Am Donnerstag, dem 28. August 2026, klingeln kurz nach 13 Uhr in mehreren Haushalten in Königswiesen und Unterweißenbach die Festnetztelefone. Am Apparat: ein Mann mit ruhiger, behördlich klingender Stimme. Er stellt sich als Beamter vor, nennt einen Namen, schildert eine ernste Lage. Für die älteren Frauen, die abnehmen, beginnt damit ein zutiefst verunsicherndes Gespräch.
Der Anrufer behauptete, von der Polizeidirektion Freistadt zu sein – und dass die Gefahr noch nicht vorbei sei. Wie die Polizei mitteilte, handelte es sich um eine gezielte Betrugsmasche mit einem falschen Beamten, die mehrere Seniorinnen in der Region gleichzeitig traf. Was den Fall besonders macht: Alle Betroffenen reagierten richtig – und trotzdem reichte ein einziges Telefonat, um echte Angst auszulösen.
“Ralf Maier” von der Polizeidirektion Freistadt – ein erfundener Beamter
Der Unbekannte gab sich als „Ralf Maier” aus und behauptete, bei der Polizeidirektion Freistadt tätig zu sein. Seine Geschichte klang konstruiert gefährlich: In der Umgebung habe es mehrere Einbrüche gegeben, einige Täter seien bereits festgenommen und Waffen sichergestellt worden. Der entscheidende Satz aber war ein anderer – es würden sich noch weitere Kriminelle in der Gegend aufhalten.
Dieser Hinweis auf eine vermeintlich anhaltende Bedrohung ist ein klassisches Mittel dieser Betrugsform. Er soll Druck erzeugen und die Angerufenen dazu bringen, über Bargeld, Schmuck oder Konten zu sprechen – oder im schlimmsten Fall Wertgegenstände zu übergeben. Laut Angaben der Landespolizeidirektion Oberösterreich kam es in diesem Fall zu keiner einzigen solchen Übergabe.
Wie die Seniorinnen den Betrug durchschauten
Die Frauen aus Königswiesen und Unterweißenbach reagierten instinktiv richtig: Die Geschichte kam ihnen seltsam vor, sie beendeten die Gespräche. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Professionell vorbereitete Betrüger bauen ihre Szenarien so auf, dass sie kaum von echten Behördenanrufen zu unterscheiden sind – mit Details zur Region, glaubwürdigen Namen und einem Tonfall, der Autorität vermittelt.
Zwei der betroffenen Frauen waren nach dem Anruf dennoch so aufgewühlt, dass sie sich um sich selbst und ihre Angehörigen sorgten. Polizisten fuhren daraufhin persönlich zu ihnen, beruhigten sie und erklärten die genaue Vorgehensweise der Täter. Dieser direkte Einsatz vor Ort war laut Polizei Teil der Nachbetreuung.
Warnung der Polizei: Was echte Beamte niemals verlangen
Die Landespolizeidirektion Oberösterreich betont nach dem Vorfall vom 28. August 2026 unmissverständlich: Echte Polizisten, Staatsanwälte oder Ärzte fordern am Telefon niemals die Übergabe von Bargeld, Gold oder anderen Wertgegenständen. Wer diesen Satz kennt, hat das wichtigste Erkennungsmerkmal solcher Anrufe bereits im Kopf.
Die Behörde nennt konkrete Verhaltensregeln für den Ernstfall:
- Verdächtigen Anruf sofort beenden, ohne lange zu diskutieren
- Keine Angaben zu Bargeld, Schmuck, Konten oder sonstigen Vermögenswerten machen
- Angehörige oder Nachbarn umgehend informieren
- Über den Polizeinotruf 133 die echte Polizei verständigen
- Sich keinesfalls unter Zeitdruck setzen lassen
Warum Seniorinnen im Bezirk Freistadt besonders im Visier stehen
Betrügereien mit falschen Polizisten richten sich bevorzugt gegen ältere Menschen – und das aus kühlem Kalkül. Festnetzanschlüsse, die in jüngeren Haushalten kaum noch existieren, sind in der Generation 70 plus nach wie vor verbreitet. Die Täter nutzen öffentlich zugängliche Telefonbücher, in denen Vornamen oft auf das Alter hinweisen.
Der Bezirk Freistadt liegt im oberösterreichischen Mühlviertel, einer ländlich geprägten Region, in der Vertrauen gegenüber Behörden traditionell groß ist. Genau das machen sich die Betrüger zunutze. Ein angeblicher Beamter der lokalen Polizeiinspektion klingt dort nicht abstrakt, sondern vertraut – was die Hemmschwelle senkt, Auskunft zu geben.
Ermittlungen laufen: Täter noch nicht gefasst
Nach aktuellem Stand ermittelt die Polizei im Bezirk Freistadt zum Vorfall vom 28. August 2026. Der oder die Anrufer konnten bislang nicht identifiziert werden. Laut Landespolizeidirektion Oberösterreich ist davon auszugehen, dass solche Anrufserien nicht auf eine einzelne Gemeinde beschränkt bleiben – die Täter wechseln Regionen und Opfergruppen systematisch.
Wer in Oberösterreich einen ähnlichen Anruf erhält oder erhalten hat, wird gebeten, sich umgehend unter dem Notruf 133 oder bei der nächsten Polizeidienststelle zu melden. Jede Meldung hilft, das Muster der Täter zu rekonstruieren.



