Am Abend des 7. September 2026 trat Kärntens Landeshauptmann Daniel Fellner gemeinsam mit Gemeindebundpräsident Günther Vallant und Patrick Egger vom Freiwilligenzentrum Kärnten vor die Öffentlichkeit — und machte ein Versprechen konkret, das viele Ehrenamtliche in Österreich schon lange gehört haben wollten. Freiwilliges Engagement soll nicht länger eine moralische Selbstverständlichkeit bleiben, die gesellschaftlich kaum Spuren hinterlässt.
Denn bisher hatte ehrenamtliche Arbeit bei Bewerbungen im öffentlichen Dienst praktisch kein Gewicht. Das soll sich in Kärnten nun ändern — mit einer neuen Karte, einem Bonus-System für Stellenbesetzungen und einer Forderung, die bis zum Zivildienst reicht.
Kärntner Ehrenamtskarte: Rabatte bei 26 Partnern ab sofort verfügbar
Den unmittelbarsten Nutzen bringt die neue Kärntner Ehrenamtskarte, die bereits jetzt gestartet ist. Wer sich in Kärnten freiwillig engagiert, kann sie unter fwz-ktn.at in weniger als einer Minute beantragen und erhält damit Vergünstigungen bei derzeit 26 Partnerbetrieben.
„Bitte registrieren Sie sich unter fwz-ktn.at, das dauert eine Minute. Dann erhalten Sie die Kärntner Ehrenamtskarte — und los geht es mit den vergünstigten Einkäufen“, sagte Patrick Egger, Geschäftsführer des Freiwilligenzentrums Kärnten. Die Partnerliste wachse täglich, so Egger: „Die Liste der Partner, die damit auch das Ehrenamt unterstützen, wird täglich länger.“
Job-Bonus für Ehrenamtliche: Wie das neue Bewerbungssystem in Kärnten funktioniert
Das zweite — und politisch bedeutsamere — Element des Pakets betrifft den öffentlichen Dienst. Freiwilliges Engagement soll bei Bewerbungen um öffentliche Stellen künftig Bonuspunkte einbringen und als gewichtiger Parameter in die Auswahlentscheidung einfließen.
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Auf Gemeindeebene werde dieses Modell bereits angewendet, berichtete Gemeindebundpräsident Günther Vallant — und zieht eine klare Bilanz: Er spricht von „vollem Erfolg“. „Bei gleichen Qualifikationen kann dann eine ehrenamtliche Tätigkeit entscheidend werden“, so Vallant. Der nächste Schritt ist die Ausweitung auf das gesamte Land.
Auch bei öffentlichen Auftragsvergaben soll das Ehrenamt künftig eine Rolle spielen. In den Vergaberichtlinien will das Land Kärnten berücksichtigen, ob Unternehmen das freiwillige Engagement ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv fördern. Den gesetzlich möglichen Spielraum will man dabei vollständig ausschöpfen.
Fellner: „Ehrenamt ist eine Säule der Demokratie“
Landeshauptmann Daniel Fellner (SPÖ) ordnete das Maßnahmenpaket in einen größeren gesellschaftlichen Rahmen ein. „Ehrenamt ist mehr, als anderen Menschen zu helfen, ihnen etwas Gutes zu tun, zu retten, zu schützen, zu unterhalten. Ehrenamt ist eine Säule der Demokratie. Menschen beteiligen und engagieren sich — in Vereinen, in politischen Umfeldern. Sie alle kämpfen gemeinsam für eine Sache und machen damit deutlich, dass es keine Ohnmacht gibt. Und die Zahlen belegen, dass wir Europameister darin sind“, sagte Fellner.
Tatsächlich sind laut dem Land Kärnten mehr als 48 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher über 15 Jahren ehrenamtlich tätig — der höchste Wert im internationalen Vergleich. Zum Vergleich: Die Niederlande und Schweden kommen auf einen Anteil von mehr als 40 Prozent. Wöchentlich werden in Österreich weit mehr als 20 Millionen Stunden freiwillig geleistet.
„Ehrenamtliche Arbeit ist damit ein essenzieller Beitrag an der Gesellschaft. Die Wertigkeit dieser Arbeit muss viel mehr in den Fokus gerückt werden. Es muss mehr Vorteile für Menschen geben, die freiwillig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgen“, betonte Fellner.
Zivildienst-Anrechnung: Fellners Forderung an den Bund
Ein weiterer Punkt des Maßnahmenpakets richtet sich direkt an die Bundesebene. Sollte der Zivildienst — wie diskutiert — auf elf Monate verlängert werden, fordert Fellner, dass nachgewiesenes ehrenamtliches Engagement auf diese Dauer angerechnet und die Zeit entsprechend verkürzt wird.
„Ehrenamtliches Engagement, von dem die Gesellschaft massiv profitiert, muss anerkannt werden“, so der Landeshauptmann. Konkret würde das bedeuten: Wer vor oder während des Zivildienstes nachweislich freiwillig tätig war, käme früher heraus.
Kärntner Ehrenamt-Charta: Was noch vor Jahresende geplant ist
Das Maßnahmenpaket soll bis Ende 2026 um ein weiteres Element ergänzt werden. Noch heuer will das Land Kärnten eine Ehrenamt-Charta vorlegen, die Partnern zur Unterzeichnung angeboten wird. Ziel ist es, die gemeinsame Verantwortung für das Ehrenamt verbindlich festzuschreiben.
Vallant und Egger bezeichneten freiwillige Arbeit als „unbezahlbaren Wert für die Gesellschaft“. Die Gemeinden stellen laut Vallant Infrastruktur für Vereine bereit — von Sportstätten und Kulturhäusern bis zu Rüsthäusern und Vereinsgebäuden. Das Maßnahmenpaket soll, so Fellner, Vallant und Egger unisono, vor allem eines sein: ein aufrichtiges Dankeschön an die rund 48 Prozent der Bevölkerung, die diesen Schatz Tag für Tag hüten.
Offen bleibt, wie rasch der Bund auf Fellners Forderung zur Zivildienst-Anrechnung reagiert — und ob andere Bundesländer dem Kärntner Modell beim Job-Bonus für Ehrenamtliche folgen werden.
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