Am Abend des 8. Oktober 2026 tagt die SPÖ-Spitze im Parlament — Präsidium, Vorstand, die ganze Maschinerie der Sozialdemokratie in Krisenformation. Während die Partei über Führungsfragen und Parteitage debattiert, läuft im Hintergrund eine Umfrage aus, die das politische Wien aufhorchen lässt.
Die aktuellen OGM-Zahlen für ServusTV zeigen ein Bild, das vor wenigen Monaten kaum jemand für möglich gehalten hätte: Die SPÖ ist auf 12 Prozent abgestürzt — und liegt damit erstmals hinter den Grünen. Wie konnte es so weit kommen, und was bedeutet das für die politische Kräfteverteilung in Österreich?
SPÖ bei 12 Prozent: Ein historischer Tiefstand
Bei der Nationalratswahl 2024 hatte die SPÖ noch 21 Prozent erreicht. Der aktuelle Wert von 12 Prozent liegt damit 9 Prozentpunkte darunter — ein Einbruch, der in der jüngeren Geschichte der österreichischen Sozialdemokratie seinesgleichen sucht. In der OGM-Erhebung für ServusTV ist die SPÖ nur noch viertstärkste Kraft im Land.
Die Partei befindet sich in einer offenen Führungskrise. Nach einer Krisensitzung am Sonntag beschlossen die Parteigremien, dass Klubobmann Philip Kucher und Frauen-Vorsitzende Eva-Maria Holzleitner vorübergehend die Führungsaufgaben übernehmen sollen. Gemäß Parteistatut muss nach der Bestellung geschäftsführender Parteichefs innerhalb von vier Monaten ein Parteitag abgehalten werden — dieser müsste damit spätestens Anfang Februar 2027 stattfinden.
Offen bleibt die entscheidende Frage: Wer kandidiert beim Parteitag für den Vorsitz? Finanzminister Markus Marterbauer hat sich bisher nicht erklärt, ob er zur Verfügung steht. Anfang 2027 soll er laut aktuellem Plan das Vizekanzleramt von Andreas Babler übernehmen.
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Grüne auf 15 Prozent: Fast eine Verdoppelung gegenüber der Nationalratswahl 2024
Während die SPÖ taumelt, verzeichnen die Grünen den stärksten kurzfristigen Zuwachs aller Parteien. Mit 15 Prozent haben sie sich gegenüber der Nationalratswahl 2024 nahezu verdoppelt. Sie liegen damit drei Prozentpunkte vor der SPÖ und mehr als doppelt so stark wie die NEOS.
Grünen-Chefin Leonore Gewessler befindet sich nach Angaben der OGM-Erhebung vom 8. Oktober 2026 sichtbar im Aufwind. Der Zusammenhang liegt für Beobachter auf der Hand: Ein Teil der enttäuschten SPÖ-Wählerschaft dürfte derzeit zu den Grünen abwandern — die Causa SPÖ wirkt wie ein Katalysator für die Ökopartei.
FPÖ kratzt an der 40-Prozent-Marke
Unangefochten an der Spitze stehen die Freiheitlichen. Die FPÖ erreicht laut OGM 39 Prozent — ihren bisher höchsten Wert in dieser Erhebungsreihe — und liegt damit nur einen Prozentpunkt unter der psychologisch bedeutsamen 40-Prozent-Marke. Die ÖVP verbessert sich um einen Prozentpunkt auf 21 Prozent. Die KPÖ kommt erneut auf 4 Prozent, genau jenen Wert, der für den Einzug in den Nationalrat erforderlich wäre.
Das vollständige Bild der OGM-Sonntagsfrage für ServusTV vom 8. Oktober 2026 sieht demnach so aus:
- FPÖ: 39 Prozent
- ÖVP: 21 Prozent
- Grüne: 15 Prozent
- SPÖ: 12 Prozent
- NEOS: 7 Prozent
- KPÖ: 4 Prozent
Regierungskoalition weit unter rechnerischer Mehrheit
Für die Bundesregierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS sind die Zahlen mehr als unangenehm. Die drei Koalitionsparteien kommen in dieser Umfrage zusammen auf gerade einmal 40 Prozent — und liegen damit deutlich unter einer rechnerischen Mehrheit. Die Opposition, angeführt von der FPÖ, dominiert das Meinungsklima mit klarer Mehrheit.
Der Abstand innerhalb der Regierungsparteien ist dabei fast so bemerkenswert wie das Gesamtergebnis: Die ÖVP mit 21 Prozent ist fast doppelt so stark wie die SPÖ, ihr eigener Koalitionspartner.
Was die Zahlen für den SPÖ-Parteitag bedeuten
Der politische Druck auf die Sozialdemokratie steigt mit jeder neuen Umfrage. Je länger die Führungsfrage offen bleibt, desto schwieriger wird eine Trendwende — das zeigen vergleichbare historische Situationen in der österreichischen Parteiengeschichte. Die Frist bis spätestens Anfang Februar 2027 ist zwar formal noch komfortabel, inhaltlich aber drängt die Zeit.
Ob Finanzminister Marterbauer tatsächlich kandidiert und ob ein Parteitag die Partei wieder einigen kann, bleibt die ungeklärte Kernfrage der kommenden Wochen — während die Grünen und die FPÖ die anhaltende Unruhe in der SPÖ weiter für sich zu nutzen scheinen.
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