Wissenswertes

Nabelschnur-Stammzellen: Wie UCLA-Forscher Yichen Zhu solide Tumore 2026 bezwingen will

Nabelschnur-Stammzellen: Wie UCLA-Forscher Yichen Zhu solide Tumore 2026 bezwingen will

Es ist ein Moment, der in jedem Kreißsaal unbeachtet bleibt: Die Nabelschnur wird durchgeschnitten, das Blut darin meist verworfen. Wissenschaftler der University of California in Los Angeles sahen darin etwas anderes — einen Rohstoff, aus dem sich Krebskiller züchten lassen.

Artikel teilen

XRedditLinkedIn

Ihr Ansatz, im September 2026 vorgestellt, dreht sich um sogenannte AlloESO-T-Zellen: Immunzellen, die aus Stammzellen des Nabelschnurbluts gewonnen werden und solide Tumore auf gleich zwei Wegen angreifen können. Die entscheidende Frage lautet nun, ob das, was im Labor und im Mausmodell funktioniert, auch beim Menschen hält.

Was AlloESO-T-Zellen von herkömmlichen Immuntherapien unterscheidet

Die meisten CAR-T-Zell-Therapien, die heute in Kliniken eingesetzt werden, greifen auf die körpereigenen Abwehrzellen des Patienten zurück — ein aufwendiger, teurer und nicht immer möglicher Prozess. Der UCLA-Ansatz geht einen anderen Weg: Er nutzt Stammzellen aus fremdem Nabelschnurblut als Ausgangsmaterial.

Der entscheidende Vorteil liegt im Zeitpunkt des Eingriffs. Yichen Zhu, Forscher an der UCLA, erklärt es so: „Stammzellen sind undifferenziert, sie sind noch keine reifen T-Zellen mit einem bereits festgelegten Rezeptor.“ Weil der Rezeptor früh in die Zellentwicklung eingepflanzt wird, tragen nahezu alle entstehenden T-Zellen denselben programmierten Erkennungsapparat — eine Einheitlichkeit, die bei der Produktion aus reifen Spenderzellen kaum zu erreichen ist.

Neueste Beiträge

Mehr zum Lesen

Neues aus der Redaktion
01Vergewaltigung Marchtrenk: Wie Armin Wolfs ZIB2-Auftritt am 9. September eine Reform erzwingen könnte02Ann-Marlene Henning Orgasmus: Warum der vaginale Orgasmus eine Erfindung ist03Queen Elizabeth & Meghan: Wie 21-Jährige Butler-Enthüllungen den Megxit neu bewerten

Doppelte Erkennungsfähigkeit: Wie die Zellen Tumore aufspüren

AlloESO-T-Zellen verfügen über zwei unabhängige Erkennungswege. Zum einen tragen sie einen programmierten Rezeptor, der gezielt auf ein bestimmtes Tumormerkmal reagiert. Zum anderen besitzen sie natürliche Killerzell-Rezeptoren, die Krebszellen auch ohne spezifisches Signal identifizieren können.

Diese Kombination macht sie flexibler als ältere Immunzelltherapien, die oft nur einen einzigen Angriffspfad nutzen. Tumore, die einem der beiden Erkennungswege entkommen, bleiben dem anderen weiterhin ausgesetzt.

Melanom, Eierstockkrebs, Prostatakrebs: Die Ergebnisse aus dem Labor

In Zellkulturversuchen testeten die Forscher die neuen Zellen gegen drei Krebstypen:

  • Melanom (schwarzer Hautkrebs)
  • Eierstockkrebs
  • Prostatakrebs

In allen drei Fällen griffen die AlloESO-T-Zellen die Tumorzellen erfolgreich an. Im Mausmodell reichte eine einzige Gabe aus, um eine anhaltende Tumorkontrolle zu erzielen — die Tiere lebten deutlich länger als Vergleichstiere ohne Behandlung. Im Körper der Mäuse vermehrten sich die Zellen um das Hundertfache und blieben über Wochen hinweg im Tumorgewebe aktiv.

Geringeres Risiko einer Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion

Ein zentrales Problem bei Therapien mit Spenderzellen ist die sogenannte Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion: Die fremden Immunzellen greifen den Körper des Empfängers an, teils mit schweren Folgen. Bei den AlloESO-T-Zellen fiel dieses Risiko in den Tests deutlich geringer aus als bei herkömmlich veränderten Spender-T-Zellen.

Das Herstellungsverfahren trägt dazu bei. Die Produktion erfolgt ohne sogenannte Fütterzellen und in einheitlichen Chargen — ein Prozess, der eine Fertigung in großem Maßstab erlaubt und die Qualitätskontrolle vereinfacht. Für eine breitere klinische Anwendung wäre genau das eine Voraussetzung.

Klinische Studien stehen noch aus — was jetzt fehlt

Der wichtigste Vorbehalt bleibt bestehen: Alle bisherigen Ergebnisse stammen aus Zellkulturen und Tierversuchen. Ob sich die Wirksamkeit auf den Menschen übertragen lässt, ist offen. Klinische Studien — zunächst zur Sicherheit, dann zur Wirksamkeit — müssen diesen Schritt erst belegen.

Die Forschungsgruppe der UCLA hat mit ihrer Methode eine Produktionsplattform geschaffen, die skalierbar ist. Das ist kein unwichtiges Detail: Viele vielversprechende Zelltherapien scheitern nicht an der Wirkung, sondern daran, dass sie sich nicht in ausreichenden Mengen herstellen lassen. Ob der nächste Schritt eine Zulassungsstudie in den USA oder eine internationale Kooperation ist, haben die Forscher bislang nicht bekanntgegeben.

Artikel teilen

3 Min. Lesezeit

XRedditLinkedIn

Ihre Meinung hilft uns

War dieser Artikel lesenswert?

Das Gespräch geht weiter

Kommentare

Mitdiskutieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Mitdiskutieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Scroll to Top