Die Zahlen klingen nach Aufbruchstimmung: Im August 2026 zählte der Dachverband der Sozialversicherungsträger in Wien insgesamt 939.857 Beschäftigungsverhältnisse – inklusive freier Dienstverträge. Gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht das einem Zuwachs von 6.731 Stellen beziehungsweise 0,7 Prozent. Für eine Stadt, die unter dem Gewicht einer schwierigen Wirtschaftslage steht, ist das kein selbstverständliches Ergebnis.
Doch hinter dem Gesamtbild verbergen sich deutliche Verschiebungen: Ältere Arbeitnehmerinnen gewinnen an Boden, während junge Wienerinnen unter 25 Jahren spürbar zurückfallen. Welche Branchen ziehen den Markt nach oben – und wen lässt die Entwicklung zurück?
Fast 940.000 Jobs in Wien: Was hinter dem Rekordwert steckt
Der Anstieg auf knapp 940.000 Beschäftigungsverhältnisse setzt eine Entwicklung fort, die laut Stadtangaben bereits seit mehr als vier Jahren anhält. Wien wächst demnach bei der Beschäftigung stärker als jedes andere österreichische Bundesland – und liegt konstant über dem österreichweiten Durchschnitt. Das ist bemerkenswert, weil die allgemeine Konjunktur zuletzt kaum Rückenwind lieferte.
Zwischen Männern und Frauen verteilt sich der Zuwachs ungleich. Männer verzeichneten ein Plus von 4.619 Stellen beziehungsweise 1,0 Prozent auf insgesamt 484.223 Beschäftigungsverhältnisse. Bei Frauen betrug der Anstieg 2.112 beziehungsweise 0,5 Prozent auf 455.634 – deutlich moderater, aber vorhanden.
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Diese Branchen legen in Wien kräftig zu
Der Jobaufbau konzentriert sich auf einige wenige Wirtschaftsbereiche. Besonders stark entwickelt sich die Beschäftigung derzeit in folgenden Sektoren:
- Hotellerie und Gastronomie
- Gesundheits- und Sozialwesen
- Telekommunikation, IT und EDV
- Gebäudebetreuung sowie Garten- und Landschaftsbau
Diese vier Bereiche treiben den Wiener Stellenaufbau maßgeblich an. Besonders der Gesundheits- und Sozialbereich sowie die IT-Branche gelten als strukturell stabil – sie wachsen unabhängig von konjunkturellen Schwankungen, weil der Bedarf demografisch und technologisch bedingt ist.
Ältere Frauen gewinnen, junge Wienerinnen verlieren Boden
Die auffälligste Verschiebung betrifft die Altersgruppen. Bei Frauen über 50 stieg die Beschäftigtenzahl binnen eines Jahres um 2.753 Personen beziehungsweise 2,1 Prozent. Ein wesentlicher Grund dafür ist laut dem Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff) das schrittweise steigende Frauenpensionsalter, das bis 2033 an jenes der Männer angeglichen wird. Wer länger im Erwerbsleben bleibt, taucht statistisch länger als beschäftigt auf.
Gegenläufig ist die Entwicklung bei den Jüngsten. In der Gruppe der unter 25-Jährigen sank die Beschäftigung um 352 Personen beziehungsweise 0,4 Prozent. Besonders ausgeprägt ist der Rückgang bei jungen Frauen: Hier fiel die Zahl um 669 beziehungsweise 1,6 Prozent. Das ist kein marginaler Ausschlag, sondern ein klares Signal, das die Stadtpolitik nicht ignorieren kann.
Novak und Miloradović: Was Wien für Jobsuchende bereitstellt
Vizebürgermeisterin und Arbeits-Stadträtin Barbara Novak (SPÖ) sieht die Gesamtentwicklung dennoch positiv. „Wien ist der Jobmotor Österreichs. Die Beschäftigungsdaten zeigen, dass sich der Standort Wien dynamisch entwickelt und zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten anbietet. Damit die Wiener*innen diese Chancen noch besser ergreifen können, steht ihnen der waff mit Beratung und Finanzierung von Aus- und Weiterbildung bereit“, sagte Novak.
waff-Geschäftsführer Marko Miloradović ergänzte den Blick auf die Schwachstellen: „Es ist aber wichtig, alle Beschäftigungspotenziale zu nutzen. Deshalb unterstützt der waff mit seinen Partnern auch ganz gezielt junge Wiener*innen mit der Joboffensive für Jugendliche beim (Wieder-)Einstieg in den Job. Darüber hinaus stehen wir den Unternehmen als Partner in der Fachkräfteentwicklung zur Seite.“
Joboffensive für Jugendliche: Was die Stadt konkret plant
Die Joboffensive für Jugendliche ist das zentrale Instrument, mit dem der waff auf den Rückgang bei unter 25-Jährigen reagiert. Sie richtet sich sowohl an Ersteinsteiger als auch an junge Menschen, die nach einem Abbruch neu starten wollen. Konkrete Förderzahlen für das laufende Jahr 2026 lagen zum Redaktionsschluss noch nicht vor.
Parallel dazu richtet sich der waff an Betriebe, die Fachkräfte ausbilden oder halten wollen. Angesichts des Zuwachses in IT, Gesundheit und Gebäudebetreuung dürfte der Bedarf an gezielter Qualifizierung in genau diesen Bereichen weiter steigen – und die Frage, ob junge Wienerinnen davon proportional profitieren, bleibt vorerst offen.
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