Ein gewöhnlicher Montag auf einem Gang des Forensisch-Therapeutischen Zentrums (FTZ) Garsten im Bezirk Steyr-Land — dann hielt eine Überwachungskamera fest, was kurz darauf für österreichweites Entsetzen sorgte. Ein 63-jähriger Häftling ging auf einen jüngeren Mithäftling los. Nach wenigen Augenblicken lag das Opfer schwer verletzt auf dem Boden. Justizwachebeamte hörten Schreie, zwei oder drei Männer eilten sofort zu Hilfe und begannen mit Wiederbelebungsversuchen — doch für den Schwerverletzten kam jede Hilfe zu spät.
Seitdem überschlagen sich die Entwicklungen. Die Staatsanwaltschaft Steyr hat das Motiv offengelegt, die Tatwaffe entpuppte sich als modifiziertes Besteckmesser aus dem FTZ selbst — und nun verdichten sich laut „Heute“-Informationen die Zeichen, dass der Beschuldigte die Justizanstalt Garsten bald verlassen wird.
Was eine Überwachungskamera in Garsten am Montag festhielt
Der Angriff spielte sich auf einem Gang vor den Unterkünften des FTZ Garsten ab. Die Kamera dokumentierte den Ablauf lückenlos: Der 63-Jährige ging auf sein Opfer los, der Jüngere hatte keine Chance. Justizwachebeamte reagierten rasch, die sofort eingeleiteten Reanimationsversuche blieben ohne Erfolg. Der Mithäftling verstarb an den Folgen der Stichverletzungen.
Das Motiv: „Frust auf Behörden, Ämter und die Polizei“
Am Dienstag — einen Tag nach der Tat — gab die zuständige Staatsanwaltschaft Steyr das mutmaßliche Motiv bekannt. Der Beschuldigte soll aus „Frust auf Behörden, Ämter und die Polizei“ zugestochen haben. Dass auf „seine Anliegen nicht reagiert“ worden sei, habe ihn in Rage versetzt, so die Ermittlungsbehörde.
Die Waffe: ein Buttermesser, das offenbar direkt aus dem Besteck des Forensisch-Therapeutischen Zentrums stammte. „Die Klinge wurde nicht verändert“, erklärte Behördensprecher Andreas Pechatschek gegenüber „Heute“. Allerdings war der Griff so modifiziert worden, dass der Beschuldigte das Messer besser halten konnte — eine kleine, aber entscheidende Veränderung.
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Verlegung nach Stein: Was jetzt mit dem 63-Jährigen passiert
Der Zwischenfall hat erhebliches Aufsehen erregt — und zieht nun konkrete Konsequenzen für den Verdächtigen nach sich. „Ich gehe davon aus, dass er woanders unterkommt“, sagte Behördensprecher Andreas Pechatschek auf Anfrage. Laut „Heute“-Informationen könnte der 63-Jährige in die Justizanstalt Stein in Krems an der Donau (Niederösterreich) verlegt werden.
Stein ist Österreichs zweitgrößte Justizanstalt und beherbergt ausschließlich männliche Strafgefangene mit einer Haftzeit von über 18 Monaten bis lebenslang. Derzeit befindet sich der Verdächtige noch in Garsten.
Zweiter Todesfall im Strafvollzug: Klagenfurt und eine 17-jährige Tatverdächtiger
Die Bluttat in Garsten ist kein Einzelfall. Erst kurz zuvor war in der Justizanstalt Klagenfurt ein 19-Jähriger getötet worden. Als mutmaßlicher Täter gilt ein erst 17-jähriger Mitinsasse, gegen den wegen Mordverdachts ermittelt wird. Zwei tödliche Gewalttaten in österreichischen Gefängnissen innerhalb kürzester Zeit — das hat die Debatte über die Sicherheit im Strafvollzug neu entfacht.
Volksanwältin Gaby Schwarz: „Feuer am Dach“ in den Gefängnissen
Am späten Mittwochabend wurde Volksanwältin Gaby Schwarz in der „ZIB2″ von ORF-Moderatorin Marie-Claire Zimmermann mit der Frage konfrontiert, was gegen die Gewalt in Gefängnissen zu tun sei. Ihre Antwort war deutlich: „Personal.“ Das sei es, was die Anstalten dringend bräuchten.
„Wenn es zu wenig Personal gibt, dann haben die Inhaftierten zu wenig Beschäftigung, sitzen zu lange in den Hafträumen, es gibt keine Möglichkeit der Ausbildung“, so Schwarz. Sie beschrieb einen „schleichenden Prozess“: immer mehr Inhaftierte, immer weniger Justizwachebeamte. Die Planstellen reichten nicht mehr aus — und selbst diese seien nicht vollständig besetzt.
Schwarz zeigte sich angesichts der jüngsten Vorfälle „erschüttert“. Die Justizwache leiste hervorragende Arbeit, sei aber „über dem Limit“. Ihr Urteil fiel unmissverständlich aus: „Es ist Feuer am Dach.“
Was die Häufung der Vorfälle für den Strafvollzug bedeutet
Die Fälle von Garsten und Klagenfurt werfen strukturelle Fragen auf, die über einzelne Täter weit hinausgehen. Im Mittelpunkt stehen dabei folgende Punkte:
- Chronischer Personalmangel bei der Justizwache, der laut Volksanwaltschaft nicht allein durch Neubesetzungen lösbar ist
- Zu wenig Beschäftigungsangebote für Inhaftierte, was Aggressionen begünstigt
- Unzureichende Kontrolle von alltäglichem Besteck in forensisch-therapeutischen Einrichtungen
- Fehlende Kapazitäten für Ausbildungsmaßnahmen, die Rückfälle und Gewalt reduzieren könnten
- Offene Fragen zur Verlegungspraxis bei Gefährlichkeitseinschätzungen
Ob die Bluttat in Garsten zu konkreten Reformen im österreichischen Strafvollzug führt, bleibt vorerst offen — ebenso wie die Frage, wann und wohin der 63-jährige Beschuldigte tatsächlich verlegt wird.
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