74. Minute, irgendwo in Deutschland, und die Stimmung im Stadion kippt schlagartig. Dimitrios Kourbelis nimmt sich ein Herz, zieht ab — und Joshua Kimmich wirft sich in den Schuss. Der Ball fälscht entscheidend ab, landet im Netz. Klopp steht fassungslos an der Seitenlinie. Genau so, und nicht anders, endete Jürgen Klopps erstes Heimspiel als Bundestrainer.
Das Ergebnis: eine 0:1-Niederlage gegen Griechenland, historisch in ihrer Blamage — denn es war der erste Sieg einer griechischen Nationalmannschaft gegen die DFB-Elf überhaupt. Wie konnte das passieren, und was sagt es über Klopps Projekt aus?
Das Eigentor, das Geschichte schrieb: Kimmichs verhängnisvolle Aktion in der 74. Minute
Der Treffer fiel nach einem Angriff über Arsenal-Star Tzolis, der die deutsche Abwehr mit einem schnellen Konter auseinanderzog. Kourbelis zog aus der zweiten Reihe ab — kein unhaltbarer Schuss, aber Kapitän Joshua Kimmich warf sich hinein und fälschte den Ball für Torwart Marc-André ter Stegen unhaltbar ab. Ein Eigentor, das keines im Protokoll sein wird, das faktisch aber eines war.
Bereits in der 67. Minute hatte Ioannidis nach einem Kimmich-Fehler die Führung am Fuß, verzog jedoch um Zentimeter. Die Warnung war da. Gehört wurde sie nicht.
Klopp-Heimpremiere: Ideenlos gegen tief stehende Griechen
Über weite Strecken der 90 Minuten wirkte die DFB-Elf wie eingemauert. Gegen kompakt verteidigende Griechen fand Klopps Team kaum Mittel, um gefährlich zu werden. Die Gäste aus Athen standen tief, lauerten auf Konter — und bekamen genau das, was sie wollten.
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In der ersten Hälfte war Karim Adeyemi der einzige Lichtblick. In der 27. Minute wurde er nach einem 100-Meter-Sprint entscheidend am Abschluss gestört, fünf Minuten später schoss er zu zentral. In Hälfte zwei gelang Conte (49.) ein weiterer Abschluss — mehr war offensiv nicht. Zu wenig für einen Bundestrainer, der für Vollgas und Pressing steht.
Erster griechischer Sieg gegen Deutschland: Was dieser Abend bedeutet
Griechenland hat Deutschland noch nie besiegt — bis zum 27. September 2026. Das ist keine Statistik am Rande, das ist eine Zäsur. Laut den Aufzeichnungen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gab es in der gesamten Geschichte dieser Begegnung keinen griechischen Sieg. Nun gibt es einen, und er fiel ausgerechnet in Klopps Premiere auf heimischem Boden.
Für die 44 Spieler des erstgerufenen Kaders ist dieser Lehrgang damit denkbar unrühmlich zu Ende gegangen. Ab dem 28. September reisen die ersten Spieler ab.
Klopps Auftaktbilanz: Glück gegen die Niederlande, Niederlage gegen Griechenland
Das erste Spiel unter Klopp, auswärts gegen die Niederlande, endete 1:1 — ein Ergebnis, das laut übereinstimmenden Berichten deutlich zu schmeichelhaft für die DFB-Elf war. Den Niederländern wurden zwei Tore aberkannt, ter Stegen verhinderte mit mehreren starken Paraden eine höhere Niederlage. Deutschland verteidigte tief in der eigenen Hälfte und war spielerisch klar unterlegen.
Zwei Spiele, null Siege, ein Tor erzielt — das ist Klopps Startbilanz als Bundestrainer. Die Erwartungen an den Mann, der den FC Liverpool zur Champions-League-Krönung geführt hat, waren andere.
Was als Nächstes kommt: Serbien und das Griechenland-Rückspiel warten
Der zweite Teil des aufgeteilten 44-Mann-Kaders übernimmt nun. Dieser Teilkader bestreitet am 1. Oktober das Länderspiel gegen Serbien sowie am 4. Oktober das Rückspiel gegen Griechenland — jene Mannschaft, die gerade erst Geschichte gegen die DFB-Elf geschrieben hat.
- 27. September 2026: Deutschland – Griechenland 0:1 (Klopp-Heimdebüt)
- 1. Oktober 2026: Deutschland – Serbien (zweiter Kaderteil)
- 4. Oktober 2026: Griechenland – Deutschland, Rückspiel
Ob Klopp für das Rückspiel in Athen personelle oder taktische Konsequenzen zieht, ließ der DFB nach Abpfiff offen.
Kimmich, Adeyemi, Tzolis: Die Schlüsselfiguren des Abends
Joshua Kimmich war an beiden entscheidenden Szenen beteiligt — dem Fehler vor der Chance in der 67. Minute und der Abfälschung zum 0:1. Karim Adeyemi war der einzige Deutschen, der phasenweise Gefahr ausstrahlte, blieb aber ohne Abschlussglück. Auf der anderen Seite war es Arsenal-Profi Christos Tzolis, der mit seinem Antritt die Grundlage für das einzige Tor des Abends legte und Kourbelis in die Schussposition brachte.
Dass ausgerechnet ein Premier-League-Spieler die deutsche Abwehr auseinandernahm, dürfte Klopp — selbst langjähriger Trainer in England — nicht entgangen sein.
Ob das Rückspiel am 4. Oktober in Griechenland zur Rehabilitierung oder zur Vertiefung der Krise wird, ist die offene Frage, mit der der DFB in den Oktober geht.
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