Am 10. September 2026 verbreiteten sich in den sozialen Medien Videoaufnahmen, die Huthi-Kämpfer inmitten der jemenitischen Hafenstadt Mokka zeigen — Gewehre in der Hand, Stellungen besetzt, die Lage unter ihrer Kontrolle. Die Bilder, deren Echtheit Augenzeugen und jemenitische Militärkreise gegenüber der Nachrichtenagenturen dpa und Reuters bestätigten, markierten einen der bedeutsamsten Gebietsgewinne der vom Iran unterstützten Miliz seit Monaten.
Mokka liegt unmittelbar an der Meerenge Bab al-Mandab — jener knapp 30 Kilometer breiten Wasserstraße, durch die ein erheblicher Teil des globalen Rohölhandels fließt. Dass die Huthis nun diese Schlüsselposition kontrollierten, ließ an den Rohstoffmärkten sofort eine Frage aufkommen: Wie lange bleibt der Weg für Tanker noch frei?
Mokka gefallen: Was der Verlust der Hafenstadt strategisch bedeutet
Mokka zählt rund 10.000 Einwohner und gilt als eines der ältesten Handelszentren der arabischen Halbinsel. Militärisch entscheidend ist jedoch seine Lage: Die Stadt liegt auf der westjemenitischen Küste, direkt gegenüber dem afrikanischen Horn. Wer Mokka hält, kontrolliert den Zugang zur Meerenge Bab al-Mandab von der östlichen Seite.
Nach übereinstimmenden Berichten griffen die Huthis parallel dazu auch die Hanisch-Inseln an, die sich im Roten Meer vor der jemenitischen Küste befinden und ebenfalls militärische Bedeutung für die Kontrolle der Durchfahrt besitzen. Die jemenitischen Regierungstruppen zogen sich den Angaben zufolge nach Süden in Richtung Dhubab zurück, um wenigstens die engste Stelle der Meerenge zu sichern.
Ölpreis über 100 Dollar: Warum die Märkte sofort reagierten
Die Nachricht aus Mokka traf die Rohstoffmärkte mit unmittelbarer Wirkung. Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg um 3,5 Prozent und überschritt damit die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel — eine psychologisch bedeutsame Schwelle, die zuletzt nur in Zeiten schwerer geopolitischer Verwerfungen erreicht worden war.
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Der Grund für die Nervosität der Händler ist struktureller Natur. Die Straße von Hormus, der zweite kritische Engpass für Rohöl aus der Golfregion, ist wegen der anhaltenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran für saudi-arabische Tanker faktisch kaum nutzbar. Die Meerenge Bab al-Mandab ist daher zur wichtigsten Alternativroute für Rohöl und Treibstoff aus dem Persischen Golf in Richtung Mittelmeer und Asien geworden — und genau diese Route steht nun unter Druck.
Bab al-Mandab: Warum diese Meerenge für Österreich nicht gleichgültig ist
Die Passage zwischen dem Jemen auf der Arabischen Halbinsel sowie Dschibuti und Eritrea an der afrikanischen Küste verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden. Durch sie laufen Handelsrouten, die Europa mit Asien verbinden — und auf denen ein großer Teil der Energieimporte transportiert wird, von denen auch Österreich über die internationalen Großhandelsmärkte abhängt.
Eine vollständige Blockade dieser Meerenge würde Tankern einen Umweg von Tausenden Kilometern um das Kap der Guten Hoffnung erzwingen, was Lieferzeiten verlängern und Frachtkosten in die Höhe treiben würde. Genau dieses Szenario ließ Händler am 10. September 2026 vorsorglich kaufen.
Huthi-Sprecher beschwichtigt — doch die Märkte blieben skeptisch
Huthi-Sprecher Mohammed Abdulsalam meldete sich noch am selben Tag auf der Plattform X zu Wort. Die Schifffahrt und der internationale Handel im Roten Meer sowie in der Meerenge Bab al-Mandab seien weiterhin sicher, erklärte er. Der Jemen stelle „keine Bedrohung“ für den Schiffsverkehr dar.
Die Miliz bezeichnete ihre Einsätze als defensiv und auf zuvor angekündigte Ziele beschränkt. Die Aktionen würden eingestellt, sobald die Angriffe auf den Jemen endeten und die von ihr so genannte Blockade aufgehoben werde. Ob Reedereien und Versicherungen dieser Zusicherung vertrauen, ist eine andere Frage — frühere Huthi-Angriffe auf Öltanker im Roten Meer hatten gezeigt, dass die Miliz bereit ist, internationale Schifffahrt gezielt anzugreifen.
Iran soll bremsen: Pakistan übermittelt Riad-Botschaft nach Teheran
Parallel zur Lage in Mokka eskalierten die Kämpfe zwischen Saudi-Arabien und den Huthis weiter. In der südwestlichen saudi-arabischen Stadt Chamis Muschait lösten die Behörden wegen anhaltender Angriffe der Miliz innerhalb von nur 24 Stunden viermal Luftalarm aus — ein ungewöhnlich hohe Frequenz, die die Intensität der Angriffe verdeutlicht.
Um eine weitere Eskalation zu verhindern, schaltete Riad Pakistan als Vermittler ein. Islamabad übermittelte demnach eine saudi-arabische Aufforderung an den Iran, mäßigend auf die Huthis einzuwirken. Teheran gilt als wichtigster Unterstützer der Miliz und liefert ihr nach westlichen Geheimdienstangaben Waffen sowie operative Unterstützung.
- Mokka, rund 10.000 Einwohner, am 10. September 2026 von Huthis eingenommen
- Gleichzeitiger Angriff auf die Hanisch-Inseln im Roten Meer
- Brent-Rohöl steigt um 3,5 Prozent auf über 100 US-Dollar pro Barrel
- Bab al-Mandab: einzige freie Alternativroute zu Hormus für saudi-arabisches Öl
- Vier Luftalarme in Chamis Muschait innerhalb von 24 Stunden
- Pakistan vermittelt saudi-arabische Botschaft an den Iran
Was nun offen bleibt: Regierungstruppen, Teheran und die 100-Dollar-Frage
Die jemenitischen Regierungstruppen haben sich nach Süden zurückgezogen, ohne dass Berichte über eine geordnete Gegenoffensive vorliegen. Ob Teheran tatsächlich auf Riad und Islamabad reagiert und seinen Einfluss auf die Huthis geltend macht, ist nach dem Stand vom 10. September 2026 unbekannt.
Solange die Kontrolle über Mokka und die umliegenden Seegebiete ungeklärt bleibt, dürfte der Ölpreis auf erhöhtem Niveau verharren — und die Frage, ob Bab al-Mandab offen bleibt, wird an den Rohstoffmärkten täglich neu beantwortet.
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