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Wiener Wohnbonus: Wie eine vierköpfige Familie mit 6,5 Mio. Euro Stadtbudget 10.000 Euro spart

Wiener Wohnbonus: Wie eine vierköpfige Familie mit 6,5 Mio. Euro Stadtbudget 10.000 Euro spart

Ein Paar mit zwei Kindern, Jahresnettoeinkommen knapp unter 72.000 Euro, eine 93 Quadratmeter große Genossenschaftswohnung irgendwo in Wien — und plötzlich stehen rund 39.000 Euro als Eigenmittelanteil im Raum. So viel muss oft aufgebracht werden, bevor überhaupt der erste Umzugskarton ins neue Treppenhaus getragen wird. Für viele junge Familien ist genau dieser Betrag die entscheidende Hürde.

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Die Stadt Wien will diese Hürde jetzt spürbar senken. Mit dem sogenannten Eigenmittelersatzdarlehen — einem zinsgebundenen Kredit zu nur einem Prozent — sollen Familien den Finanzierungsbeitrag für geförderte Wohnungen stemmen können. Wie viel das konkret ausmacht und wer tatsächlich davon profitiert, hängt von wenigen, aber entscheidenden Zahlen ab.

6,5 Millionen Euro: Was die Stadt Wien heuer bereitstellt

Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) stellte das Förderpaket persönlich vor. „Keine Stadt steht weltweit so für leistbares Wohnen wie Wien. In unserer Stadt sorgen wir dafür, dass Wohnen für alle Wienerinnen und Wiener leistbar bleibt. Darum stellen wir heuer 6,5 Millionen Euro für einen leistbaren Start in ein neues Zuhause zur Verfügung“, erklärte Ludwig. Das Geld fließt in das Eigenmittelersatzdarlehen, das bei der zuständigen Magistratsabteilung MA 50 beantragt werden kann.

Das Darlehen richtet sich an Haushalte, die in eine geförderte Wohnung eines gemeinnützigen Bauträgers einziehen. Der dort übliche Finanzierungsbeitrag liegt laut Stadtangaben in der Regel zwischen 15.000 und 30.000 Euro — Geld, das vor dem Einzug aufgebracht werden muss und das viele Familien schlicht nicht flüssig haben.

Ein Prozent Zinsen: So funktioniert das Eigenmittelersatzdarlehen

Der Mechanismus ist einfach. Die Stadt Wien leiht den Betrag zu einem fixen Zinssatz von einem Prozent — deutlich unter dem, was Banken am freien Markt aktuell verlangen. Die Rückzahlung beginnt je nach Haushaltseinkommen erst nach fünf Jahren und kann sich über bis zu 25 Jahre erstrecken. Das entlastet die monatliche Liquidität gerade dann, wenn Umzugskosten, neue Möbel und eventuelle Sanierungsarbeiten ohnehin ins Budget schlagen.

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Wie hoch der Darlehensbetrag ausfällt, ist einkommensabhängig. Für eine vierköpfige Familie gelten folgende Obergrenzen:

  • Jahresnettoeinkommen bis 53.560 Euro: bis zu 12,5 Prozent der Baukosten (Förderstufe 1)
  • Bis 72.300 Euro: bis zu 7,5 Prozent der Baukosten (Förderstufe 2)
  • Bis 80.970 Euro: bis zu 5 Prozent der Baukosten
  • Bis 89.440 Euro: bis zu 2,5 Prozent der Baukosten

In den beiden untersten Einkommensstufen kommt zusätzlich eine Grundkostenförderung dazu: 200 Euro pro Quadratmeter in Förderstufe 1, beziehungsweise 100 Euro pro Quadratmeter in Förderstufe 2.

10.000 Euro Ersparnis: Das Rechenbeispiel der Stadt Wien

Das von der Stadt vorgerechnete Beispiel macht die Dimension greifbar. Eine vierköpfige Familie mit einem Jahresnettoeinkommen von 70.000 Euro zieht in eine geförderte Wohnung mit 93 Quadratmetern ein. Der fällige Eigenmittelanteil beträgt rund 39.000 Euro. Über das Eigenmittelersatzdarlehen lassen sich davon 23.400 Euro für die Baukosten und weitere 9.300 Euro für die Grundkosten finanzieren — zusammen also 32.700 Euro.

Hätte dieselbe Familie diesen Betrag stattdessen zu einem marktüblichen Zinssatz von vier Prozent aufgenommen, würden laut Stadtrechnung rund 46.000 Euro an Gesamtkosten entstehen. Mit dem Ein-Prozent-Darlehen sinken die Gesamtkosten so weit, dass sich eine Ersparnis von rund 10.000 Euro ergibt. Das ist kein Kleingeld — und für viele Familien der Unterschied zwischen einem realistischen und einem unerreichbaren Plan.

Jungfamilien-Bonus: Bis zu 115 Quadratmeter anrechenbare Fläche

Neben dem Zinsvorteil enthält das Modell eine weitere Begünstigung speziell für jüngere Haushalte. Alle mitziehenden Personen unter 40 Jahren erhalten einen Aufschlag bei der anrechenbaren Wohnfläche. Bei einer Familie mit zwei Kindern können dadurch bis zu 115 Quadratmeter berücksichtigt werden. Das wirkt sich direkt auf die Höhe des möglichen Darlehensbetrags aus und macht das Fördermodell für Familien mit Kindern besonders attraktiv.

Die Kombination aus Zinsvorteil, verlängerter Rückzahlungsdauer und erweiterter Flächenberechnung ist in dieser Form auf Familien in der ersten Wohnphase zugeschnitten — also genau auf jene, die Eigentum noch nicht aufgebaut haben und trotzdem langfristig in einer guten Wohnsituation ankommen wollen.

Antrag bei der MA 50: Drei Monate Frist nach Vertragsabschluss

Das Eigenmittelersatzdarlehen kann online oder persönlich bei der Magistratsabteilung MA 50 beantragt werden, die in Wien für Wohnbauförderung zuständig ist. Der Antrag selbst ist kostenlos. Entscheidend ist die Frist: Das Ansuchen muss innerhalb von drei Monaten nach Abschluss des Miet- oder Kaufvertrags eingebracht werden. Wer diese Frist verpasst, verliert den Anspruch.

Ob die Voraussetzungen erfüllt sind, lässt sich vorab mit einem Online-Rechner der Stadt Wien prüfen. Das spart den Gang zur Behörde für jene, die zunächst nur sondieren wollen, ob das Modell für ihre konkrete Situation überhaupt in Frage kommt.

Was offen bleibt: Reichweite des 6,5-Millionen-Topfes

Die Stadt Wien stellt heuer insgesamt 6,5 Millionen Euro für das Programm bereit. Wie viele Haushalte damit tatsächlich gefördert werden können, hängt von der Antragslage und der durchschnittlichen Förderhöhe ab — zu diesen Zahlen machte die Stadtpolitik bislang keine konkreten Angaben. Ob das Budget aufgestockt wird, sollte der Topf vorzeitig ausgeschöpft sein, ist ebenfalls offen.

Ob und wie das Modell über 2026 hinaus weitergeführt oder ausgeweitet wird, bleibt eine politische Frage, die Wiens Wohnbaupolitik in den kommenden Budgetverhandlungen beantworten muss.

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