Wissenswertes

Christoph Krammer, Pfleger LKH Graz: Wie ein Steirer nach fast 3 Jahren seinen Lebensretter fand

Christoph Krammer, Pfleger LKH Graz: Wie ein Steirer nach fast 3 Jahren seinen Lebensretter fand

Es war ein Septemberabend im Jahr 2023, die Familie saß entspannt in einer Strandbar im italienischen Lignano Sabbiadoro, als Peter Bauer plötzlich das Bewusstsein verlor. Sein Kreislauf versagte ohne Vorwarnung, der Kopf kippte nach hinten, die Zunge blockierte die Atemwege. Wenige Meter entfernt aß eine andere Familie zu Abend.

Artikel teilen

XRedditLinkedIn

Sein Schwiegersohn in spe rief laut nach Hilfe. Ein Krankenpfleger, der zufällig an einem der Nebentische saß, hörte die Rufe, sprang auf und handelte sofort: Er zog Bauers Zunge nach vorne, befreite die Atemwege – und rettete ihm damit das Leben. Doch noch bevor Bauer wieder richtig zu Bewusstsein kam, war der Unbekannte in der Aufregung verschwunden. Niemand hatte seinen Namen gefragt.

Der Moment in Lignano, der Peter Bauers Leben teilte

Was in jener Nacht in Lignano in wenigen Minuten geschah, beschäftigte den Steirer danach jahrelang. Bauer erzählte die Geschichte immer und immer wieder – in der Familie, im Freundeskreis, im Bekanntenkreis. Er wollte den Mann finden, der ihm das Leben gerettet hatte, und ihm persönlich danken. Doch er wusste kaum etwas über ihn: braune Haare, Steirer, Krankenpfleger auf einer Lungenintensivstation.

Das war alles. Kein Name, keine Telefonnummer, kein Foto.

Wie Tanja Baldasty am LKH Graz die Suche in Gang brachte

Die Geschichte gelangte schließlich zu Tanja Baldasty, Teamleiterin eines 29-köpfigen Teams am LKH-Universitätsklinikum Graz, das unter anderem für die interne Telefonvermittlung zuständig ist. Eine einfache Mitarbeitersuche mit anschließender Datenweitergabe war aus datenschutzrechtlichen Gründen ausgeschlossen. Baldasty wählte daher einen anderen Weg.

Neueste Beiträge

Mehr zum Lesen

Neues aus der Redaktion
01Magnus Brunner, Ceuta: Was die EU jetzt mit 72.000 Migranten plant02Amesbauer in der ZIB2: Wie Wolf den Steirer bei Schumanns Sozialhilfe-Entwurf bloßstellte03Ukraine-Pornografie-Gesetz: Wie 21 Millionen Euro Steuereinnahmen 30.000 Drohnen finanzieren sollen

Sie aktivierte ihr persönliches Netzwerk innerhalb des Klinikums. Kolleginnen und Kollegen aus verschiedensten Abteilungen wurden angesprochen, Sekretariate kontaktiert, ehemalige Mitarbeiter befragt. Die Suche wuchs so rasch, dass eigens eine WhatsApp-Gruppe gegründet wurde, um die Hinweise zu bündeln. „Unsere Arbeit findet oft im Hintergrund statt und wird manchmal erst bemerkt, wenn etwas nicht funktioniert“, sagte Baldasty später.

Falsche Spuren, ein entscheidender Umweg und ein Name: Christoph Krammer

Die ersten Treffer führten in die Irre. Eine Spur ließ sich auf drei Männer eingrenzen, die auf Bauers vage Beschreibung hätten passen können – doch keiner von ihnen war der gesuchte Helfer. Einer dieser Männer, Marc Perhab, erwähnte daraufhin seine Partnerin Mia Rauter, die als diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin am LKH Graz II im steirischen Enzenbach arbeitet. Durch diesen Umweg gelangte die Geschichte an den richtigen Ort.

