Es war kurz nach 22 Uhr am 9. September 2026, als ORF-Moderator Armin Wolf im ZIB2-Studio einen Satz aussprach, der dem Publikum den Atem verschlug. Der Fall, den er einleitete, war bereits bekannt — doch die Formulierung, mit der er die Chats zwischen den beiden Hauptverdächtigen beschrieb, blieb hängen: Diese Nachrichten seien, sagte Wolf, „derart widerwärtig, dass es einem beim Lesen den Magen umdreht.“
Dahinter verbirgt sich einer der erschütterndsten Kriminalfälle, den Oberösterreich seit Jahren erlebt hat: eine 39-jährige Mutter aus Marchtrenk, die in der Nacht vom 25. auf den 26. Juni 2026 starb — und deren Tod zunächst als Unfall galt. Was die Ermittler seither ans Licht brachten, treibt nun auch die Justizministerin auf die Bühne.
Tatort Marchtrenk: Was in jener Nacht geschah
Um 0.44 Uhr am 26. Juni 2026 erklärten Rettungskräfte und Polizei die 39-Jährige in einem Reihenhaus in Marchtrenk für tot. Die jugendliche Tochter des Paares hatte ihre Mutter leblos im Wasserbett gefunden und daraufhin die Einsatzkräfte alarmiert.
Der Ehemann — ein 51-Jähriger mit einem Blutalkohol von 1,88 Promille zum Tatzeitpunkt — schilderte den Tod gegenüber den Ermittlern zunächst als tragischen Unfall, als Folge eines einvernehmlichen Sexspiels. Die Behörden gingen offenbar zunächst von einer nicht vorsätzlichen Tötung aus. Der Mann blieb vorerst auf freiem Fuß.
Obduktion widerlegt Unfallversion — und öffnet Abgrund
Die Obduktion änderte alles. Sie ergab massive Verletzungen, die mit der Version des Ehemannes schlicht nicht vereinbar waren. Die Ermittlungen nahmen eine neue Richtung, und was dabei zutage trat, übertraf das Schlimmste, was die Behörden erwartet hatten.
Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen soll die 39-Jährige über einen längeren Zeitraum hinweg von ihrem Mann betäubt und anderen Männern zum Missbrauch überlassen worden sein. Laut einem Bericht der Kronen Zeitung soll der Beschuldigte dafür in manchen Fällen bis zu 500 Euro verlangt haben. Noch brisanter: Einen Tag vor dem Tod seiner Frau soll er über eine Google-Suche nach Hausmitteln zur Betäubung gesucht haben.
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In der Zwischenzeit — bevor er festgenommen wurde — hatte er das Wasserbett entsorgt und eine App von seinem Mobiltelefon gelöscht.
Chats, die den Ermittlern den Magen umdrehen
Bei der Auswertung digitaler Daten stießen die Ermittler auf umfangreiche Chat-Verläufe zwischen dem Ehemann und einem weiteren 51-jährigen Nachbarn. Auch dieser sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Die Nachrichten zwischen den beiden sollen wiederholt den mutmaßlichen Missbrauch der Frau zum Inhalt gehabt haben — „Heute“ verzichtet bewusst auf eine direkte Wiedergabe des Inhalts.
Armin Wolf beschrieb diese Chats am 9. September 2026 in der ZIB2 mit ungewöhnlicher Offenheit: „Die Chat-Nachrichten zwischen ihnen sind derart widerwärtig, dass es einem beim Lesen den Magen umdreht.“ Für einen Moderator von Wolfs Sachlichkeit ist eine solche persönliche Bewertung bemerkenswert selten.
Am Tag vor dem Tod der Frau sollen zudem Fotos von ihr an Dritte weitergegeben worden sein. Ein dritter Mann soll für einen weiteren Missbrauch vorgesehen gewesen sein. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Justizministerin Sporrer: „Ich bin fassungslos“
Justizministerin Anna Sporrer war in derselben ZIB2-Sendung zu Gast — und ließ ihrer Betroffenheit freien Lauf. Ihr sei beim Lesen der Falldetails ein Satz von Ingeborg Bachmann in den Sinn gekommen: „Die Männer sind alle krank. Wussten Sie das nicht?“
Der Fall zeige für Sporrer ein wiederkehrendes Muster: Männer, die sich das Recht herausnehmen, über Frauen zu bestimmen — durch Kontrolle, durch Gewalt, im schlimmsten Fall bis zum Tod. Als Gesellschaft müsse man sich geschlossen dagegenstellen, sagte die Ministerin, und es brauche vor allem einen fundamentalen Bewusstseinswandel.
„Ich bin wirklich fassungslos, dass ich als Justizministerin mehr oder weniger jedes halbe Jahr vor neuen Phänomenen stehe, die geregelt werden müssen“, sagte Anna Sporrer, Justizministerin, in der ZIB2 am 9. September 2026.
Welche Reformen im Sexualstrafrecht jetzt konkret geplant sind
Sporrer nutzte den Auftritt, um konkrete gesetzliche Schritte anzukündigen. Die wichtigsten Vorhaben im Überblick:
- Der Besitz realer Vergewaltigungsvideos soll künftig unter Strafe gestellt werden — bisher ist nur Versendung und Verbreitung strafbar.
- Das Prinzip „Nur Ja heißt Ja“ soll ins Strafrecht aufgenommen werden; die NEOS haben bereits zugestimmt, von der ÖVP wird noch eine Antwort erwartet.
- Neue digitale Delikte wie Deepfakes sollen rechtlich neu bewertet und strafrechtlich erfasst werden.
- Die Fortbildung von Richterinnen und Richtern zu häuslicher Gewalt soll mehr Gewicht bekommen.
- Die Arbeitsgruppe zur Reform des Sexualstrafrechts soll im September 2026 starten.
Sporrer sagte mit Blick auf die Gesetzeslücken: „Wir werden uns jetzt daran machen, auch diese Lücken zu schließen.“ Der Entwurf zum „Nur Ja heißt Ja“-Prinzip sei fertig; nach einer Zustimmung der Kanzlerpartei ÖVP könnte die Reform innerhalb weniger Monate durch das Parlament gebracht werden.
Gewaltschutzregister: Sporrer offen, aber mit Vorbehalten
Angesprochen auf ein mögliches Register, in dem Frauen frühere Gewaltvorwürfe gegen Männer abfragen könnten, zeigte sich Sporrer grundsätzlich offen für eine breite gesellschaftliche Debatte. Gleichzeitig verwies sie auf ungeklärte Fragen: Persönlichkeitsrechte der Betroffenen und die Frage, wie lange derartige Einträge gespeichert bleiben dürften, seien noch nicht beantwortet.
Auch im Bereich Prävention sieht Sporrer Handlungsbedarf. Häusliche Gewalt müsse früher erkannt und konsequenter unterbrochen werden — nicht erst, wenn eine Frau tot im Wasserbett liegt.
Ob die ÖVP dem fertiggestellten Entwurf zum neuen Zustimmungsprinzip zustimmt, wird die nächsten Wochen entscheiden — und damit, wie rasch Österreich sein Sexualstrafrecht tatsächlich auf den Stand bringt, den Sporrer für überfällig hält.
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