Am 26. Juni 2026 veröffentlichte der Buckingham Palace etwas, das es in der modernen britischen Geschichte noch nicht gegeben hatte: eine detaillierte Auflistung der Steuerzahlungen des amtierenden Monarchen. König Charles III. hat im Steuerjahr 2024–2025 insgesamt 12,9 Millionen Pfund an den britischen Fiskus abgeführt. Kein britischer König, keine britische Königin hatte diesen Schritt zuvor gewagt.
Gleichzeitig erklärte Prinz William, er habe im selben Zeitraum 7,76 Millionen Pfund an Steuern gezahlt. Seit der Thronbesteigung von Charles und der Ernennung Williams zum Prinzen von Wales summierten sich die gemeinsamen Steuerzahlungen von Vater und Sohn auf mehr als 50 Millionen Pfund. Die entscheidende Frage, die seitdem diskutiert wird: Ist diese Offenlegung ein echter Transparenzdurchbruch — oder nur ein geschickter PR-Schachzug?
12,9 Millionen Pfund: Was König Charles tatsächlich ans Finanzamt zahlt
Die Summe klingt gewaltig — und sie ist es auch. 12,9 Millionen Pfund entsprechen einem Betrag, den die überwiegende Mehrheit der britischen Bevölkerung in mehreren Leben nicht verdienen würde. Basis dieser Zahlung ist vor allem das Einkommen aus dem Herzogtum Lancaster, das im Wirtschaftsjahr 2025–2026 rund 25,2 Millionen Pfund erwirtschaftete. Hinzu kommen Erträge aus privaten Investitionen, Ersparnissen sowie die Einnahmen aus den königlichen Anwesen Balmoral und Sandringham — beides steuerpflichtige Quellen.
Die genaue Berechnungsmethode blieb im veröffentlichten Finanzbericht allerdings unerwähnt. Wie die Steuerlast im Einzelnen ermittelt wurde, welche Absetzposten geltend gemacht wurden und ob der Höchststeuersatz auf alle Einkommensbestandteile gleichmäßig angewandt wird — all das ist weiterhin offen.
Freiwillige Offenlegung: Was Charles und William damit bezwecken
Die Veröffentlichung erfolgte ausdrücklich auf eigenen Wunsch beider Royals und nicht auf gesetzliche Verpflichtung hin. Laut offiziellen Angaben des Königshauses soll damit das öffentliche Verständnis für die finanzielle Verantwortung der Krone gestärkt werden. Charles und William haben sich zudem dazu verpflichtet, diese Praxis der Offenlegung in den kommenden Jahren beizubehalten.
Es ist ein Schritt, den Historiker bereits als bemerkenswert eingestuft haben. Vergleichbare Daten hatten Buckingham Palace und Clarence House bislang strikt unter Verschluss gehalten. Dass nun konkrete Zahlen veröffentlicht wurden, markiert einen Bruch mit jahrzehntelanger Praxis.
Einkommen der Royals: Herzogtum Lancaster und Herzogtum Cornwall im Vergleich
Die Einkommensquellen der beiden Royals unterscheiden sich strukturell erheblich:
- König Charles III. bezieht sein Haupteinkommen aus dem Herzogtum Lancaster — rund 25,2 Millionen Pfund im Jahr 2025–2026. Dazu kommen Erträge aus privaten Anlagen sowie den Anwesen Balmoral und Sandringham.
- Prinz William erhält Einkünfte aus dem Herzogtum Cornwall, einem Erbgut mit einem Gesamtwert von über einer Milliarde Pfund. Laut offiziellen Angaben zahlt er auf sämtliche Überschüsse Einkommensteuer zum britischen Höchststeuersatz.
- Sovereign Grant: Die staatliche Zuwendung an das Königshaus richtet sich nach den Gewinnen der Crown Estate. Diese Gewinne sind im vergangenen Jahr gesunken — hauptsächlich wegen rückläufiger Einnahmen aus Windkraftprojekten.
Kritik bleibt: Warum Transparenz allein nicht reicht
Die Reaktionen auf die Offenlegung fallen nicht einheitlich positiv aus. Kritische Stimmen — darunter Verfassungsrechtler und republikanisch gesinnte Gruppen in Großbritannien — fordern weitergehende Schritte. Ihr zentrales Argument: Solange König Charles nicht selbst im Buckingham Palace wohnt, sollten die Einnahmen aus den Besuchertickets des Palastes vollständig dem Staat zufließen statt dem Königshaus zugutezukommen.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die fehlende Detailtiefe der Veröffentlichung. Ohne genaue Angaben zu Absetzbeträgen, Sonderregelungen und der Behandlung von Erbschaftsposten lässt sich die effektive Steuerquote nicht unabhängig berechnen. Die bloße Nennung einer Endsumme, so Beobachter, ersetzt keine vollständige Steuertransparenz.
Was diese Steuerzahlung für die Zukunft der britischen Monarchie bedeutet
Die Entscheidung von Charles und William, ihre Steuerdaten öffentlich zu machen, fällt in eine Zeit wachsender Skepsis gegenüber der Finanzierung des Königshauses. Umfragen in Großbritannien zeigen seit Jahren, dass ein wachsender Anteil der Bevölkerung mehr Transparenz über die Verwendung öffentlicher Mittel für die Krone verlangt. Die Offenlegung der Steuerzahlungen ist ein Entgegenkommen — aber kein vollständiges.
Ob die Veröffentlichung der Steuerzahlen tatsächlich ausreicht, um den öffentlichen Druck dauerhaft zu mindern, werden die nächsten Jahresberichte zeigen — zumal sich beide Royals ausdrücklich zur Wiederholung dieser Praxis verpflichtet haben.



