Am 11. September 2026 versammelten sich Trauernde am Friedhof Inzersdorf in Wien-Liesing, um Lucia Šišić zu verabschieden. Mehr als tausend Menschen hatten in den Tagen zuvor Abschied von der jungen Wienerin genommen. Statt Kränzen und Blumengestecken stand vor dem Eingang eine schlichte Spendenbox — aufgestellt auf ausdrücklichen Wunsch der Familie.
Lucia Šišić, amtierende Miss Austria, war am 6. September 2026 im Alter von nur 22 Jahren verstorben. Was ihre Familie bei der Beerdigung erbat, und wie die Reaktion der Trauergäste den Verein „Herzkinder Österreich“ zu Tränen rührte, zeigt, welche Wirkung ein kurzes Leben hinterlassen kann.
Der letzte Wunsch: Spenden statt Blumen für Herzkinder
Die Familie von Lucia Šišić bat die Trauergäste, auf Blumengebinde zu verzichten und stattdessen für die Teddyhäuser des Vereins „Herzkinder Österreich“ zu spenden. Der Verein betreibt Unterkünfte in der Nähe von Kinderkliniken, in denen Eltern und Angehörige wohnen können, während ihre herzerkrankten Kinder über Wochen oder Monate behandelt werden. Es ist ein Angebot, das Lucias Mutter seinerzeit nicht zur Verfügung stand, als ihre Tochter als Kind im Krankenhaus lag.
Der Wunsch traf einen Nerv. Die Anteilnahme war so groß, dass am Ende der Trauerfeier eine Summe zusammengekommen war, die selbst den Verein überraschte.
Rund 20.000 Euro: Eine Summe, die Familien in Not erreicht
Insgesamt kamen rund 20.000 Euro an Spenden zusammen. Das Geld fließt direkt in die Teddyhäuser von „Herzkinder Österreich“ und soll Familien helfen, die während schwieriger Behandlungsphasen ihrer herzerkrankten Kinder ein vorübergehendes Zuhause in Kliniknähe brauchen.
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„Die Spendenbereitschaft in einer so schweren Zeit für die Familie berührt uns zutiefst“, sagte Michaela Altendorfer, Präsidentin und Geschäftsführerin von „Herzkinder Österreich“. „Wir bedanken uns von Herzen bei der Familie von Lucia und bei allen, die gespendet haben. Mit diesem Betrag können wir Familien herzkranker Kinder in unseren Teddyhäusern weiterhin ein Zuhause auf Zeit bieten, wenn sie es am meisten brauchen.“
Sieben Operationen: Lucias langer Kampf mit dem Herzfehler
Lucia Šišić wurde mit einem angeborenen Herzklappenfehler geboren. Im Laufe ihres kurzen Lebens unterzog sie sich sieben medizinischen Eingriffen. Ein besonders schwerer Eingriff im Jahr 2017 brachte sie an die Grenzen ihrer körperlichen Belastbarkeit — sie musste reanimiert werden und erlitt Nervenschäden am linken Bein und Fuß. Das Gehen musste sie danach neu erlernen.
Trotz allem verfolgte sie ihre Ziele unbeirrt weiter. 2024 gewann sie zunächst den Titel „Miss Vienna“, wenige Monate später folgte die Krönung zur „Miss Austria“. Im Rampenlicht sprach sie offen über ihre Krankheitsgeschichte und wurde damit für viele Menschen mit angeborenem Herzfehler zu einer Stimme und einem Vorbild.
Der Besuch im Teddyhaus, der sie nicht losließ
Mit „Herzkinder Österreich“ war Lucia persönlich verbunden. Im Oktober 2024 besuchte sie das Teddyhaus in Linz, das damals sein 15-jähriges Bestehen feierte. Sie informierte sich über die Arbeit des Vereins, sprach mit Mitarbeiterinnen und teilte dabei auch ihre eigene Geschichte.
Besonders die Wohnmöglichkeiten für betroffene Familien bewegten sie. Als Lucia selbst als Kind behandelt wurde, hatte ihre Mutter keine vergleichbare Unterkunft gefunden. Dieser Besuch prägte sie — und spielte offenbar eine Rolle dabei, weshalb die Familie genau diesen Verein für den letzten Wunsch auswählte.
„Wir sind tief betroffen vom Tod von Lucia“, erklärte Altendorfer. „Lucia war ein Herzkind mit einer außergewöhnlichen Stärke. Sie hat ihre Geschichte genutzt, um anderen Mut zu machen und herzkranken Kindern und Erwachsenen eine Stimme zu geben. Das werden wir nie vergessen.“
Herzkinder Österreich: Was der Verein tut und wie man helfen kann
„Herzkinder Österreich“ trägt das österreichische Spendengütesiegel. Alle Spenden an den Verein sind steuerlich absetzbar. Das Spendenkonto lautet:
- Bank: Erste Bank
- IBAN: AT13 2011 1890 8909 8000
- Zweck: Teddyhäuser für Familien herzkranker Kinder
Der Verein unterstützt herzkranke Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie deren Familien österreichweit — mit Wohnmöglichkeiten, Beratung und dem Netzwerk Betroffener. Durch Lucias offenen Umgang mit ihrer Erkrankung hat er in den vergangenen zwei Jahren deutlich mehr öffentliche Aufmerksamkeit erhalten.
Was „Herzkinder Österreich“ mit Lucias Erbe vorhat
Der Verein hat angekündigt, das Andenken an Lucia Šišić zu bewahren und ihre Arbeit als Botschafterin für Menschen mit Herzerkrankungen weiterzuführen. Wie genau das geschehen soll — ob durch eine Gedenkveranstaltung, eine Kooperation mit der Miss Austria Corporation oder eine eigene Initiative — ist derzeit noch offen.
Was bereits feststeht: Die 20.000 Euro aus der Trauerfeier am Friedhof Inzersdorf fließen in konkrete Hilfe für Familien, die gerade das durchmachen, was Lucias Familie vor Jahrzehnten allein bewältigen musste.
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