Am Mittwochabend saß Sergej Barbarez auf der Tribüne des Verteilerkreises und schaute einem Teenager beim Arbeiten zu. Der bosnische Nationaltrainer hatte sich den weiten Weg nicht ohne Grund gemacht: Salko Hamzic, 19 Jahre alt, Tormann der WSG Tirol, hielt beim 1:0-Sieg der Wattener gegen die Wiener Austria seinen Kasten erneut sauber. Es war bereits das zweite Bundesliga-Spiel in Folge ohne Gegentor.
Was Barbarez‘ Anwesenheit bedeutet, liegt auf der Hand. Bosnien-Herzegowina hat Interesse am nächsten ÖFB-Nachwuchskeeper — und der Österreichische Fußball-Bund muss nun entscheiden, ob er dieses Talent festhalten kann oder ob sich die Geschichte der vergangenen Jahre wiederholt.
Hamzic bei WSG Tirol: Vom Red-Bull-Nachwuchs zur Nummer eins
Salko Hamzic wurde in Salzburg geboren und durchlief die gesamte Nachwuchsabteilung von Red Bull Salzburg. Im Sommer 2026 wechselte er zum Liga-Konkurrenten WSG Tirol — und wurde dort sofort als Stammtorhüter eingesetzt. Kein sanftes Eingewöhnen, kein Einteilen als Backup.
Die ersten Auftritte in der Bundesliga sprechen für sich: zwei Spiele, zwei Zu-Null-Ergebnisse. Darunter eben der 1:0-Erfolg am 3. September 2026 beim Austria-Wien-Heimspiel, bei dem Barbarez persönlich im Stadion war. Für einen 19-Jährigen in seiner ersten Bundesliga-Saison sind das bemerkenswerte Zahlen.
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Bosniens Interesse: Warum Barbarez den jungen Salzburger ins Visier genommen hat
Das bosnische Nationalteam hat ein konkretes Problem zwischen den Pfosten. Nikola Vasilj, zuletzt bei Union Berlin, ist mit 30 Jahren in die Saudi Pro League gewechselt. Die Nachfolge im bosnischen Tor gilt seither als ungeklärt — und genau dort kommt Hamzic ins Spiel.
Laut dem deutschen Fachmagazin Kicker soll Barbarez den 19-Jährigen bereits für den Nations-League-Kader im Blick haben. Bosnien trifft in dieser Phase auf Polen, Rumänien und Schweden. Der Selektionsdruck ist real, und Barbarez sucht offenbar keine langfristige Lösung, sondern eine sofortige.
ÖFB-Staatsbürgerschaft seit 2023: Warum die Entscheidung noch offen ist
Hamzic besitzt die österreichische Staatsbürgerschaft seit dem Jahr 2023. In diesem Jahr hatte ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick den Tormann in einen Perspektivspielerlehrgang des Verbandes geholt — ein klares Signal, dass Wien ihn als Teil der rot-weiß-roten Zukunft sah. Derzeit hütet Hamzic das Tor der österreichischen U19-Nationalmannschaft.
Das entscheidende Fenster ist noch nicht geschlossen. Solange Hamzic kein offizielles A-Länderspiel für einen der beiden Verbände bestritten hat, ist er spielberechtigt für Österreich und für Bosnien-Herzegowina. Die Uhr tickt — besonders mit Blick auf die bevorstehenden Nations-League-Spieltage.
Österreichs Keeper-Dichte: Chance und Risiko zugleich
Der ÖFB hat dieser Tage ungewöhnlich viele talentierte Torhüter unter 21 Jahren. Nikolas Polster wechselte erst kürzlich vom Wolfsberger AC zu NEC Nijmegen in die niederländische Eredivisie. Und Christian Zawieschitzky, ebenfalls 19 Jahre alt, hat sich bei Red Bull Salzburg als neue Nummer eins durchgesetzt — mit Leistungen, die ihn bereits ins Blickfeld des A-Kaders rücken.
Genau diese Konkurrenzsituation macht den Fall Hamzic so heikel. Denn je stärker Zawieschitzky beim ÖFB reüssiert, desto schwieriger wird es für den WSG-Keeper, sich auf Nationalteam-Ebene durchzusetzen — was wiederum ein Argument liefert, den bosnischen Ruf anzunehmen. Es ist eine klassische Zwickmühle.
Was jetzt entscheidend ist: Zeitdruck durch die Nations League
Die Situation verdichtet sich in den kommenden Wochen. Die Nations-League-Kadernominierungen stehen unmittelbar bevor, und in Bosnien verdichten sich laut dortigen Medienberichten die Signale, dass Barbarez Hamzic bereits in diesem Zyklus einberufen möchte. Konkret stehen folgende Partien auf dem Programm:
- Bosnien-Herzegowina gegen Polen
- Bosnien-Herzegowina gegen Rumänien
- Bosnien-Herzegowina gegen Schweden
Der ÖFB hat bislang keine öffentliche Stellungnahme zu dem Fall abgegeben. Wie der Verband auf die bosnische Annäherung reagiert und ob man Hamzic aktiv in den eigenen Kader integriert, um eine Entscheidung zu beschleunigen, bleibt die offene Frage der nächsten Tage.
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