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Österreichische Ticketsteuer: Wie Günther Ofner Wien vor dem Bratislava-Exodus warnt

Österreichische Ticketsteuer: Wie Günther Ofner Wien vor dem Bratislava-Exodus warnt

Es war ein ungewöhnlich offener Auftritt für einen Flughafenchef. Freitagabend, 9. Oktober 2026, kurz nach 22 Uhr in der „Zeit im Bild 2“ bei Moderator Martin Thür: Günther Ofner, Vorstand des Flughafen Wien, sprach nicht in diplomatischen Umschreibungen, sondern mit der Direktheit eines Mannes, dem die Geduld ausgegangen ist. Ryanair zieht Flugzeuge ab, Verbindungen fallen weg, die Passagierzahlen sinken — und Ofner weiß genau, wen er dafür mitverantwortlich macht.

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Die österreichische Ticketsteuer, so seine Botschaft, treibt die Airlines regelrecht aus Wien heraus — und direkt in die Slowakei, wo ein konkurrenzfähiger Flughafen nur rund 55 Kilometer entfernt darauf wartet. Die Frage, die seitdem im Raum steht: Ist Österreich dabei, einen Wettbewerbsnachteil zu verwalten, der sich mit einem einzigen politischen Beschluss zumindest halbieren ließe?

Ofners Klartext: „Schuss ins eigene Knie“ und Jobmotor für Bratislava

Selten formuliert ein Vertreter der heimischen Infrastruktur so unverblümt. „Die Ticketsteuer ist ein Schuss ins eigene Knie und ein Arbeitsförderungsprogramm für Bratislava“, sagte Günther Ofner, Vorstand des Flughafen Wien, in der ORF-Sendung „Zeit im Bild 2“. Der Satz saß. Denn hinter der Schärfe steckt eine konkrete Beobachtung: Die Passagiere, die Wien verliert, tauchen wenige Kilometer weiter östlich wieder auf — am Flughafen der slowakischen Hauptstadt.

Der Grund ist strukturell. Die Slowakei hat ihre Ticketsteuer abgeschafft. Fluglinien können dort günstiger operieren, attraktivere Preise anbieten und entsprechend mehr Buchungen generieren. Was für die Passagiere wie eine persönliche Entscheidung aussieht, ist in Wirklichkeit eine Reaktion auf Preissignale, die die Politik setzt.

Warum Wien Verbindungen verliert — und Bratislava davon profitiert

Für Fluggesellschaften, insbesondere für Billigflieger wie Ryanair, ist ein Standort eine Rechenaufgabe. Flugzeuge werden dort stationiert, wo der Betrieb am rentabelsten ist. „Das können sie bei uns nicht“, stellte Ofner mit Blick auf Wien fest. Die Flugabgabe verteuert jeden Abflug — und bei Carriern, die mit knapp kalkulierten Ticketpreisen arbeiten, kann genau das den Ausschlag geben.

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Die Folgen sind bereits messbar. Ryanair hat Maschinen abgezogen und Verbindungen gestrichen. Ofner zufolge wandern jene Fluggäste, die heuer in Wien fehlen, nach Bratislava ab. Der Flugverkehr wird damit nicht verhindert — er wird schlicht verlagert. Das entkräftet auch das ökologische Argument für die Steuer: Wer statt in Wien 55 Kilometer weiter abfliegt, reduziert seinen CO₂-Fußabdruck nicht um einen Gramm.

Ofners Forderung: Ticketsteuer halbieren — und dabei mehr einnehmen

Der Flughafen-Vorstand beschränkte sich nicht auf Kritik, sondern legte eine wirtschaftspolitische These vor. Er fordert, die österreichische Ticketsteuer zumindest zu halbieren — und argumentiert, dass der Staat dadurch unter dem Strich mehr einnehmen würde, nicht weniger.

Die Logik dahinter: Niedrigere Standortkosten locken Fluglinien zurück, mehr stationierte Flugzeuge bedeuten mehr Passagiere, mehr Passagiere bedeuten mehr wirtschaftliche Aktivität rund um den Flughafen, und das erzeugt Steuereinnahmen, die die wegfallende Flugabgabe mehr als kompensieren. „Das Paradoxe ist, dass man eine Steuer hat, die, wenn man sie reduziert oder wegfallen lässt, sogar mehr Einnahmen bringt“, argumentierte Ofner im ORF-Interview.

Ob diese Rechnung aufgeht, hängt von einer zentralen Unbekannten ab: Wie stark reagieren Airlines tatsächlich auf eine Steuersenkung, und wie viele Flüge — und damit Passagiere — würden dadurch zusätzlich nach Wien kommen?

Der europäische Vergleich: Deutschland senkt, die Slowakei streicht — Österreich wartet

Ofner steht mit seiner Kritik nicht allein. Mehrere europäische Länder haben in den vergangenen Jahren ihre Flugabgaben gesenkt oder ganz abgeschafft. Neben der Slowakei hat auch Deutschland eine Reduktion beschlossen. Österreich hingegen hält an der bestehenden Ticketsteuer fest — und büßt laut Ofner dafür Wettbewerbsposition ein.

Dabei ist die Flugabgabe nicht der einzige Kostenfaktor, der Wien unter Druck setzt. Flughafengebühren, Personalkosten und weitere betriebliche Ausgaben spielen ebenfalls eine Rolle. Ofner räumte das ein — betonte aber, dass die Steuer als politisch steuerbarer Hebel besonders ins Gewicht falle. „Der Luftverkehr ist eine Wachstumsbranche“, sagte er, und Wien könne davon profitieren oder zuschauen, wie andere es tun.

Was als Nächstes auf dem Spiel steht: Wien gegen den Standortverlust

Ofners Auftritt in der ZiB 2 war kein spontaner Ausbruch, sondern ein kalkulierter öffentlicher Druck auf die Politik. Die Botschaft: Solange andere Flughäfen günstiger operieren können, werden Fluglinien ihre Maschinen dorthin verlagern, wo sie mehr verdienen. Wien verliert dabei nicht nur Passagiere, sondern auch Arbeitsplätze und Steuersubstrat.

  • Die Slowakei hat ihre Ticketsteuer vollständig abgeschafft.
  • Deutschland hat eine Reduktion der Flugabgabe beschlossen.
  • Ryanair hat mehrere Flugzeuge vom Standort Wien abgezogen.
  • Der Flughafen Bratislava liegt rund 55 Kilometer von Wien entfernt.
  • Ofner fordert eine Halbierung der österreichischen Ticketsteuer.
  • Laut Ofner würde eine Senkung mittelfristig mehr Steuereinnahmen generieren als die aktuelle Abgabe.

Eine Stellungnahme des Bundesministeriums für Finanzen zu Ofners Forderungen lag bis Redaktionsschluss am 9. Oktober 2026 nicht vor. Ob und wann die österreichische Bundesregierung das Thema Flugabgabe auf die Tagesordnung setzt, bleibt damit ebenso offen wie die Frage, wie viele weitere Verbindungen Wien bis dahin noch verliert.

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