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Frugale WG auf TikTok: Wie drei Berlinerinnen mit nur einem Handtuch und Duschverbot alle drei Tage viral gehen

Frugale WG auf TikTok: Wie drei Berlinerinnen mit nur einem Handtuch und Duschverbot alle drei Tage viral gehen

Ein Dienstagabend in Berlin, irgendwo in einer gewöhnlichen Dreizimmer-Wohnung. Wer duschen will, schaut erst in den Kalender. Nicht wegen eines Termins — sondern weil die WG-Regel es so vorschreibt: Duschen ist nur alle drei Tage erlaubt, wer es noch länger aushält, bekommt eine kleine Belohnung. Was klingt wie ein schlechter Witz, haben drei Mitbewohnerinnen auf dem TikTok-Profil „frugal wg life“ in einer Serie von Videos dokumentiert — und das Netz reagiert seither gespalten.

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Innerhalb weniger Tage wurde der erste Clip millionenfach aufgerufen. Die Frage, die dabei kaum jemand loslässt: Ist das gelebter Frugalismus — oder doch bloß inszenierte Provokation für mehr Reichweite auf TikTok?

Nur alle drei Tage duschen — und wer länger durchhält, wird belohnt

Das seltene Duschen ist das Aushängeschild der Berliner WG, aber bei weitem nicht die einzige Maßnahme. Die drei Bewohnerinnen teilen sich nach eigenen Angaben ein einziges Handtuch — ihre Begründung klingt dabei fast logisch: Das Tuch komme ohnehin nur nach dem Duschen zum Einsatz, und da das ohnehin selten passiere, sei ein gemeinsames Handtuch vollkommen ausreichend.

Das aufgefangene Duschwasser landet anschließend nicht im Abfluss, sondern in einem Behälter, der später für die WC-Spülung verwendet wird. Laut eigener Berechnung der WG ließe sich damit in Berlin auf das Jahr gerechnet maximal 150 Euro einsparen. Kein riesiger Betrag — aber per se keine unsinnige Idee, sofern man den Aufwand nicht scheut.

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Wiederverwendbares Klopapier und Spülwasser, das tagelang steht

Deutlich schwerer zu schlucken sind zwei weitere Praktiken. Statt herkömmlichem Toilettenpapier kommen wiederverwendbare Stofflappen zum Einsatz, die gesammelt und anschließend gewaschen werden. Diese Methode existiert in bestimmten Nachhaltigkeitskreisen tatsächlich, stößt aber — auch in den eigenen Kommentarspalten der WG — selbst bei überzeugten Frugalisten auf breite Ablehnung.

Noch fragwürdiger: Jede Bewohnerin besitzt angeblich nur eine Gabel, ein Messer und einen Löffel. Abgespült wird in einer Schüssel, deren Wasser nach eigenen Angaben nur alle paar Tage gewechselt wird. Sollten Gäste zum Essen kommen — was angesichts der folgenden Regel eher selten sein dürfte — müssten sie sich das Besteck mit den Gastgeberinnen teilen.

Gäste zahlen für Wasser, Handys haben feste Ladeslots

Wer die Wohnung besucht, wird ebenfalls in die Sparlogik einbezogen. Beim Ausgang steht laut den Videos eine Schüssel bereit, in die Gäste freiwillig Geld werfen können — schließlich hätten sie während ihres Aufenthalts Wasser verbraucht. Ob jemand tatsächlich zahlt, bleibt offen.

Beim Strom geht die WG ähnlich vor. Jede Bewohnerin hat einen fixen Zeitslot, in dem sie ihr Smartphone laden darf — und alle teilen sich dabei ein einziges Ladekabel. Das vollständige Aufladen eines Smartphones kostet je nach Gerät zwischen 0,4 und 0,6 Cent. Da alle drei Bewohnerinnen angeblich ein iPhone besitzen, dürfte die tatsächliche Ersparnis pro Monat kaum messbar sein.

Satire oder Ernst? Eine Anfrage blieb unbeantwortet

Spätestens beim Ladekabel-Timeslot klingeln bei vielen Beobachterinnen und Beobachtern die Satire-Alarmglocken. Ein erheblicher Teil der Kommentare unter den Videos bezweifelt, dass die WG tatsächlich so lebt. Viele vermuten dahinter gezielte Übertreibung — Content, der bewusst auf Empörung und Diskussion ausgelegt ist.

Belegen lässt sich weder das eine noch das andere. Eine Anfrage der Schweizer Zeitung 20 Minuten an die WG blieb unbeantwortet. Auch in den Kommentaren, in denen sich einige Nutzerinnen und Nutzer selbst als Bewohner frugaler WGs zu erkennen gaben, überwog die Skepsis: Die gezeigten Maßnahmen gingen ihnen — besonders die hygienisch bedenklichen — deutlich zu weit.

Was Frugalismus wirklich bedeutet — und wo die FIRE-Bewegung ansetzt

Ganz aus der Luft gegriffen ist das Konzept trotzdem nicht. Das Wort „frugal“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie genügsam oder schlicht. Eine frugale WG ist eine Wohngemeinschaft, deren Mitglieder bewusst darauf verzichten, Geld für Dinge auszugeben, die sie nicht als notwendig erachten — mit dem Ziel, mehr zu sparen oder anzulegen.

Noch konsequenter geht die sogenannte FIRE-Bewegung vor. Ihre Anhänger — FIRE steht für Financial Independence, Retire Early — sparen einen möglichst großen Teil ihres Einkommens und legen ihn langfristig in Anlageprodukte an, um deutlich früher aus dem Erwerbsleben aussteigen zu können. Dazu gehören teils drastische Einschränkungen: nur eine halbe Scheibe Brot und ein Ei zum Frühstück, kein Ausgehen am Abend, kein unnötiger Konsum. Ob sich die Videos der Berliner WG in dieses Spektrum einordnen oder schlicht virales Entertainmentformat sind, dürfte die Diskussion im Netz noch eine Weile in Gang halten.

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