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Chelsea Wien: 40 Jahre Gürtel-Legende – das vollständige Jubiläumsprogramm

Chelsea Wien: 40 Jahre Gürtel-Legende – das vollständige Jubiläumsprogramm

Am Lerchenfelder Gürtel, wo sich vier U-Bahnbögen zu einem der eigenwilligsten Konzertorte Wiens fügen, beginnt Ende November etwas Ungewöhnliches: Ein Lokal feiert seinen vierzigsten Geburtstag nicht mit einer Gala, sondern mit fast vier Wochen Livemusik am Stück. Das Chelsea, seit dem 8. Juni 1995 in den Bögen 29 bis 32 zu Hause, hat in vier Jahrzehnten mehr Bands auf die Bühne gelassen, als manches Konzerthaus in seinem gesamten Betrieb verzeichnet.

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Die Jubiläumskonzertreihe läuft vom 24. November bis zum 19. Dezember 2026 – und das Line-up liest sich wie ein Kompendium des österreichischen Indie-Gedächtnisses, ergänzt um internationale Gäste, die dem Gürtellokal seit Jahren verbunden sind. Welche Acts auftreten, wie die Geschichte des Chelsea begann und was das Programm über den Ort selbst verrät, zeigt ein Blick auf vier Jahrzehnte Clubgeschichte.

1986 in der Josefstadt: Wie Othmar Bajlicz eine Lücke füllte

Gegründet wurde das Chelsea 1986 in der Piaristengasse 1 in Wien-Josefstadt. Das Konzept seines Gründers Othmar Bajlicz war damals für die Wiener Szene ungewohnt: täglich wechselnde DJs, eine Clubatmosphäre jenseits des Discobetriebs und eine offene Bühne für heimische Indie-Bands, die anderswo kaum Auftrittsmöglichkeiten fanden.

In diesen frühen Jahren gastierten dort Bands, deren Namen heute Kulturgeschichte schreiben: Die Goldenen Zitronen, Soundgarden, Die Toten Hosen, Wreckless Eric, Peter Hein & Xao Seffcheque, The Fuzztones, Demented Are Go und Union Carbide Productions standen auf der Piaristengassen-Bühne. Der Umzug an den Gürtel folgte neun Jahre später.

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Gürtel statt Josefstadt: Der Umzug, der alles veränderte

Seit dem 8. Juni 1995 ist das Chelsea in den U-Bahnbögen 29 bis 32 am Lerchenfelder Gürtel eingemietet. Die rohe Atmosphäre der Gewölbe, der Lärmpegel der Stadtbahn darüber und die Lage an einer der belebtesten Ausgehmeilen Wiens verwandelten das Lokal endgültig in eine Institution. Das Grundkonzept blieb: regelmäßige Konzerte, DJ-Abende mit Dancefloor, und am Wochenende Fußballübertragungen.

Für viele österreichische Musiker wurde die Chelsea-Bühne zu einer frühen, prägenden Station. Bilderbuch, Wanda, Voodoo Jürgens, Leftovers, Clara Luzia sowie Kreiml & Samurai absolvierten dort einige ihrer ersten Auftritte – lange bevor Stadien oder große Festivalbühnen ein Thema wurden.

24. November bis 19. Dezember: Das vollständige Jubiläumsprogramm

Den Auftakt der fast vierwöchigen Konzertreihe machen am 24. November H.P. Zinker, eine von zwei Österreichern in New York gegründete Band, die damit symbolisch die internationale Dimension des Chelsea-Programms eröffnet. Danach folgen in den Wochen bis Mitte Dezember:

  • TV Smith, The Clashinistas, Naked Lunch, Kommando Elefant
  • Das Schottische Prinzip, The Devil And The Universe, Toody Cole And Her Band
  • Jenny Don’t & The Spurs, EsRAP, Franz Fuexe, Minisex, Leber
  • Freud, Heinz aus Wien, Kreisky, Ankathie Koi, The Incredible Staggers
  • Christoph & Lollo, Mambo Kurt, Attwenger

Den Abschluss bilden am 18. Dezember Cousines Like Shit mit dem angekündigten Grande Finale – ein Abend, der das Programm nach 25 Konzertabenden in knapp vier Wochen beschließt.

Heinz aus Wien, Minisex, Ankathie Koi: Warum diese Acts kein Zufall sind

Die Auswahl der Jubiläumskünstler folgt einer klaren Logik: Eingeladen wurden Bands und Solokünstler, die dem Chelsea über viele Jahre, teils über Jahrzehnte, verbunden geblieben sind. Heinz aus Wien steht für jenen lakonischen Wiener Liedermachergestus, der im Chelsea schon immer einen natürlichen Raum fand. Minisex repräsentiert die österreichische Neue Welle, die das Lokal in seinen frühen Jahren mitgeprägt hat. Ankathie Koi hingegen steht für eine jüngere Generation, die den Gürtelort als wichtige Bühne ihrer Karriere erlebt hat.

Gemeinsam ergibt das Line-up weniger eine Nostalgieveranstaltung als eine Art Bestandsaufnahme: 40 Jahre Chelsea in Konzertform, von der Post-Punk-Ära der Gründungszeit bis zur Gegenwart.

Was vier Jahrzehnte Chelsea über Wien erzählen

Ein Lokal, das 1986 in der Josefstadt mit täglich wechselnden DJs startete, durch zwei Standorte und unzählige Krisen überlebt hat und heute mit einem 25-Abende-Programm seinen vierzigsten Geburtstag begeht – das ist in der Wiener Kulturlandschaft keine Selbstverständlichkeit. Laut Angaben des Chelsea selbst sind es gerade die engen, widerspenstigen Gewölbe am Gürtel, die den Ort definieren: kein Konzerthaus, kein Kulturzentrum, sondern ein Klubraum, in dem Auftrittende und Publikum auf wenigen Quadratmetern aufeinandertreffen.

Ob nach dem 19. Dezember weitere Jubiläumsprogramme folgen oder das Chelsea danach wieder in den regulären Spielbetrieb zurückkehrt, ist bislang nicht kommuniziert worden.

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