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Grindwal-Jagd Färöer: Wie 800 Tote im Jahr 2026 ein ganzes Kulturerbe auslöschen

Grindwal-Jagd Färöer: Wie 800 Tote im Jahr 2026 ein ganzes Kulturerbe auslöschen

Am 27. Mai 2026 färbte sich das Wasser einer Bucht auf den Färöer-Inseln tiefrot. Rund 700 Grindwale wurden an diesem einzigen Tag in das flache Küstengewässer getrieben, an Land gezogen und getötet. Kinder standen dabei. Familien beobachteten das Geschehen, als wäre es ein Volksfest.

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Heuer wurden auf den zum dänischen Königreich gehörenden Färöern bereits mehr als 800 Grindwale getötet – und der österreichische Verein gegen Tierfabriken (VGT) war vor Ort. Was seine Vertreter dort erlebten und von einem Walfänger erfuhren, wirft Fragen auf, die weit über die Tierschutzdebatte hinausgehen: Was stirbt mit jedem dieser Tiere tatsächlich?

800 Grindwale getötet: Was hinter den Zahlen steckt

Die Jagd, auf Färöisch Grindadráp genannt, läuft nicht wie gewerblicher Walfang ab. Sobald ein Schwarm Grindwale vor der Küste gesichtet wird, verbreitet sich die Nachricht blitzschnell. Dutzende Kleinboote fahren hinaus, umzingeln die Tiere und treiben sie in eine der offiziell registrierten Buchten. Dort beginnt das blutige Finale.

Die bis zu 8 Meter langen und 3 Tonnen schweren Tiere werden mit einem Rundhaken, der ins Blasloch gesteckt wird, ans Ufer gezogen. Anschließend wird das Rückenmark mit einer standardisierten Lanze durchtrennt – die Schneide ist gut 50 Zentimeter lang, 5 Zentimeter dick und beidseitig geschärft. Für deren Einsatz gibt es auf den Inseln eigene Kurse. Das Messer, mit dem zuletzt die Schlagadern aufgeschnitten werden, ist hingegen das traditionelle geblieben.

27. Mai 2026: Der Tag, an dem 700 Wale auf einmal starben

Laut VGT war der 27. Mai 2026 der bislang schlimmste Einzelvorfall dieses Jahres. In wenigen Stunden wurden rund 700 Grindwale in einer einzigen Bucht getötet. Das Blut der Tiere soll das Wasser der gesamten Bucht vollständig rot gefärbt haben.

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VGT-Obperson Martin Balluch, der selbst auf den Inseln war und das Gespräch mit einem ortsansässigen Walfänger suchte, schildert die Atmosphäre als volksfestartig. Laut seinen Beobachtungen seien Familien mit Kindern bei der Jagd anwesend gewesen – nicht als zufällige Zuschauer, sondern als selbstverständlicher Teil des Ereignisses.

Walfänger-Gespräch: „Er dankt Gott, dass die Tiere sich nicht wehren“

Balluchs Begegnung mit einem Walfänger offenbarte eine befremdliche Logik. Der Mann erklärte, die Jagd sei in den vergangenen Jahren „humaner“ gemacht worden – der früher verwendete spitze Haken sei durch den Rundhaken ersetzt worden. Doch auf die Frage, warum die riesigen Tiere die Jäger nicht angreifen, war der Walfänger laut Balluch selbst überrascht.

„Auf meine Frage, warum diese so großen Tiere die Waljäger nicht attackieren, war mein Gesprächspartner selbst verblüfft. Er dankte Gott dafür“, berichtete Martin Balluch, Obperson des Vereins gegen Tierfabriken. „Welches acht Meter lange und drei Tonnen schwere Tier lässt sich von einem kleinen Menschlein an Land ziehen und stechen? Der Grindwal. Leider. Er hatte nie in der Evolution Feinde und ist einfach zu friedlich, um sich zu wehren.“ Es sei kaum zu ertragen, dass der Mensch genau diese Friedfertigkeit ausnutze, um ganze Familienverbände zu massakrieren – und das allein aus Tradition.

„Diese Kultur stirbt“: Warum das Wissen ganzer Walsippen verloren geht

Der Grindwal gehört zur Familie der Delfine. Was ihn besonders macht: Er lebt in eng verwobenen Familienverbänden, die laut VGT aus bis zu 1.000 Tieren bestehen können. Innerhalb dieser Gruppen wird Wissen aktiv weitergegeben – Wanderrouten, Gesänge, Jagdverhalten. Dieses Wissen ist nicht genetisch fixiert, sondern kulturell überliefert.

Werden ganze Verbände auf einmal getötet, erlischt dieses Wissen unwiderruflich. „Diese Kultur stirbt mit dem Massaker“, kritisiert der VGT. Es ist eine bittere Parallele: Eine menschliche Tradition, die sich selbst als Kultur versteht, löscht dabei die Kultur einer anderen Spezies aus.

Seit dem 16. Jahrhundert dokumentiert – doch der Sinn hat sich verändert

Die Grindwaljagd auf den Färöern ist seit dem 16. Jahrhundert schriftlich belegt. Was einst der Nahrungsversorgung einer abgelegenen, ressourcenarmen Inselgemeinschaft diente, ist heute vor allem Tradition und Ausdruck lokaler Identität. Ein wirtschaftliches Argument trägt die Jagd kaum mehr.

Hinzu kommt ein gesundheitliches Problem: Die färöische Gesundheitsbehörde warnte bereits 2008 öffentlich vor einer hohen Quecksilberbelastung im Fleisch der Grindwale und riet vom regelmäßigen Verzehr ab. Trotz dieser Warnung, die bis heute nicht zurückgenommen wurde, wird die Jagd fortgesetzt und das Fleisch konsumiert.

  • Grindwale leben in Familienverbänden von bis zu 1.000 Tieren
  • Die Tiere werden bis zu 8 Meter lang und 3 Tonnen schwer
  • Allein am 27. Mai 2026 wurden rund 700 Wale an einem Tag getötet
  • Heuer wurden auf den Färöern bereits mehr als 800 Tiere getötet
  • Die Jagd ist seit dem 16. Jahrhundert dokumentiert
  • Die Gesundheitsbehörde warnte 2008 vor Quecksilber im Walfleisch

Ob Wien oder Brüssel: Welchen Hebel gibt es gegen die Grindwaljagd?

Die Färöer-Inseln sind kein EU-Mitglied, stehen aber in enger politischer und wirtschaftlicher Beziehung zu Dänemark, das der EU angehört. Direkten rechtlichen Einfluss hat Brüssel auf die Jagd derzeit keinen. Der VGT setzt auf öffentlichen Druck und internationale Aufmerksamkeit.

Ob der diesjährige Rekord von über 800 getöteten Tieren – und die erschütternden Bilder vom 27. Mai – die politische Debatte neu entfachen, bleibt offen. Der VGT kündigte an, seinen Einsatz fortzusetzen.

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