Im Juni stand Frank Stronach zum ersten Mal in Toronto vor Gericht — und verließ den Saal mit zwei Schuldsprüchen. Das Urteil traf den 93-jährigen Magna-Gründer und gebürtigen Steirer hart: je einmal sexuelle Nötigung und sexuelle Belästigung im Zusammenhang mit zwei Frauen. In drei weiteren Punkten wurde er freigesprochen, fünf Anklagepunkte hatte die Staatsanwaltschaft bereits während des Verfahrens fallen gelassen.
Kaum ist dieser erste Prozess abgeschlossen, wartet auf Stronach das nächste Verfahren — angesetzt für Mai 2027, geplant für rund vier Wochen, diesmal vor einer Jury. Nun hat der Austro-Kanadier in einem Interview mit “KroneTV” das Wort ergriffen. Was er sagt, wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet.
13 Frauen, 12 Anklagepunkte: Wie das Verfahren in Toronto verlief
Laut kanadischen Medienberichten haben insgesamt 13 Frauen Vorwürfe gegen Frank Stronach erhoben. Der erste Prozess in Toronto konzentrierte sich auf zwei davon. Ursprünglich umfasste die Anklage zwölf Punkte; die Staatsanwaltschaft zog fünf davon noch während des laufenden Verfahrens zurück.
Am Ende stand ein gemischtes Ergebnis: Schuldig in zwei Punkten, freigesprochen in drei. Ein eindeutiger Sieg war das für keine Seite. Der Schuldspruch hat aber unmittelbare Folgen — er bildet den Ausgangspunkt für das nächste Verfahren, das im Mai 2027 vor einer Jury beginnen soll.
Was Stronach bei “KroneTV” sagte — und was er damit meinte
Der 93-Jährige wählte im Interview ruhige, fast distanzierte Worte. “Natürlich ist es schwierig zu verstehen, woher die Vorwürfe kommen”, sagte Stronach gegenüber “KroneTV”. “In meinen Firmen haben Frauen immer ganz besondere Rechte gehabt.” Er bezeichnete die Verfahren als belastende Situation — ohne jedoch die Schuldfrage direkt zu kommentieren.
Zusätzlich erklärte er, die betreffenden Frauen gar nicht gekannt zu haben. Ein Teil der Vorwürfe liege teilweise 50 Jahre zurück. Den Schuldspruch des Richters ließ Stronach nicht unkommentiert: Der Richter habe seiner Ansicht nach “absolute Fehler” gemacht. Dem kommenden Jury-Verfahren blicke er dennoch gelassen entgegen.
“Schwierig zu verstehen”: Was hinter dieser Aussage steckt
Der Satz klingt nach Unverständnis — ist aber juristisch betrachtet eine klare Strategie. Stronach bestreitet die Vorwürfe seit Beginn der Ermittlungen. Seine Verteidigung hat den Richterspruch bereits kritisiert, und das Zitat vom “schwierig zu verstehen” setzt diese Linie fort: Der Magna-Gründer stellt nicht nur den Inhalt der Anschuldigungen in Frage, sondern auch die Glaubwürdigkeit des gesamten Verfahrens.
Österreichische Rechtsexperten beobachten den Fall seit Monaten mit Interesse. Das Verfahren findet auf kanadischem Boden statt, doch Stronach ist in Österreich geboren, aufgewachsen und politisch aktiv gewesen — als Gründer des Team Stronach, das bei der Nationalratswahl 2013 knapp 6 Prozent der Stimmen holte. Die Aufmerksamkeit diesseits des Atlantiks ist entsprechend groß.
Mai 2027: Was beim nächsten Verfahren auf dem Spiel steht
Das zweite Verfahren unterscheidet sich strukturell vom ersten. Es wird vor einer Jury verhandelt — nicht allein vor einem Berufsrichter. Das bedeutet: zwölf Laienrichterinnen und Laienrichter entscheiden über Schuld oder Freispruch. Erfahrungsgemäß verlaufen Jury-Prozesse in Kanada anders als reine Richterverfahren; Emotionen, Glaubwürdigkeit und Auftreten spielen eine stärkere Rolle.
Die Verhandlung ist für rund vier Wochen anberaumt. Welche Anklagepunkte konkret Gegenstand des zweiten Verfahrens sein werden, hat die Staatsanwaltschaft noch nicht vollständig offengelegt. Stronach, der zuletzt in Florida lebte, bestreitet weiterhin alle Vorwürfe.
Chronologie des Falls: Die wichtigsten Daten im Überblick
- Mehrere kanadische Medien berichten über Vorwürfe von insgesamt 13 Frauen gegen Frank Stronach.
- Erster Prozess in Toronto: 12 ursprüngliche Anklagepunkte, 5 während des Verfahrens zurückgezogen.
- Juni 2026: Richter spricht Stronach in 2 Punkten schuldig, in 3 weiteren Punkten freigesprochen.
- 29. August 2026: Stronach äußert sich erstmals öffentlich im Interview mit “KroneTV”.
- Mai 2027: Zweites Verfahren vor einer Jury in Toronto geplant, Dauer rund 4 Wochen.
Was nach dem Interview offenbleibt
Stronachs Aussagen bei “KroneTV” waren sein bisher ausführlichster öffentlicher Kommentar zu den Vorwürfen. Sie dürften kaum das letzte Wort gewesen sein — weder rechtlich noch öffentlich. Sein Anwaltsteam hat sich zu möglichen Berufungsschritten gegen den ersten Schuldspruch noch nicht abschließend geäußert.
Ob der 93-Jährige persönlich beim Jury-Verfahren im Mai 2027 in Toronto erscheinen wird, ist derzeit offen.



