Erwin Rauscher, PH NÖ: Vergleich fix – Dienstverhältnis endet am 30. September 2026

Im Herbst 2025 war es eine der ungewöhnlichsten Personalentscheidungen im österreichischen Hochschulwesen: Das Bildungsministerium berief Erwin Rauscher vorzeitig als Rektor der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich ab. Ein Mann, der die Hochschule in Baden seit ihrer Gründung im Jahr 2006 geleitet hatte, stand plötzlich ohne Amt da — und das rund zwei Jahre vor dem regulären Ende seiner Bestellung.

Rauscher wehrte sich, sein Anwalt sprach von einem rechtswidrigen Akt, und schließlich landete der Fall vor dem Arbeits- und Sozialgericht. Nun ist der monatelange Rechtsstreit zwischen dem Ex-Rektor und der Republik Österreich offiziell beendet — mit einem Ergebnis, das beide Seiten unterschiedlich bewerten.

Der Vergleich ist rechtswirksam: Was am 26. August entschieden wurde

Bis zum 26. August 2026 hatten beide Parteien Zeit, den ausverhandelten Vergleich anzunehmen oder abzulehnen. Beide stimmten zu. Wie ORF NÖ berichtete, wird die ursprüngliche Abberufung durch eine einvernehmliche Auflösung des Sonderdienstverhältnisses ersetzt. Das bedeutet: Rauschers Dienstverhältnis zur PH Niederösterreich endet formal mit 30. September 2026.

Damit ist der langwierige Gerichtsweg vom Tisch. Strafrechtlich hatte der Fall für Rauscher ohnehin keine Konsequenzen mehr — die Ermittlungen gegen ihn waren laut ORF NÖ bereits Ende 2025 eingestellt worden.

Die Vorwürfe: Falsch verbuchte Lehrveranstaltungen als Auslöser

Der Ausgangspunkt des Konflikts waren sogenannte “Dummy”-Lehrveranstaltungen im Verwaltungssystem der PH Niederösterreich. Unter Rauschers Verantwortung sollen Tätigkeiten als reguläre Lehrveranstaltungen im System verbucht worden sein, obwohl das Bildungsministerium dies ausdrücklich bestritt. Auf Basis dieser Buchungen seien Zahlungen an Lehrpersonal geflossen.

Das Ministerium sah darin eine Dienstpflichtverletzung und berief Rauscher im Herbst 2025 vorzeitig ab — mehr als ein Jahr vor dem geplanten Ende seiner Amtszeit im Jahr 2027.

Anwalt Konlechner: “Falsche Vorwürfe wurden zurückgenommen”

Rauschers Rechtsvertreter Dominik Konlechner zeigte sich nach der Einigung gegenüber dem Kurier zufrieden. Er freue sich, “dass die Abberufung meines Mandanten und die falschen Vorwürfe nunmehr zurückgenommen wurden”, sagte Konlechner. Gleichzeitig übte er scharfe Kritik: Rauscher habe rund ein Jahr lang nicht arbeiten können, und der Republik sei dadurch ein erheblicher finanzieller Schaden entstanden.

Wie hoch dieser Schaden konkret ausfällt, ließ Konlechner offen. Die Dauer der erzwungenen Untätigkeit — vom Herbst 2025 bis zum Ende des Dienstverhältnisses am 30. September 2026 — umfasst knapp zwölf Monate.

Ministerium hält am Vorwurf fest: Vergleich statt Urteil

Das Bildungsministerium widerspricht der Darstellung des Anwalts in einem zentralen Punkt. Der Vorwurf der Dienstpflichtverletzung bleibe weiterhin aufrecht, hieß es. Mit dem Vergleich habe man lediglich eine langwierige und kostspielige Fortsetzung des Rechtsstreits vermeiden wollen — keine inhaltliche Kehrtwende.

Damit stehen zwei unvereinbare Lesarten des gleichen Vergleichs nebeneinander: Der Anwalt sieht eine faktische Rehabilitierung seines Mandanten, das Ministerium interpretiert denselben Schritt als pragmatische Streitbeilegung ohne Schuldeingeständnis.

Nachfolger Langensteiner: PH NÖ hat seit August eine neue Führung

Für die Pädagogische Hochschule Niederösterreich ist die Personalsache de facto seit Anfang August geregelt. Seit dem 1. August 2026 leitet Bernd Langensteiner die Hochschule in Baden als neuer Rektor. Der Lehrbetrieb und die Verwaltung liefen damit bereits ohne Rauscher weiter, noch bevor sein Dienstverhältnis offiziell ausläuft.

Rauscher hatte die Hochschule seit ihrer Gründung im Jahr 2006 als Gründungsrektor geführt — zwei Jahrzehnte, die nun mit einem gerichtlichen Vergleich ihr Ende finden, statt mit einem regulären Abschluss der Amtszeit im Jahr 2027.

Ob das Bildungsministerium aus dem Fall Rauscher interne Konsequenzen für die Verwaltung von Lehrveranstaltungsbuchungen an Pädagogischen Hochschulen zieht, blieb bis Redaktionsschluss offen.

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