. „Man muss auch sagen: Wir haben es dann schlecht verteidigt“, räumte der Abwehrmann ein. Diese Einschätzung teilte auch WAC-Trainer Thomas Silberberger ohne Umschweife.
„Wir haben ja genau gewusst, was kommt, und wir haben schlecht verteidigt“, sagte Silberberger nach dem Abpfiff. Der Coach machte damit deutlich, dass die Kärntner die taktische Ausgangslage kannten — und dennoch nicht die richtige Antwort fanden. Ob der Eckball korrekt war oder nicht: Das 3:0 am Ende ließ wenig Spielraum für Diskussionen über Gerechtigkeit.
Rapid jubelt, doch das Fragezeichen bleibt
Für die Hütteldorfer zählen am Ende die 3 Punkte aus Wolfsberg — ein wichtiges Signal nach zuletzt schwierigeren Wochen. Raux-Yaos Kopfballtreffer, Cvetkovics Nachsetzer und Dahls später Abschluss ergaben ein auf dem Papier komfortables Ergebnis. Doch das Bild des Abends blieb durch die VAR-Diskussion getrübt.
Ob der österreichische Fußball-Bund oder die zuständige Schiedsrichterkommission des ÖFB die Situation nachträglich bewertet und öffentlich Stellung bezieht, war unmittelbar nach dem Spiel noch offen.
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