Klopp als Bundestrainer: Warum Zwanziger die Red-Bull-Bindung ein “völliges No-Go” nennt

New York, 10. Juli 2026. DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Vize Hans-Joachim Watzke sitzen im Flieger Richtung USA, im Gepäck ein Vertragsangebot, das den deutschen Fußball bis mindestens 2030 prägen soll. Jürgen Klopp, derzeit noch als Head of Global Soccer an den Red-Bull-Konzern gebunden, gilt als gesetzt — der Wunschkandidat, an dem kaum jemand ernsthaft zweifelt.

Doch genau diese Bindung an das Dosen-Imperium aus Fuschl am See sorgt für heftigen Gegenwind. Denn einem Bericht zufolge darf Klopp den Konzern ablösefrei verlassen — allerdings nur unter einer Bedingung, die jetzt für Zündstoff sorgt: Er soll auch als Bundestrainer Werbebotschafter von Red Bull bleiben.

Zwanzigers Klartext: “Ein völliges No-Go”

Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger, 81, findet deutliche Worte. Einen Bundestrainer mit Red-Bull-Kappe auf der Bank könne er sich “keinesfalls vorstellen”, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Sein Urteil fällt knapp aus: “Sollte sich dies bewahrheiten — ich kann das noch nicht glauben — wäre es ein völliges No-Go.”

Zwanziger ist kein Randakteur. Als DFB-Chef von 2004 bis 2012 hat er den Verband in einer prägenden Phase geführt, kennt die institutionellen Gewichte. Sein Einwand ist deshalb mehr als persönliche Meinung — er formuliert ein strukturelles Problem.

Red Bulls Machtkalkül: Warum der Konzern im Fußball so viel Einfluss hat

Zwanziger warnte den DFB ausdrücklich davor, zu viel Einfluss des Unternehmens zuzulassen. “Red Bull will Macht gewinnen in den Sport hinein”, sagte er. Mit Clubs wie RB Leipzig, Red Bull Salzburg und Red Bull Bragantino kontrolliert der Konzern bereits Teile mehrerer nationaler Ligen und des europäischen Fußballs. Ein Bundestrainer, der gleichzeitig Markenbotschafter ist, würde dieses Netz auf eine neue Ebene heben.

Sein Gedankenspiel klingt provokant, ist aber logisch: “Stellen Sie sich das doch mal eine Minute vor — dann stellt Red Bull demnächst die deutsche Nationalmannschaft auf.” Ob diese Sorge übertrieben ist oder nicht: Die Frage nach dem Interessenkonflikt bleibt sachlich berechtigt.

Zwei Loyalitäten, ein Amt: Der eigentliche Konflikt für Klopp

Klopp stünde laut Zwanziger vor einem unlösbaren Dilemma. “Einerseits will Red Bull mit ihm Geld verdienen, andererseits soll er als Bundestrainer die möglichst optimale Leistung für den deutschen Fußball erbringen” — zwei Ziele, die sich im Ernstfall widersprechen können. Ein Nationaltrainer, dessen wichtigster Arbeitgeber im Hintergrund kommerzielle Interessen verfolgt, gerät unweigerlich in Erklärungsnot.

Das Amt selbst sei schlicht zu groß für solche Konstruktionen. “Deutscher Nationaltrainer ist ein Riesenamt in dieser Gesellschaft, immer noch und trotz der Dinge, die in den letzten Jahren nicht so gut gelaufen sind”, betonte Zwanziger. “Der Bundestrainer kann nicht zwei Hüte tragen.”

Zwanzigers Lösung: Klopp muss sich entscheiden

Der Ex-Präsident lässt keine Grauzone zu. Wenn Klopp den Job wirklich wolle, gebe es nur einen Weg: “Dann muss er alles andere sein lassen.” Eine Teilbindung an Red Bull — sei es als Botschafter, sei es in beratender Funktion — sei mit der Würde und Unabhängigkeit des Amtes unvereinbar.

Ob der DFB dieser Forderung folgen wird, ist offen. Die Verhandlungen in New York laufen, ein Vertrag bis 2030 steht im Raum. Bislang hat weder Neuendorf noch Watzke öffentlich zur Werbebotschafter-Klausel Stellung genommen.

Was jetzt in New York entschieden wird — und was noch aussteht

Die DFB-Spitze trifft Klopp in diesen Tagen persönlich. Der 10. Juli 2026 markiert den Beginn konkreter Gespräche, deren Ergebnis die Zukunft der deutschen Nationalmannschaft für mindestens vier Jahre bestimmen dürfte. Im Raum steht nicht nur die Vertragslaufzeit, sondern die grundsätzliche Frage: Unter welchen Bedingungen übernimmt Klopp — und welche Bedingungen akzeptiert der DFB?

Solange die Red-Bull-Klausel nicht vom Tisch ist, bleibt Zwanzigers Einwand der unbeantwortete Kern dieser Personaldiskussion.

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