Politik

Linzer Flughafen Rindertransport: Wie 800 Tiere nach Turkmenistan Grüne OÖ in Aufruhr versetzt

Linzer Flughafen Rindertransport: Wie 800 Tiere nach Turkmenistan Grüne OÖ in Aufruhr versetzt

Rinder aus Ungarn, verladen in Linz, geflogen von einer mexikanischen Airline nach Turkmenistan — diese Transportkette klingt nach einer obskuren Logistikübung, ist aber Realität. Rund 800 lebende Tiere sollen nach Angaben der Grünen Oberösterreich über den Linzer Airport Blue Danube verfrachtet worden sein, eingepfercht in Frachträume und tausende Kilometer von ihrer Herkunft entfernt.

Artikel teilen

XRedditLinkedIn

Was zunächst wie ein Einzelfall anmutete, wirft nun Fragen auf, die bis in die Landespolitik reichen: Steckt hinter diesen Transporten ein dauerhaftes Geschäftsmodell — und trägt das Land Oberösterreich als künftiger Alleineigentümer des Airports dafür die Verantwortung?

800 Rinder, vier Länder, eine Drehscheibe in Linz

Die Transportkette ist komplex. Ungarische Rinder werden auf dem Landweg nach Linz gebracht, dort in Frachtflugzeuge einer mexikanischen Airline verladen und anschließend nach Turkmenistan geflogen. Allein die Luftstrecke beträgt mehrere tausend Kilometer. Tierschutzsprecher Rudi Hemetsberger von den Grünen OÖ fasst die Dimension knapp zusammen: „Vier Länder, tausende Straßen- und Flugkilometer, Drehscheibe Linz und vor allem hunderte eingepferchte Rinder.“

Der Flughafen Linz hat auf die öffentliche Aufregung bereits reagiert, konkrete Angaben zu Umfang und Häufigkeit der Transporte blieben jedoch aus. Genau das ist der Punkt, der die Grünen nicht loslässt.

Neueste Beiträge

Mehr zum Lesen

Neues aus der Redaktion
01Wiener Sozialbudget-Streit: Vasold weist Grünen-Kahlschlag-Warnung zurück02Sozialhilfe-Reform Schumann: Warum Arbeit sich wieder mehr lohnen soll als Sozialhilfe03Wiener Mindestsicherung: Wie 90.000 Menschen bis zu 3.300 Euro im Jahr verlieren

Grüne fordern Antworten: Parlamentarische Anfrage an Steinkellner

Am 8. Oktober 2026 brachte Hemetsberger eine schriftliche parlamentarische Anfrage an FP-Landesrat Günther Steinkellner ein. Die Stoßrichtung ist klar: Der Abgeordnete will wissen, ob hinter dem aktuell bekannten Transport ein systematisches Geschäftsfeld steht. „Wir wollen hinter diesen Fall blicken und herausfinden, ob diese Flüge gar ein konstantes Geschäftsmodell am Airport sind“, so Hemetsberger.

Die Grünen verlangen konkrete Daten für den Zeitraum 2021 bis 2026. Gefragt wird nach folgenden Punkten:

  • Wie viele lebende Tiere wurden in diesem Zeitraum über den Linzer Flughafen transportiert?
  • Aus welchen Herkunftsländern stammten die Tiere, und in welche Zielländer wurden sie gebracht?
  • Welchem Zweck dienten die Transporte — Zucht, Schlachtung, sonstiges?
  • Welche Behörden haben die Kontrollen durchgeführt, und wie viele Beanstandungen gab es?
  • Welche Erkenntnisse liegen speziell zum aktuellen Transport nach Turkmenistan vor?

„Kein Tierleid, auch nicht über den Wolken“

Hemetsberger kritisiert nicht nur die Praxis selbst, sondern auch das Kontrollsystem. Er will wissen, welche Behörden in die Überprüfungen eingebunden waren und wie die Abläufe konkret aussahen. Sein Grundsatz ist eindeutig: „Es darf kein Tierleid geben, auch nicht über den Wolken.“

Dass Langstreckenflüge für Nutztiere tierschutzrechtlich heikel sind, ist in der Fachwelt unbestritten. Enge Verhältnisse, Stress, eingeschränkte Versorgung mit Wasser und Futter über viele Stunden — die Bedingungen an Bord von Frachtmaschinen entsprechen in keiner Weise dem, was bei Bodentransporten zumindest regulatorisch vorgeschrieben ist.

Land OÖ als Alleineigentümer: Die politische Verantwortungsfrage

Der politische Hebel, den Hemetsberger ansetzt, ist die Eigentümerfrage. Das Land Oberösterreich übernimmt künftig 100 Prozent der Anteile am Flughafen Linz und wird damit zum Alleineigentümer. „Das Land OÖ ist damit verantwortlich, welche Geschäfte der Flughafen macht“, betont der Abgeordnete. „Ein landeseigener Flughafen darf keine Drehscheibe für sinnlose und grausame Tiertransporte sein.“

Diese Formulierung zielt direkt auf Landesrat Steinkellner, der die Anfrage nun innerhalb der gesetzlichen Frist beantworten muss. Die politische Brisanz liegt darin, dass eine öffentliche Körperschaft künftig unmittelbar für Einnahmen aus einem umstrittenen Geschäftsfeld mitverantwortlich wäre — falls sich der Verdacht eines wiederkehrenden Musters bestätigt.

Was jetzt offen bleibt

Steinkellner hat sich bislang nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert. Die Frist zur Beantwortung parlamentarischer Anfragen im oberösterreichischen Landtag beträgt in der Regel zwei Monate. Unklar ist zudem, ob österreichische oder europäische Tierschutzbehörden bereits von sich aus Ermittlungen eingeleitet haben — die zuständige Veterinärbehörde des Landes Oberösterreich hat sich zu dem Vorgang bisher nicht geäußert.

Ob der Transport nach Turkmenistan der einzige seiner Art war oder ob der Linzer Airport tatsächlich zur regelmäßigen Zwischenstation für Lebendtierfracht geworden ist, wird die Antwort auf Hemetsbergers Anfrage zeigen müssen.

Artikel teilen

3 Min. Lesezeit

XRedditLinkedIn

Ihre Meinung hilft uns

War dieser Artikel lesenswert?

Das Gespräch geht weiter

Kommentare

Mitdiskutieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Mitdiskutieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Scroll to Top