Es war kurz nach 22 Uhr, als Klaus Seltenheim am Sonntagabend in der ZiB 2 vor die Kameras trat. Die stundenlangen Krisengespräche innerhalb der SPÖ waren gerade zu Ende gegangen, die Partei hatte eine vorläufige Entscheidung getroffen — und der Bundesgeschäftsführer sollte sie der Öffentlichkeit erklären.
Das Ergebnis dieser Nacht ist eindeutig: Andreas Babler bleibt vorerst Parteichef, scheidet aber mit Jahresende als Vizekanzler aus. Und für Gerhard Zeiler, dessen Name intern intensiv gehandelt worden war, fiel das Urteil noch klarer aus.
Babler bleibt — aber nur bis zum Frühjahrsparteitag
Nach den Krisengesprächen vom 4. Oktober 2026 steht fest: Andreas Babler führt die SPÖ kommissarisch weiter, gibt seinen Posten als Vizekanzler jedoch mit Ende des Jahres ab. Sein Ministeramt für Wohnen, Kultur, Kunst, Medien und Sport will er behalten. Ein geordneter Übergang also — zumindest auf dem Papier.
Bis zum Parteitag im März soll die Partei von einem Trio geführt werden. Neben Babler rücken Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner und Klubobmann Philip Kucher stärker in die Verantwortung. Beide sollen den Parteitag maßgeblich vorbereiten und mitgestalten.
Seltenheim in der ZiB 2: „Heute ist uns etwas gelungen“
„Heute ist uns etwas gelungen, wo die ganze Partei an einem Strang gezogen hat“, erklärte Klaus Seltenheim, SPÖ-Bundesgeschäftsführer, in der ZiB 2 am Sonntagabend. Man habe eine geregelte Übergabe beschließen können — eine, die es in der jüngeren Parteigengeschichte nicht immer gegeben habe. Nun könne man „Ordnung“ in die Partei bringen, so Seltenheim weiter.
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Der ausgehandelte Vorschlag muss noch den Bundesgremien vorgelegt werden. Der Bundesparteivorstand hat das letzte Wort. Bis dahin gilt die Vereinbarung als vorläufig — der formelle Beschluss steht noch aus.
Holzleitner und Kucher: Das neue Führungsduo vor dem Parteitag
„Kucher und Holzleitner sind die am besten geeigneten Personen mit ihrer breiten Verankerung in der Partei“, sagte Seltenheim in der Sendung. Die beiden sollen zwischen Oktober 2026 und dem Parteitag im Frühjahr 2027 als zentrale Stützen fungieren. Eine längerfristige Übernahme der Parteispitze durch Holzleitner ist allerdings nicht vorgesehen.
Holzleitner habe intern klargemacht, nach dem Parteitag nicht für den Vorsitz zu kandidieren. Seltenheims Kommentar dazu war knapp: „Das ist zu respektieren.“ Auch über eine inhaltliche Neuausrichtung der Partei müsse in den kommenden Monaten diskutiert werden, räumte der Bundesgeschäftsführer ein.
Klare Absage an Gerhard Zeiler: „Das Kapitel ist beendet“
Unmissverständlich äußerte sich Seltenheim zu Gerhard Zeiler, dem früheren ORF-Generalintendanten und CNN-Manager, dessen Name in den Tagen zuvor als möglicher Kandidat für die Parteispitze kursiert hatte. „Niemand ist der Meinung, dass er die Partei übernehmen soll. Ich denke, dass das Kapitel damit beendet ist“, stellte Seltenheim klar.
Auch Zeilers Vorgehensweise stieß auf scharfe Kritik. Seltenheim bemängelte, dass Zeiler seinen Anspruch auf die Parteiführung über die Medien angemeldet habe, anstatt den internen Weg zu suchen: „Unsere Mitglieder merken sich den Einstieg, als er über die Medien ausgerichtet habe, dass er der richtige sei. In der SPÖ spricht man mit den Mitgliedern und nicht mit der Zeitung über die Mitglieder.“ Eine deutlichere Zurückweisung ist in der österreichischen Parteipolitik selten.
Was nun auf die SPÖ zukommt
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der skizzierte Fahrplan hält. Folgende Punkte stehen auf der Agenda der Partei:
- Zustimmung des Bundesparteivorstands zum ausgehandelten Übergabeplan
- Abgang Bablers als Vizekanzler mit Jahresende 2026
- Intensive Vorbereitung des Frühjahrsparteitags durch Holzleitner und Kucher
- Debatte über eine inhaltliche Neuausrichtung der SPÖ
- Suche nach einem neuen Parteivorsitz ab dem Parteitag im März 2027
Die FPÖ reagierte auf den Babler-Abgang prompt mit der Forderung nach sofortigen Neuwahlen. Ob diese Forderung politisch Gehör findet, ist derzeit offen.
Der Parteitag im März bleibt die entscheidende Wegmarke
Was am Abend des 4. Oktober 2026 beschlossen wurde, ist ein Überbrückungsarrangement — kein Neuanfang. Die eigentliche Weichenstellung für die Zukunft der SPÖ findet erst im Frühjahr statt, wenn die Partei bei ihrem Parteitag sowohl über Personalfragen als auch über programmatische Richtung abstimmen wird.
Ob bis dahin weitere Namen ins Spiel gebracht werden und wie die Partei die Zeit bis März nutzt, bleibt abzuwarten — die internen Debatten dürften so rasch nicht verstummen.
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