Politik

Zeiler gegen Babler: Wie der SPÖ-Machtkampf mit 15 Prozent die Partei spaltet

Zeiler gegen Babler: Wie der SPÖ-Machtkampf mit 15 Prozent die Partei spaltet

Sonntagabend, kurz nach 22 Uhr. Im ORF-Studio sitzt Gerhard Zeiler Moderatorin Margit Laufer in der „ZIB2“ gegenüber – ruhig, konzentriert, aber mit einer Botschaft, die es in sich hat. Der frühere ORF- und RTL-Manager erklärt vor einem Millionenpublikum, warum er den amtierenden SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler aus dem Amt drängen will. Es ist der erste große Auftritt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, seit Zeiler seinen Vorstoß publik gemacht hat.

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Die SPÖ liegt laut aktuellen Umfragen bei 15 bis 16 Prozent – ein historischer Tiefstand. Zeiler zieht daraus eine klare Konsequenz: Die Partei müsse die Taktik ändern, sonst drohe der Absturz auf Platz vier hinter den Grünen. Babler sieht das anders. Und so stellt sich Ende September 2026 die Frage, die die österreichische Sozialdemokratie in zwei Lager teilt: Wer führt die SPÖ aus dem Tief?

SPÖ bei 15 Prozent: Warum Zeiler jetzt handeln will

Zeiler wählte in der „ZIB2“ ein Bild, das sitzt: Die SPÖ sei wie ein Fußballteam, das zur Halbzeit 0:3 zurückliege und trotzdem die Taktik nicht ändere. Die Partei habe einmal die absolute Stimmenmehrheit gehalten, stehe nun bei 15 Prozent. „Wenn wir nicht aufpassen, werden wir bald Nummer 4 sein hinter den Grünen. Wir kämpfen mit der Zweistelligkeit“, sagte Zeiler in der Sendung.

Dahinter steckt eine politische Grundüberzeugung. Österreich sei ein „schönes“ und „sozial orientiertes Land“ – doch wenn die Sozialdemokratie schwach bleibe, kämen die Extremen an die Macht. Zeilers Schlussfolgerung: „Ich muss es tun.“ Seine Entscheidung zur Kandidatur sei „ein langer Prozess“ gewesen, betonte er. Öffentlichen Rückhalt aus der Parteiführung hat er bisher kaum – das habe er jedoch erwartet.

Babler hält am März-Mandat fest – und verweist auf die Regierung

Vizekanzler Andreas Babler weicht nicht. Er verweist darauf, dass er erst im März 2026 auf einem Parteitag wiedergewählt wurde – mit einem klaren Auftrag für eine dreijährige Amtszeit. Einen freiwilligen Rückzug lehnt er ab. Stattdessen lenkt er den Fokus auf die Arbeit der Bundesregierung: Spritpreisbremse, Reformpartnerschaft, Stärkung der Wirtschaft.

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Sollte Zeiler formal kandidieren wollen, müsste dies über die Parteistatuten geregelt werden. Zwei Wege stehen offen: Entweder verlangen mindestens zehn Prozent der SPÖ-Mitglieder – das entspricht rund 12.500 Personen – eine direkte Mitgliederwahl. Oder der Bundesvorstand beruft einen außerordentlichen Parteitag ein. Zeiler erklärte, er würde eine Mitgliederbefragung „selbstverständlich“ mitmachen.

Die Länder sind gespalten: Doskozil contra Vorarlberg

Die Reaktionen aus den Bundesländern fallen uneinheitlich aus. Das Büro von Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil verwies auf dessen bereits Anfang September geäußertes klares Nein zu Zeiler – eine Haltung, die kaum überrascht. Doskozil und Zeiler standen schon früher in parteipolitischem Gegensatz; Zeiler hatte einst angekündigt, die SPÖ zu verlassen, sollte Doskozil Kanzlerkandidat werden.

Salzburgs SPÖ-Chef Peter Eder forderte dagegen, die internen Debatten rasch zu beenden. Der Vorarlberger Vorsitzende Mario Leiter begrüßte den Wettbewerb um Ideen und wollte Zeilers Konzepte abwarten. Andere Landesvertreter hielten sich öffentlich zurück. Ein Wechsel an der Spitze würde die innerparteilichen Spannungen also nicht automatisch beseitigen.

„Ich glaube, dass ich der Richtige bin dafür“ – Zeilers Programm in der ZIB2

„In der gesamten SPÖ redet man darüber, dass es so nicht weitergehen kann“, sagte Zeiler am Sonntagabend bei Moderatorin Margit Laufer. Es gehe nicht um Babler persönlich, sondern um die SPÖ als Ganzes. Die Partei müsse sich entscheiden: für einen Kurs, „aber auch für Andreas Babler oder für mich“. Viele Unterstützer in der Partei würden sich noch nicht öffentlich bekennen – „die werden schon kommen“, zeigte sich Zeiler zuversichtlich.

Inhaltlich nannte Zeiler konkrete Schwerpunkte: Inflationsdämpfung, sinkende Lebenshaltungskosten, Wohnungsbau, Investitionen in Bildung und Gesundheit. Außerdem sieht er Spielraum beim Abbau von „Doppelgleisigkeiten“, etwa bei Förderungen. „Wir werden das, was unsere Eltern-Generation erarbeitet hat, verlieren“, warnte er. „Und dafür stehe ich nicht.“

Finanzminister oder Parteichef: Was Zeiler sich zutraut

Auf die Frage, ob für ihn ausschließlich der Parteivorsitz infrage komme, antwortete Zeiler überraschend offen: „Ich scheue mich nicht davor zurück, auch den Finanzminister oder andere Minister zu machen.“ Es gebe das „eine oder andere“ Regierungsmitglied, das er gerne in seinem Team sähe – für solche Überlegungen sei es aber „noch viel zu früh“.

Zu einem möglichen raschen Machtwechsel und Neuwahlen hielt Zeiler fest: „Nein, ich stehe zu dieser Regierung. Sie hat ja ein Regierungsprogramm ausgearbeitet, das noch lange nicht abgearbeitet ist.“ Die Spritpreisbremse sei „heute das richtige Mittel“, er selbst fahre ein E-Auto, aber Österreich müsse stärker in die Energiewende investieren und unabhängiger werden. Sein Urteil über den Staat fiel pointiert aus: „Der Staat darf kein scheues Rehlein sein – aber derzeit schaut er in manchen Bereichen aus wie ein Sumoringer.“

Wie es jetzt weitergeht – und was noch offen bleibt

Ob es tatsächlich zu einer Mitgliederbefragung oder einer Kampfabstimmung kommt, hängt von den nächsten Schritten innerhalb der Partei ab. Entscheidend wird sein, ob Zeiler über die öffentliche Aufmerksamkeit hinaus genügend Rückhalt in den Landesorganisationen und in der Gewerkschaft gewinnt – zwei Machtpfeiler der SPÖ, die bisher kaum Signale gesendet haben.

Die Zusammensetzung eines möglichen Sonderparteitags, der Zeitplan und die Frage, wer den Antrag stellt, sind ungeklärt. Der Bundesvorstand hat sich noch nicht positioniert. Babler wiederum deutete an, die Führungsdebatte nicht selbst zu befeuern, sondern auf dem Boden des bestehenden Mandats weiterzuarbeiten – wie lange das trägt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

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