Donnerstagnachmittag, kurz nach der Mittagszeit. Zwei Männer betreten das Museum für angewandte Kunst an der Wiener Ringstraße wie gewöhnliche Besucher, kaufen Eintrittskarten, schlendern durch die Ausstellungsräume. Minuten später ist ein mehrere Millionen Euro teures Collier aus dem Haus – gestohlen vor den Augen des laufenden Ausstellungsbetriebs.
Seither laufen die Ermittlungen der Wiener Polizei auf Hochtouren, und eine Frage brennt sich durch die öffentliche Debatte: Wie konnte das in einem der renommiertesten Kulturhäuser Österreichs passieren? MAK-Direktorin Lilli Hollein hat darauf eine klare Antwort – und die sorgt für Diskussionsstoff.
Hollein verteidigt das Sicherheitskonzept: „Das war hier der Fall”
Im ORF meldete sich Lilli Hollein, Direktorin des Museums für angewandte Kunst, erstmals öffentlich zu Wort. Die Sicherheitsvorkehrungen hätten den höchsten internationalen Standards für die Präsentation von Schmuckstücken entsprochen, betonte sie. Für die laufende Ausstellung „Glanzstücke” sei gemeinsam mit dem Luxushaus Van Cleef & Arpels ein eigenes Sicherheitskonzept erarbeitet worden.
Gerade weil es in den vergangenen Jahren zu ähnlichen Vorfällen in internationalen Museen gekommen sei, habe das MAK die Sicherheitsfragen vorab besonders genau geprüft. Die Ausstellungsstücke befanden sich laut Hollein in Sicherheitsvitrinen mit Panzerglas, die fest in die Wände integriert sind. Die Sicherheitsdienstleistungen vor Ort hatte ein externer Sicherheitsdienstleister übernommen.
Bewaffneter Täter: Warum das Personal nicht eingriff
Einer der beiden Räuber war bewaffnet. Nach Einschätzung von Polizeisprecherin Anna Gutt dürfte es sich dabei um eine echte Waffe gehandelt haben. Eingesetzt hat der Mann sie nicht – er zeigte sie jedoch offen, um sich den Weg freizumachen.
Genau das erklärt laut Hollein die Reaktion des Sicherheitspersonals. Oberste Priorität sei der Schutz der Besucher gewesen, nicht die Konfrontation mit den Tätern. „Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Das ist das Wichtigste”, sagte Hollein laut ORF. In einer solchen Situation komme es darauf an, dass die vorgesehenen Abläufe greifen und die Mitarbeiter richtig reagieren. „Das war hier der Fall”, so die Direktorin.
Zugleich räumte sie ein, dass auch umfassende Sicherheitsvorkehrungen eine gezielte, bewaffnete Tat während des laufenden Ausstellungsbetriebs nicht vollständig ausschließen können.
Der Ablauf des Raubs: Eintrittskarten, Stadtpark, verschwunden
Die Rekonstruktion der Tat zeichnet ein erschreckendes Bild der Dreistigkeit. Die beiden Männer kamen am frühen Donnerstagnachmittag des 27. August 2026 ins MAK, kauften reguläre Eintrittskarten und besuchten die Ausstellungsräume. Wie sie ihre Tickets bezahlten, ist noch Gegenstand der Ermittlungen.
Nach der Tat flüchteten sie zu Fuß in Richtung Stadtpark, der sich unmittelbar neben dem Haus befindet. Dort verliert sich ihre Spur. Ob die Männer anschließend in ein Fahrzeug stiegen oder auf anderem Weg weiterkamen, ist bislang ungeklärt.
- Tatzeit: früher Donnerstagnachmittag, 27. August 2026
- Tatort: Museum für angewandte Kunst (MAK), Stubenring 5, Wien
- Beute: Van-Cleef-&-Arpels-Collier im Wert von mehreren Millionen Euro
- Fluchtweg: zu Fuß Richtung Stadtpark; weitere Route ungeklärt
- Ermittlungsstand: Fahndung national und international, Auswertung von Überwachungskameras und Zeugenaussagen
Ermittlungen: Kameras, Zeugen und die Frage nach dem Auftraggeber
Am Freitag, dem 28. August 2026, sicherten Ermittler im Museum Spuren und werteten Bilder der hauseigenen Überwachungskameras aus. Zusätzlich werden Aufnahmen aus dem Umfeld des MAK analysiert – darunter Kameras an Straßenzügen und in Wiener U-Bahn-Stationen. Zeugen werden befragt.
Die Polizei ermittelt wegen räuberischen Diebstahls. Ob hinter der Tat ein Auftragsdiebstahl stecken könnte, wollte Polizeisprecherin Anna Gutt angesichts der laufenden Ermittlungen nicht bestätigen.
Kunstexperte Otto Hans Ressler äußerte sich gegenüber dem ORF skeptisch zu dieser Theorie. Er befürchtet vielmehr, dass die Täter die Steine aus dem Collier entfernen und das restliche Material einschmelzen könnten, um es unauffällig zu verkaufen. „Das ist wirklich bitter”, so Ressler.
MAK wieder geöffnet: „Sicherer Ausstellungsbetrieb ist gewährleistet”
Das MAK blieb trotz des Raubs nicht dauerhaft geschlossen. Bereits am Freitag, dem 28. August, sperrte auch die betroffene Ausstellung „Glanzstücke” wieder auf. „Die Bedingungen für die Wiedereröffnung wurden in enger Abstimmung mit der Polizei geprüft. Der sichere Ausstellungsbetrieb ist gewährleistet”, teilte das Museum mit.
Offen bleiben weiterhin mehrere zentrale Fragen: wie hoch das gestohlene Collier versichert war und welche konkreten Einzelmaßnahmen zum Schutz der übrigen Exponate ergriffen wurden. Weitere Auskünfte verweigerte das Museum ausdrücklich – aus ermittlungstechnischen Gründen, wie es hieß.
Internationale Fahndung läuft: Was jetzt noch aussteht
Nach den beiden unbekannten Männern wird sowohl national als auch international gefahndet. Die Wiener Polizei hat Fahndungsfotos aus den Überwachungskameras veröffentlicht und bittet die Bevölkerung um Hinweise. Wie hoch der genaue Wert des erbeuteten Colliers ist, blieb zunächst unklar – Berichte deuten darauf hin, dass die Beute noch wertvoller sein könnte als zunächst kommuniziert.
Ob die Ermittlungen zu einem raschen Fahndungserfolg führen, hängt nun wesentlich davon ab, ob die ausgewerteten Kameraaufnahmen aus dem Stadtpark und den angrenzenden U-Bahn-Stationen verwertbare Spuren liefern.



