Am Dienstag, dem 26. August 2026, explodierten Drohnen in unmittelbarer Nähe des Kühlbeckens des Atomkraftwerks Saporischschja im Süden der Ukraine. Zwei Mitarbeiter der Anlage wurden dabei verletzt. Der Vorfall war kein Einzelfall — er war der erste von drei Drohnenangriffen, die sich innerhalb von nur 48 Stunden auf dem Gelände des größten Kernkraftwerks Europas ereigneten.
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien bestätigte alle drei Vorfälle am Freitag, dem 28. August 2026. Damit stellt sich erneut die drängende Frage, wie lange die nukleare Sicherheit in einem aktiven Kriegsgebiet noch gewährleistet werden kann.
Drei Vorfälle in 48 Stunden: Was genau passierte
Dem IAEA-Bericht zufolge ereigneten sich die Angriffe an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Die Chronologie ist beunruhigend präzise.
- Dienstag, 26. August: Eine Drohne explodiert in der Nähe des Kühlbeckens der Anlage — 2 Mitarbeiter werden verletzt.
- Mittwoch, 27. August, Vorfall 1: Eine weitere Drohne detoniert auf dem Gelände des Trockenlagers für abgebrannte Brennelemente.
- Mittwoch, 27. August, Vorfall 2: Eine dritte Drohne trifft eine Sprinkleranlage an den Kraftwerksblöcken.
Die Strahlungswerte auf dem gesamten Gelände blieben laut IAEA durchgehend im Normalbereich. Dennoch trafen alle drei Drohnen sicherheitsrelevante Infrastruktur der Anlage.
IAEA-Chef Grossi nennt Angriffe “inakzeptabel”
IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi reagierte mit deutlichen Worten. Er verurteilte Angriffe auf Atomanlagen als „inakzeptabel” und rief alle beteiligten Seiten erneut zur „größtmöglichen militärischen Zurückhaltung” auf. Ohne diese, so die implizite Warnung der in Wien ansässigen Behörde, steige das Risiko eines nuklearen Unfalls weiter an. IAEA-Teams sind seit September 2022 dauerhaft vor Ort stationiert und dokumentieren jeden Vorfall.
Europas größtes AKW — und seine besondere Verwundbarkeit
Das Kernkraftwerk Saporischschja in Enerhodar verfügt über 6 Reaktorblöcke und ist damit das leistungsstärkste Atomkraftwerk Europas. Die russische Armee hatte die Anlage im März 2022 eingenommen. Seither sind alle sechs Reaktoren abgeschaltet — doch das bedeutet keineswegs, dass das Kraftwerk ungefährlich wäre.
Für den Betrieb der Kühl- und Sicherheitssysteme wird weiterhin kontinuierlich Strom benötigt. Genau diese Systeme — das Kühlbecken, das Trockenlager für abgebrannte Brennelemente, die Sprinkleranlagen — wurden in den vergangenen Tagen getroffen. Abgebrannte Brennelemente müssen jahrelang aktiv gekühlt werden; fällt diese Kühlung aus, droht eine ernste nukleare Notlage.
Wer schoss? Russland und Ukraine beschuldigen sich gegenseitig
Das Kraftwerk liegt nahe der Front am Fluss Dnipro, in einem Gebiet, das beide Kriegsparteien seit Kriegsbeginn immer wieder als Schauplatz gegenseitiger Anschuldigungen nutzen. Russland und die Ukraine werfen einander seit Februar 2022 wechselseitig Angriffe auf die Anlage oder ihr unmittelbares Umfeld vor — eine Zuordnung der Angriffe ist unter diesen Umständen kaum unabhängig möglich.
Bereits Mitte August hatte die von Russland eingesetzte Kraftwerksleitung der Ukraine einen Drohnenangriff auf Mitarbeiter des AKW vorgeworfen. Die IAEA hatte damals bestätigt, über eine Drohnenexplosion an einer von Kraftwerksangestellten genutzten Bushaltestelle informiert worden zu sein. Die jüngste Serie setzt dieses Muster fort — und intensiviert es.
Was die IAEA jetzt fordert und was noch ungeklärt bleibt
Die Wiener Behörde hält an ihrer dauerhaften Präsenz vor Ort fest und dokumentiert jeden gemeldeten Vorfall. Grossi hat wiederholt gefordert, eine Schutzzone rund um das Kraftwerk einzurichten — bisher ohne Ergebnis. Weder Russland noch die Ukraine haben sich auf verbindliche Schutzmaßnahmen für die Anlage geeinigt.
Ob die drei Angriffe innerhalb von 48 Stunden eine neue Eskalationsstufe markieren oder ein punktuelles Ereignis bleiben, wird die IAEA in ihrem nächsten Lagebericht bewerten — den die Behörde für die kommenden Tage angekündigt hat.



