Karner Asyl-Bilanz August 2026: 2.000 Syrer verlassen Österreich, 8.856 Abschiebungen

Am Dienstag, dem 18. August 2026, trat Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) vor die Kameras und zog eine breite Zwischenbilanz zur österreichischen Asylpolitik. Auf dem Tisch lagen Zahlen zu Abschiebungen, Grenzschutz, Schlepperkriminalität und dem laufenden Rückkehrprogramm für syrische Staatsbürger — ein Maßnahmenpaket, das seit dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 schrittweise verschärft wurde.

Die Kernbotschaft des Ministers: Erstmals seit mehr als 20 Jahren sei eine Minuszuwanderung erreicht worden. Was das konkret bedeutet, welche Zahlen dahinterstecken und was noch bis Ende September 2026 geplant ist, zeigt die folgende Aufstellung.

2.000 Syrer haben Österreich seit Dezember 2024 verlassen

Wenige Tage nach dem Machtwechsel in Damaskus startete Österreich ein geordnetes Abschiebe- und Rückkehrprogramm für syrische Staatsangehörige. In den eineinhalb Jahren seither haben rund 2.000 Syrerinnen und Syrer das Land verlassen. Das Programm läuft damit seit Dezember 2024 — und hat laut Innenministerium seitdem kontinuierlich Wirkung gezeigt.

Seit Anfang Juli 2026 ist eine zeitlich befristete Rückkehraktion in Kraft, die bestimmten Gruppen zusätzliche finanzielle Anreize bietet. Personen mit laufendem Asylverfahren sowie syrische Staatsangehörige mit subsidiärem Schutz, die Leistungen aus der Grundversorgung beziehen, erhalten bei freiwilliger Ausreise im Zeitraum Juli bis September 2026 eine Unterstützung von 3.000 Euro pro Person.

Die Rückkehrprämie im Detail: Wer bekommt wie viel?

Für andere syrische Staatsbürger, die freiwillig nach Syrien zurückkehren, wurde die finanzielle Starthilfe von bisher 1.000 auf nunmehr 1.500 Euro angehoben. Die abgestufte Förderstruktur soll gezielt jene erreichen, die ohnehin noch im Verfahren stecken oder staatliche Leistungen beziehen.

Seit Aktionsbeginn Anfang Juli bis Mitte August 2026 sind bereits 240 Personen freiwillig nach Syrien ausgereist. Die Aktion läuft bis Ende September 2026 und soll anschließend evaluiert werden, wie das Innenministerium mitteilte.

8.856 Abschiebungen in sieben Monaten — ein Plus von 8 Prozent

Auch bei den Abschiebungen verzeichnet das Bundesministerium für Inneres einen deutlichen Anstieg. Von Jänner bis Juli 2026 wurden insgesamt 8.856 Personen aus Österreich abgeschoben. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 8.234 — das entspricht einem Zuwachs von rund 622 Personen beziehungsweise etwa 8 Prozent.

Von diesen Rückführungen erfolgten 4.615 zwangsweise, was einem Anteil von 52 Prozent entspricht. Gegenüber dem Vergleichszeitraum 2025 bedeutet das eine Steigerung der Zwangsaußerlandesbringungen um rund 20 Prozent. „Die illegale Migration wurde massiv zurückgedrängt und gleichzeitig die Zahl der Abschiebungen weiter gesteigert. Damit wurde nun erstmals seit über 20 Jahren eine Minuszuwanderung erreicht”, erklärte Innenminister Gerhard Karner, ÖVP.

Grenzschutz und Schlepperbekämpfung: Was sich am Burgenland-Modell geändert hat

Besonders markant ist die Entwicklung an der burgenländischen Grenze. Im Herbst 2022 wurden dort in einzelnen Wochen rund 3.700 Personen nach illegaler Einreise aufgegriffen. In den sechs Tagen unmittelbar vor Karners Pressekonferenz am 18. August 2026 wurden hingegen null Personen nach einem illegalen Grenzübertritt erfasst.

Die bisherigen stationären Grenzpunktkontrollen wurden zu einem umfassenderen Grenzraumschutz weiterentwickelt, bei dem feste Kontrollstellen mit mobilen Einheiten kombiniert werden. Dadurch soll der Kontrollgürtel ausgeweitet und für Schlepper schwerer kalkulierbar gemacht werden. Österreich setzt dabei laut Innenministerium auch auf verstärkte internationale Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Schlepperkriminalität.

Familiennachzug fast zum Erliegen gekommen

Nach dem Aussetzen des Familiennachzugs ist auch dieser Einreiseweg nahezu versiegt. Die Zahlen sprechen für sich:

  • Jänner bis Juli 2025: 853 Einreisen über den Familiennachzug
  • Jänner bis Juli 2026: nur noch 60 Einreisen, ausschließlich als absolute Härtefälle eingestuft

Das entspricht einem Rückgang von mehr als 93 Prozent innerhalb eines Jahres. Das Innenministerium wertet dies als direktes Ergebnis der geänderten Rechtslage.

Europäischer Rahmen: Österreich in der „Gruppe der Umsetzer”

Auf EU-Ebene arbeitet Österreich gemeinsam mit Dänemark, Deutschland, Griechenland und den Niederlanden an der Umsetzung des europäischen Asylpakts sowie der Rückkehrverordnung. Im Mittelpunkt stehen Asylverfahren nach gemeinsamen Standards und die Einrichtung von Rückkehrzentren in Staaten außerhalb Europas, deren Zielstaaten laut früheren Angaben des Innenministeriums bis Jahresende 2026 feststehen sollen.

Karner formulierte das Ziel des gesamten Maßnahmenpakets unmissverständlich: „Diese Maßnahmen werden dazu beitragen, dass wir in Österreich wieder Herr im eigenen Haus werden und die Minuszuwanderung nachhaltig absichern. Denn wir müssen entscheiden, wer kommt und wer Österreich auch wieder verlassen muss.” Ob die Rückkehraktion für Syrer nach der Evaluierung Ende September verlängert oder ausgeweitet wird, ließ das Ministerium bislang offen.

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