Am Mittwoch, dem 16. September 2026, kurz nach 20 Uhr, erschien ein Video im Netz — aufgenommen von einem Mann, den Österreich seit Jahrzehnten als sanften Philosophen der Kabarettbühne kennt. Günther Paal, alias „Gunkl“, sprach direkt in die Kamera. Ruhig. Aber mit Worten, die in der heimischen Kulturszene sofort wie ein Schock wirkten.
Gegen ihn war am selben Tag Anklage erhoben worden — wegen des Verdachts des Kindesmissbrauchs und des Besitzes von Missbrauchsdateien Unmündiger. Statt zu schweigen, trat Paal selbst vor die Öffentlichkeit. Was er sagte, ließ kaum Deutungsspielraum.
Das Geständnis: Was Gunkl in dem Video einräumt
„Ich habe Schande auf mich gebracht“, sagte Paal in dem veröffentlichten Video. Der 62-jährige Kabarettist, der seit den 1990er-Jahren für seine philosophisch-hintergründigen Programme bekannt ist, sprach weiter: „Ich bedaure zutiefst, was ich gemacht hab, ich hätte es nicht tun sollen.“
Besonders schwer wogen die folgenden Sätze. „Ich habe ein Kind dorthin geküsst, wo Erwachsene Kinder nicht küssen dürfen.“ Er beschrieb sein Bedauern als „unendlich“ und das Geschehene als „schrecklich“. Zum Vorwurf des Besitzes von Missbrauchsdateien räumte er ein, „einiges Videomaterial auf Rechnern gehabt“ zu haben — auch dafür tue es ihm „so leid“. Es habe eine Phase in seinem Leben gegeben, „da hatte ich Lust auf solche Videos“.
Mehr zum Lesen
Die Anklage: Missbrauch, Dateien und eine 4-jährige Betroffene
Die Staatsanwaltschaft erhob am 16. September 2026 förmlich Anklage gegen Günther Paal. Im Raum stehen zwei Vorwürfe: der Verdacht des Kindesmissbrauchs sowie der Besitz von Missbrauchsdateien Unmündiger. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Paals Anwalt Florian Höllwarth erklärte gegenüber der „Kronen Zeitung“, sein Mandant habe zum Zeitpunkt des Auffindens der Dateien keinen Besitzwillen mehr gehabt. Außerdem lägen die Vorwürfe teilweise 13 Jahre zurück. Ein konkreter Verhandlungstermin wurde bislang nicht angesetzt.
Erpressung im Hintergrund: 150.000 Euro in mehreren Tranchen
Der Fall um Paal ist Teil eines umfassenderen Verfahrens. Gleichzeitig mit dem Kabarettisten wurden auch zwei Frauen angeklagt — die Mutter und die Großmutter des betroffenen Kindes. Gegen sie richtet sich der Vorwurf der schweren Erpressung. Beide sollen sich derzeit in Untersuchungshaft befinden.
Laut Anklage soll es bei den Geldforderungen um Zahlungen in mehreren Tranchen gegangen sein. In der Anklageschrift wird eine Gesamtsumme von 189.000 Euro genannt; tatsächlich geflossen sein sollen mehr als 150.000 Euro. Die letzte Übergabe — in Höhe von 30.000 Euro — führte Berichten zufolge zur Festnahme der beiden Frauen.
Selbstanzeige und Hausdurchsuchung: Der Weg zur Anklage
Paal soll bereits im Mai dieses Jahres Anzeige erstattet und dabei zugleich eine Selbstanzeige eingebracht haben. Bei einer daraufhin durchgeführten Hausdurchsuchung stellten Ermittler Missbrauchsdateien Unmündiger sicher. Die Ermittlungen liefen demnach auf mehreren Ebenen parallel.
Die Delikte, die nun Gegenstand des Strafverfahrens sind, umfassen sowohl den mutmaßlichen körperlichen Übergriff auf ein Kind als auch den Besitz inkriminierter Dateien. Für Betroffene und Angehörige stehen in Österreich rund um die Uhr kostenlose Hilfsangebote zur Verfügung:
- Frauenhelpline (kostenlos, 24 Stunden): 0800 222 555
- Männernotruf (kostenlos, 24 Stunden): 0800 246 247
- Rat auf Draht: 147
- Autonome Frauenhäuser Wien: 01 / 544 08 20
- Gewaltschutzzentren Österreich: +43 1 585 32 88
- Weisser Ring: 0800 112 112
- TelefonSeelsorge – Notruf 142 (täglich 0–24 Uhr)
Wann kommt es zur Verhandlung?
Ein Termin für die Hauptverhandlung steht nach aktuellem Stand noch nicht fest. Verteidiger Florian Höllwarth hat bereits angekündigt, die zeitliche Einordnung der Vorwürfe und die Frage des Besitzwillens als zentrale Argumente in das Verfahren einzubringen.
Ob und in welchem Umfang das öffentliche Geständnis Paals prozessrechtliche Konsequenzen hat, wird die österreichische Justiz im Laufe des Verfahrens zu klären haben.
Ihre Meinung hilft uns










Das Gespräch geht weiter
Kommentare