Im Landesklinikum Amstetten liegt derzeit eine Frau aus dem Bezirk Amstetten, die sich mit Legionellen infiziert hat. Die Patientin wohnt in einer betreuten Wohnanlage – und genau dort untersuchen die Behörden seit Bekanntwerden des Falls das Leitungswasser. Wann die Ergebnisse vorliegen, ist noch offen.
Der Zeitpunkt ist heikel: Im Großraum Linz kämpfen die Behörden bereits seit Tagen gegen einen Legionellen-Ausbruch mit 32 Erkrankten und drei Todesopfern. Nun stellt sich die Frage, ob der Amstettener Fall damit in irgendeinem Zusammenhang steht – oder ob es sich um einen völlig unabhängigen Infektionsherd handelt.
Betreute Wohnanlage im Bezirk Amstetten: Was die Behörden wissen
Das Spital meldete die bestätigte Legionellen-Infektion umgehend der zuständigen Sanitätsbehörde, wie die Niederösterreichischen Nachrichten berichteten. Die Bezirkshauptmannschaft Amstetten leitete daraufhin eine Untersuchung des Wassers in der betroffenen Anlage ein.
„Wir haben als Sanitätsbehörde alle notwendigen Schritte eingeleitet, um in Zusammenarbeit mit der AGES die Quelle der Infektion ausfindig zu machen“, sagte Bezirkshauptfrau Martina Gerersdorfer gegenüber den NÖN. Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) ist damit in die Ermittlungen eingebunden.
Infektionsquelle ungeklärt: Ansteckung muss nicht in der Wohnanlage erfolgt sein
Die Wohnanlage selbst ist technisch so aufgebaut, dass jede Einheit über einen eigenen Wasserkreislauf und einen separaten Wärmetauscher verfügt. Laut Amtsarzt besteht für die anderen Bewohnerinnen und Bewohner deshalb keine unmittelbare Gefahr.
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Ob sich die Frau überhaupt in der Anlage angesteckt hat, ist bislang nicht geklärt. „Zudem wissen wir nicht, ob sich die Frau wirklich dort infiziert hat oder anderswo. Das ist auch Teil der Erhebungen“, betonte Bezirkshauptfrau Gerersdorfer. Berichte von Angehörigen über ein Duschverbot in der Anlage konnten von der Behörde nicht bestätigt werden – eine solche Maßnahme wurde jedenfalls nicht angeordnet.
Was Legionellen sind und wen sie besonders gefährden
Legionellen kommen natürlicherweise in geringer Konzentration in Gewässern vor. Problematisch wird es, wenn sich die Bakterien unter bestimmten Bedingungen massenhaft vermehren – etwa in Warmwasseranlagen großer Gebäude, in Kühltürmen oder anderen technischen Wassersystemen, besonders bei Temperaturen zwischen 25 und 50 Grad Celsius.
Eine Infektion kann zwei sehr unterschiedliche Krankheitsbilder auslösen:
- Legionärskrankheit: schwere Lungenentzündung, die zwingend mit Antibiotika behandelt werden muss und lebensbedrohlich verlaufen kann
- Pontiac-Fieber: mildere Verlaufsform ohne Lungenentzündung, klingt meist innerhalb von zwei bis fünf Tagen von selbst ab
Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem, chronischen Lungenerkrankungen sowie Raucherinnen und Raucher. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich – die Infektion erfolgt ausschließlich über das Einatmen von legionellenhaltigem Wasserdampf oder Aerosolen.
Linz-Leonding: 32 Erkrankte, 3 Tote, Kühlanlage stillgelegt
Parallel zu den Ermittlungen in Niederösterreich laufen im Großraum Linz die Untersuchungen des bisher schwersten Legionellen-Ausbruchs in der jüngeren österreichischen Geschichte weiter. Stand 4. September 2026 sind 32 Infektionsfälle bekannt, drei Menschen sind gestorben, fünf Patienten werden noch stationär behandelt.
Die Behörden haben rund 200 Wasserproben aus Haushalten, Betrieben, Unterkünften und technischen Anlagen entnommen. Bei einer Kühlanlage eines Gewerbebetriebs im Raum Linz-Leonding wurden relevante Legionellen-Konzentrationen nachgewiesen. Die Anlage wurde umgehend stillgelegt und desinfiziert; nach der Reinigung soll eine neuerliche Untersuchung folgen. Eine zweite Kühlanlage östlich der A7 war ebenfalls auffällig, jedoch gibt es laut aktuellem Stand keinen mikrobiologischen Hinweis auf einen Zusammenhang mit dem Ausbruch.
Über den Gesundheitszustand der Amstettener Patientin gibt es keine Angaben
Zum Befinden der betroffenen Frau äußerten sich weder das Landesklinikum Amstetten noch die Bezirkshauptmannschaft. Ob ein Zusammenhang mit dem Linzer Geschehen besteht, prüft die AGES im Rahmen ihrer laufenden Untersuchungen.
Solange die Herkunft der Infektion nicht eindeutig feststeht, bleiben die Wasserproben aus der Amstettener Wohnanlage das zentrale Puzzleteil – und deren Auswertung dürfte entscheiden, ob die Behörden weitere Schutzmaßnahmen anordnen.
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