Mastbetrieb Traismauer: 400 Demonstranten fordern nach 13 Jahren Tierleid endlich Konsequenzen

Am Donnerstagnachmittag, dem 28. August 2026, stauten sich die Menschen bis weit in die Siedlungsstraße von Traismauer hinein. Rund 400 Demonstrantinnen und Demonstranten folgten einem kurzfristigen Aufruf des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) — Schilder mit Aufschriften wie “Tiere sind keine Ware!” und “13 Jahre Tierquälerei” wurden in die Höhe gehalten, ein Teilnehmer hatte ein Foto mit aufgerissenen Kuhaugen, die in flüssiger Gülle versinken, mit rotem Klebeband auf sein T-Shirt geklebt.

Der Demozug zog durch das Ortszentrum bis unmittelbar vor den umstrittenen Mastbetrieb im Bezirk St. Pölten-Land, wo die Aktion mit einer Mahnwache und Ansprachen endete. Die Frage, die dabei im Raum stand, ließ sich auf einem einzigen Plakat lesen: “Kontrolliert, dokumentiert, ignoriert?”

Der Skandalhof in Traismauer: 13 Jahre Missstände, ein Tierhaltungsverbot — und er läuft weiter

Der Betrieb sorgt nicht erst seit diesem Sommer für Schlagzeilen. Laut VGT wurden dort bereits seit 2013 wiederholt Missstände und Tierleid dokumentiert. Gegen den früheren Betreiber gilt seit 2023 ein Tierhaltungsverbot — dennoch soll er weiterhin im Betrieb mit Tieren zu tun gehabt haben.

Mittlerweile führt seine Frau den Hof formell. Auch gegen sie läuft ein Verfahren wegen eines möglichen Tierhaltungsverbots. Der Betrieb wechselte also die Person an der Spitze, nicht aber das Muster dahinter.

Neue Aufnahmen, neue Eskalation: Ziegen mit Mistgabel geschlagen

Was den aktuellen Protest ausgelöst hat, sind neuerliche Videoaufnahmen aus dem Stall. Sie sollen zeigen, dass Tiere systematisch vernachlässigt wurden. Besonders schwer wiegt der Vorwurf, die aktuelle Betreiberin habe zwei Ziegen mit einer Mistgabel gegen den Kopf geschlagen.

David Richter vom VGT sieht darin ein strukturelles Problem: “Es ist nicht nachzuvollziehen, was noch passieren muss, damit die Behörden endlich durchgreifen können”, sagte er. Kurze Behördenbesuche könnten solche Vorgänge kaum erfassen — kontrolliert werden könne laut Richter oft nur, was die Beamten in dem Moment unmittelbar vor Ort beobachten.

30 Kontrollen in 4 Jahren — und trotzdem kein Durchgreifen

Die niederösterreichische Landesrätin für Natur- und Tierschutz, Susanne Rosenkranz (FPÖ), bestätigte, dass der Betrieb innerhalb der vergangenen vier Jahre rund 30 Mal kontrolliert wurde. Für den VGT wirft das mehr Fragen auf, als es beantwortet.

Der Verein will wissen, wie oft dabei konkrete Verstöße festgestellt wurden und welche Konsequenzen diese tatsächlich hatten. Die Zahl der Kontrollen allein, so Richter, sage nichts über deren Wirksamkeit aus. Was zähle, seien die Folgen.

Streit um fehlende Kontrolle nach der Anzeige vom 24. August

Einen weiteren Konfliktpunkt liefert der Zeitraum nach der offiziellen VGT-Anzeige. Laut Verein soll seit dem 24. August 2026, dem Tag der Anzeigenerstattung, keine neuerliche Behördenkontrolle des Betriebs stattgefunden haben. Die letzte bekannte Kontrolle datiert vom 12. August.

Die vom VGT veröffentlichten Aufnahmen sollen ebenfalls aus der zweiten Augustwoche stammen. Richter widerspricht damit der Darstellung, wonach die Bilder nicht den aktuellen Zustand des Betriebs widerspiegelten. Wenn sich die Lage im Stall innerhalb weniger Tage so stark verändern könne, dann müsse auch die Kontrollfrequenz entsprechend engmaschiger sein, argumentiert er.

Was die 400 Demonstranten fordern — und was noch offen bleibt

Die Forderungen der Protestierenden waren eindeutig:

  • Sofortige Schließung des Betriebs
  • Konsequente Durchsetzung des bestehenden Tierhaltungsverbots gegen den früheren Betreiber
  • Lückenlose Offenlegung der Kontrollprotokolle der vergangenen vier Jahre
  • Engmaschigere, unangemeldete Kontrollen bei Betrieben mit Vorgeschichte

Die Demonstration blieb friedlich. Dass die rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer einem kurzfristigen Aufruf folgten, zeigt, wie viel Druck sich rund um den Fall Traismauer aufgebaut hat. Grüne Abgeordnete hatten zuvor bereits ein sofortiges Aus für den Betrieb gefordert.

Ob und wann die zuständigen Behörden des Landes Niederösterreich eine neuerliche Kontrolle anordnen und welche Konsequenzen das laufende Verfahren gegen die derzeitige Betreiberin zeitigt, ist derzeit noch offen.

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