Dienstag, ein Pressegespräch in Wien: UNIQA-Vorstand René Knapp und Hans Aubauer, Leiter der Group Health Insurance bei UNIQA, legen die aktuellen Zahlen auf den Tisch. Die Botschaft ist eindeutig. Rund 3,65 Millionen Österreicherinnen und Österreicher besitzen mittlerweile eine private Krankenversicherung — das entspricht knapp vier von zehn Personen im Land.
Gleichzeitig sind die Gesamtausgaben für das österreichische Gesundheitssystem 2025 um 3,5 Milliarden Euro gestiegen und liegen nun bei 61,3 Milliarden Euro. Wohin fließt dieses Geld, wer profitiert davon — und warum entscheiden sich immer mehr Menschen für eine Zusatzversicherung, obwohl die gesetzliche Krankenversicherung eigentlich für alle gilt?
3,65 Millionen Versicherte: Was hinter dem Rekordwert steckt
Die Zahl der privat Krankenversicherten wächst seit Jahren kontinuierlich — doch 2025 hat sie eine neue Dimension erreicht. Allein im vergangenen Jahr schlossen 86.000 Menschen neu eine private Krankenversicherung ab. Das ist kein Zufall, sondern eine direkte Reaktion auf erlebte Engpässe im Kassensystem.
Knapp nennt als zentralen Treiber die demografische Verschiebung: „Wir werden älter, benötigen mehr medizinische Leistungen und zugleich gibt es immer weniger Menschen im Erwerbsalter, die diese Leistungen finanzieren und erbringen können“, sagte der UNIQA-Vorstand. Die steigende Lebenserwartung erhöhe den Druck auf das gesamte System — und verstärke den Wunsch nach privater Absicherung.
Wahlarzt statt Sonderklasse: Die Versicherten setzen neue Prioritäten
Früher stand bei privaten Zusatzversicherungen vor allem ein Ziel im Vordergrund: die Sonderklasse im öffentlichen Krankenhaus, mit Chefarztbehandlung und Einzelzimmer. Das hat sich verändert. Laut UNIQA-Angaben steht mittlerweile der Zugang zu Wahlärzten bei den Versicherten ganz oben auf der Wunschliste.
Mehr zum Lesen
Der Hintergrund ist bekannt: Bei einem Wahlarzt erstatten die öffentlichen Krankenkassen bis zu 80 Prozent des Kassentarifs für die jeweilige Leistung — nicht 80 Prozent der tatsächlich bezahlten Kosten. Den verbleibenden, oft beträchtlichen Rest können private Zusatzversicherungen übernehmen. Wahlarzt-Honorare liegen inzwischen vielfach bei 150 Euro pro Konsultation und darüber.
61,3 Milliarden Euro: Wer die Gesundheitskosten trägt
Von den gesamten Gesundheitsausgaben in Höhe von 61,3 Milliarden Euro entfielen 2025 rund 14,95 Milliarden Euro auf private Ausgaben — das entspricht knapp einem Viertel der gesamten Kosten. Der Löwenanteil wird nach wie vor öffentlich finanziert, doch der private Anteil wächst.
Die privaten Krankenversicherungen haben ihren Teil dazu beigetragen: Sie deckten insgesamt 7,5 Millionen Schadensfälle ab und zahlten dafür rund 2,2 Milliarden Euro aus. Davon entfielen 55 Prozent auf den Ersatz von Krankenhauskosten, weitere 16 Prozent auf ärztliche Leistungen.
41 Prozent wählen das Privatspital — und entlasten damit das öffentliche System
Rund 41 Prozent der privat Krankenversicherten entscheiden sich im Anlassfall für eine Behandlung in einem Privatspital. Zuletzt wurden dort jährlich rund 130.000 Patienten behandelt — Fälle, die andernfalls in öffentlichen Einrichtungen versorgt werden müssten.
Laut Hans Aubauer, Leiter der Group Health Insurance bei UNIQA, profitiere davon auch das öffentliche System auf einem weiteren Weg: Die Sonderklassehonorare, die privat Versicherte in öffentlichen Krankenhäusern generieren, seien ein zusätzlicher Anreiz für Spitzenärzte, weiterhin im öffentlichen Spital tätig zu bleiben — und nicht ausschließlich in die Privatmedizin zu wechseln.
55 Euro im Monat: Was Versicherte bereit sind zu zahlen
Die monatliche Zahlungsbereitschaft für eine private Zusatzversicherung liegt laut UNIQA im Durchschnitt bei 55 Euro. Männer zeigen sich mit 59 Euro etwas freigiebiger, bei jüngeren Versicherten sind es sogar 62 Euro pro Monat. Diese Bereitschaft signalisiert, wie ernst der Wunsch nach verlässlichem Zugang zu medizinischer Versorgung genommen wird.
- Gesamte Gesundheitsausgaben 2025: 61,3 Milliarden Euro (+3,5 Mrd. gegenüber dem Vorjahr)
- Private Ausgaben insgesamt: 14,95 Milliarden Euro (rund ein Viertel)
- Ausgezahlte Versicherungsleistungen: 2,2 Milliarden Euro für 7,5 Mio. Schadensfälle
- Neu abgeschlossene Verträge 2024: 86.000
- Anteil mit Privatspital-Behandlung: 41 Prozent der Versicherten
- Durchschnittliche monatliche Prämienbereitschaft: 55 Euro
Wie es weitergeht: Mehr Vorsorge, weniger Kassenärzte
Aubauer geht davon aus, dass das Interesse an privaten Zusatzversicherungen weiter zunehmen wird. Die Kombination aus wachsender Bevölkerung im Pensionsalter, einem zunehmenden Mangel an Kassenärzten und dem Prinzip „pay or wait“ treibt die Nachfrage strukturell an — unabhängig von kurzfristigen Konjunkturschwankungen.
Ob die Politik auf diesen Trend reagiert und die Rahmenbedingungen für Kassenärzte attraktiver gestaltet, ist eine Frage, die laut Gesundheitsministerium derzeit im Rahmen der laufenden Strukturreformen geprüft wird.
Ihre Meinung hilft uns










Das Gespräch geht weiter
Kommentare