Wer im Spirituosenregal eines Wiener Feinkostladens vor hundert Flaschen steht und nicht weiß, wohin zuerst schauen soll, kennt das Gefühl: Single Malt, Blended, Bourbon, Rye — dazu Preisschilder, die von zwölf Euro bis in astronomische Höhen reichen, und kein offensichtlicher Anhaltspunkt dafür, was davon wirklich taugt.
Seit über zwanzig Jahren liefern die World Whiskies Awards genau diese Orientierung. Die Fachjury verkostet jährlich Hunderte Abfüllungen aus aller Welt, vergleicht sie blind und vergibt am Ende Titel, die in der Branche als verlässlichste Qualitätsmarke gelten. Der Gewinner 2026 steht fest — und er kommt von einer Insel, die unter Whisky-Liebhabern einen fast mystischen Ruf genießt.
World Whiskies Awards 2026: Was hinter dem wichtigsten Whisky-Preis steckt
Die World Whiskies Awards existieren seit mehr als zwei Jahrzehnten und werden von einer internationalen Expertenjury vergeben. Bewertet werden Aussehen, Nase, Gaumen und Abgang — jede Kategorie mit eigenem Gewicht. Das Besondere: Die Verkostung erfolgt blind, Markenbekanntheit schützt nicht vor einem schlechten Urteil.
Vergeben werden Preise in zahlreichen Kategorien, darunter Single Malt, Blended Scotch, Bourbon, Rye und Pot Still. Der begehrte Gesamtsieg als weltbester Whisky des Jahres geht an jene Abfüllung, die die Jury in ihrer Gesamtwertung am stärksten überzeugt.
Bowmore 21 Year Old: Der Sieger stammt von der Insel Islay
Den Titel des besten Whiskys der Welt 2026 trägt der Bowmore 21 Year Old. Der Single Malt kommt von der schottischen Insel Islay, einer Handvoll Fels und Moor im Atlantik, die für ihre rauchigen, jodhaltigen Destillate weltberühmt ist. Bowmore gehört zu den ältesten Destillerien der Insel und gilt seit Generationen als gesetzt in der ersten Reihe schottischer Brennereien.
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Was diesen Jahrgang auszeichnet, ist laut Berichterstattung des Magazins Esquire vor allem seine Ausgewogenheit — eine Eigenschaft, die Islay-Whiskys nicht immer zugesprochen wird. Torf ist da, aber er dominiert nicht. Süße trägt, ohne zu kleben. Und 21 Jahre Fasslagerung hinterlassen eine Tiefe, die jüngere Abfüllungen schlicht nicht erreichen können.
Fassreifung und Aromen: Was den Bowmore 21 so komplex macht
Der Bowmore 21 Year Old reifte zunächst in einer Kombination aus Bourbon- und Oloroso-Sherryfässern, bevor er ein abschließendes Finish in einem First-Fill-Pedro-Ximenez-Fass erhielt. Diese Fassfolge erklärt die außergewöhnliche Aromentiefe, die die Jury überzeugte.
In der Nase zeigt der Whisky Tabak, Heidekraut, einen Hauch Jod und warmen Ingwer — dazu Leder und Bienenwachs. Am Gaumen treten Karamell, Vanille, Orange, Zimt und Muskat in den Vordergrund, begleitet von Raucharomen und roten Beeren. Der Abgang ist lang, würzig und endet in sanftem, salzigem Rauch — typisch für Islay, aber deutlich zurückhaltender als bei manch anderem Malt der Insel.
Die weiteren Gewinner 2026: Bourbon, Blended und Rye im Überblick
Neben dem Hauptpreis wurden zahlreiche Kategoriesieger ausgezeichnet. Die wichtigsten Gewinner des Jahrgangs 2026 auf einen Blick:
- Bester Bourbon: New Riff Straight Bourbon
- Bester Small Batch Bourbon: Colonel EH Taylor Small Batch
- Bester Blended Scotch: Ballantine’s 23 Years Old
- Bester Pot Still: Red Spot
- Bester Rye: Siderit PX Cask Rye
- Bestes Design: Lark Range
Die Bandbreite der Gewinner zeigt, dass die World Whiskies Awards keine schottische Nabelschau betreiben: Amerikanische Bourbons, irische Pot Stills und internationale Rye-Abfüllungen stehen gleichberechtigt neben den klassischen Scotch-Kategorien.
Was der Titel für Whisky-Käufer in Österreich bedeutet
Ein Preis dieser Kategorie wirkt sich rasch auf die Verfügbarkeit aus. Preisgekrönte Abfüllungen verschwinden aus den Regalen österreichischer Spirituosenhändler oft binnen weniger Wochen — und tauchen dann, wenn überhaupt, zu deutlich höheren Preisen im Sekundärmarkt wieder auf.
Der Bowmore 21 Year Old ist keine Massenware. Als gereifter Single Malt mit aufwendiger Fassreifung bewegt sich der Preis üblicherweise im dreistelligen Euro-Bereich. Wer ihn zu einem fairen Preis erwerben möchte, handelt besser früh als spät — denn der Trubel um Whisky-Awards-Gewinner hält erfahrungsgemäß mehrere Monate an.
Ob Bowmore mit einer weiteren Sonderabfüllung auf den Preis reagiert, ist bislang nicht bekannt — die Destillerie auf Islay hat solche Ehrungen in der Vergangenheit jedoch regelmäßig zum Anlass für limitierte Editionen genommen.
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