Es war 2017, als FM4-Moderatorin Elisabeth Scharang die damals 90-jährige Erni Mangold in ihrem Haus im Waldviertel besuchte. Das Gespräch, das dabei entstand, trug einen Titel, der erst Jahre später seine volle Wucht entfalten sollte: „Ich habe keine Angst. Auch nicht vor dem Tod.“ Mangold saß damals in jenem ländlichen Rückzugsort, den sie sich bewusst gewählt hatte, und sprach so, wie sie immer gesprochen hatte — direkt, ohne Koketterie, ohne Aufführung.
Am 5. September 2026 ist Erni Mangold im Alter von 99 Jahren im Kreis ihrer Familie gestorben. Mit ihr geht eine Schauspielerin, die mehr als sieben Jahrzehnte auf österreichischen Bühnen und vor Kameras stand — und die über den Tod stets so redete, als wäre er ein bekannter, nicht sonderlich bedrohlicher Nachbar.
„Keine Angst“ — Was Mangold über ihren eigenen Tod sagte
Die Furchtlosigkeit war kein später Entschluss, keine philosophische Pose des Alters. Sie zog sich durch Mangolds ganzes Leben. Als junges Mädchen hatte sie während der NS-Zeit freiwillig einen Judenstern getragen — obwohl sie selbst keine Jüdin war. Sie wollte weiterhin neben ihrer jüdischen Freundin gehen können. Wer als Teenager solche Entscheidungen trifft, für den hat der Tod einen anderen Stellenwert.
Auch neun Jahrzehnte später ließ Mangold sich von Angst nicht leiten. In der FM4-Begegnung mit Elisabeth Scharang formulierte sie ihre Haltung auf jene trockene Art, die ihr Markenzeichen war: Angst habe sie nicht — auch nicht vor dem, was am Ende steht.
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„Nachher ist nichts mehr“ — Mangolds klare Weltsicht ohne Jenseits
Was nach dem Tod kommt, war für Mangold keine offene Frage. Bereits 2014 befragte sie das Magazin profil nach einem möglichen Leben nach dem Tod. Ihre Antwort fiel kurz aus: Sie glaube nicht daran. Irgendwann sei Schluss, danach sei sie schlicht nicht mehr da.
Und damit, so versicherte sie damals, könne sie gut leben. Den Gedanken an eine Wiedergeburt nahm sie mit dem ihr eigenen Galgenhumor auf: Vielleicht werde sie eine Fliege — wobei ihr ein Schmetterling oder eine Libelle lieber wäre. Es war kein bitterer Witz, sondern ein heiterer. Der Unterschied sagt viel über die Frau.
„Schneller im Sarg, als du glaubst“ — Mangolds Humor mit 91
Ende 2017 verabschiedete sich Mangold nach mehr als 70 Jahren von der Theaterbühne. Wehmut? Fehlanzeige. „Wenn im Leben etwas vorbei ist, darf man sich nicht festkrallen“, erklärte sie damals der Kronen Zeitung. Wer loslassen könne, bleibe lebendig.
Mit 91 Jahren scherzte sie dann in einem Interview offen darüber, dass man in diesem Alter „schneller im Sarg liegt, als du glaubst“ — und erläuterte im gleichen Atemzug, warum sie trotzdem täglich Krafttraining machte. Es ging ihr nicht ums Verdrängen. Solange sie da war, wollte sie leben. Vollständig, bewusst, ohne Selbstbetrug.
„Goar nix“ — Was Mangold von ihrem eigenen Vermächtnis hielt
Auf die Frage, was einmal von ihr bleiben werde, antwortete Mangold mit zwei Wörtern Wienerisch: „Goar nix.“ Sie sei schließlich weder Einstein noch Mozart. Vielleicht erinnerten sich nach ihrem Tod noch einige Menschen an sie, ein paar Jahre später möglicherweise nicht mehr.
Und das sei für sie, so sagte sie, „völlig okay“. Heute klingt diese Antwort beinahe zu bescheiden — denn als Mangold am 5. September 2026 starb, verlor Österreich eine Bühnenpersönlichkeit, deren Karriere sich über mehr als sieben Jahrzehnte erstreckte und die das österreichische Theater- und Filmschaffen wie kaum eine andere Frau ihrer Generation geprägt hatte.
Ein Leben, das Widerstand kannte — und den Tod nicht fürchtete
Was bleibt, ist das Bild einer Frau, die Widersprüche aushielt: Sie war glamourös und geerdet, in Wien gefeiert und im Waldviertel verwurzelt, eine Künstlerin von Weltformat und jemand, der das eigene Vermächtnis mit zwei Silben abtat. Der ORF und die österreichische Kulturszene reagierten auf die Todesnachricht am Abend des 5. September 2026 mit Betroffenheit.
Wie Österreich die Schauspielerin künftig in Erinnerung halten wird — durch Gedenkveranstaltungen, Retrospektiven oder Ehrungen — ist noch nicht bekannt; die Entscheidungen der zuständigen Institutionen stehen aus.
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