Nach insgesamt rund zweieinhalb Jahren Suche fiel endlich der entscheidende Name: Christoph Krammer. Der Krankenpfleger arbeitet als DGKP am LKH Graz II, Standort Enzenbach – und war tatsächlich im September 2023 mit seiner Familie im Urlaub in Lignano gewesen.

Das erste Telefonat: „Ich verdanke ihm mein Leben“

Anfang Juli 2026 meldete sich Peter Bauer erstmals telefonisch bei Christoph Krammer. Für Bauer war es ein hochemotionaler Moment. „Es war ein sehr emotionales Gespräch. Ich konnte ihm endlich persönlich sagen, wie dankbar ich ihm bin und dass ich ihm mein Leben verdanke“, erzählt Bauer.

Krammer selbst reagierte auf die Geschichte mit bemerkenswerter Gelassenheit. Der Vorfall in Lignano war für ihn längst Vergangenheit. „Erste Hilfe zu leisten, ist für mich selbstverständlich. Ich habe mich aber sehr gefreut, besonders als ich gehört habe, dass Herr Bauer gesund und fit ist“, sagte Krammer.

Das Wiedersehen am Uniklinikum Graz – und ein Appell, der nachhallen sollte

Wenig später trafen sich die beiden dann auch persönlich – ausgerechnet dort, wo die Suche ihren entscheidenden Verlauf genommen hatte: am Universitätsklinikum Graz. Lebensretter und Geretteter standen sich nach fast drei Jahren zum ersten Mal wieder gegenüber. Bauer bedankte sich auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Vermittlungsteams, die monatelang in seinem Namen gesucht hatten. Eine handgeschriebene Dankeskarte von ihm hängt bis heute im Büro des Teams.

Für Krammer bleibt von der ganzen Geschichte vor allem eine Botschaft, die er öffentlich weitergeben möchte:

  • Keine Angst vor dem Helfen: Wer nach bestem Wissen und Gewissen handelt, ist in Österreich gesetzlich als Ersthelfer geschützt.
  • Jede und jeder kann in einem Notfall etwas tun – auch ohne medizinische Ausbildung.
  • Nichts zu unternehmen ist immer die schlechtere Entscheidung.
  • Erste-Hilfe-Kenntnisse können in Sekundenbruchteilen über Leben und Tod entscheiden.
  • Der Österreichische Gesundheitsfonds empfiehlt, Erste-Hilfe-Kurse regelmäßig aufzufrischen – idealerweise alle zwei Jahre.

Was Bauer aus dem Erlebnis in Lignano für sein Leben mitgenommen hat

Peter Bauer geht es heute gut. Der Steirer hat sich nach dem Zusammenbruch im Urlaub vollständig erholt. Doch der Blick auf den eigenen Alltag hat sich verändert. „Ich genieße jeden Tag noch bewusster als früher. Dieses Erlebnis hat mir gezeigt, wie kostbar und zugleich wie zerbrechlich das Leben ist“, sagt Bauer.

Tanja Baldasty zog nach dem glücklichen Abschluss der langen Suche ein persönliches Fazit: „Es ist schön, dass wir einen Teil zur erfolgreichen Suche beitragen konnten und dass auch im großen Uniklinikum die Zusammenarbeit und der Austausch zwischen den unterschiedlichen Bereichen dies ermöglicht hat.“

Ob das ungewöhnliche Wiedersehen am LKH Graz anderen Menschen Mut macht, in ähnlichen Situationen beherzt einzugreifen – das wird sich in den kommenden Monaten zeigen, wenn Krammers Geschichte durch die steirischen Medien weitergetragen wird.

Artikel teilen

4 Min. Lesezeit

XRedditLinkedIn

Ihre Meinung hilft uns

War dieser Artikel lesenswert?

Das Gespräch geht weiter

Kommentare

Mitdiskutieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Mitdiskutieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Scroll to Top