Am Abend des 8. September 2026 veröffentlichte die OECD die Ergebnisse der PISA-Studie 2025 – und für Österreich war die Bilanz zwiespältig. 15- und 16-jährige Schülerinnen und Schüler erreichten beim Lesen nur noch 467 Punkte, beim Rechnen 477. Beide Werte liegen unter dem Niveau der letzten Erhebung von 2022.
Österreich bleibt zwar in allen getesteten Bereichen knapp über dem OECD-Schnitt – doch das Bild trübt sich, wenn man genauer hinschaut: Der Vorsprung hat sich nicht durch eigene Stärke gehalten, sondern weil andere Länder noch stärker abgestürzt sind. Wie weit reicht dieser fragile Vorsprung noch, und was will der Bildungsminister jetzt konkret tun?
Lesen minus 13 Punkte: Österreich hinter Türkei und Schweiz
Beim Lesen verloren Österreichs Jugendliche gegenüber 2022 13 Punkte und landeten bei 467. Der OECD-Schnitt liegt bei 461 Punkten – das klingt beruhigend, aber der Vergleich mit einzelnen Ländern zeigt die Schärfe des Rückgangs deutlicher.
Die Türkei kommt auf 472 Punkte, die Schweiz auf 470, Finnland auf 474. Österreich liegt mit 467 Punkten hinter all diesen Ländern. Deutschland erreicht 465 Punkte, ist also kaum besser. In ganz Europa erfüllt nur noch Irland den ursprünglichen PISA-Referenzwert von 500 Punkten.
Mathematik und Naturwissenschaften: unterschiedliche Richtungen
In Mathematik sank der Wert um zehn Punkte auf 477. Der OECD-Schnitt beträgt hier 463 Punkte und fiel im gleichen Zeitraum ebenfalls um neun Punkte. Der österreichische Rückgang entspricht damit annähernd dem internationalen Trend.
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Anders sieht es in den Naturwissenschaften aus. Dort legte Österreich um sechs Punkte zu und erreichte 497 – der OECD-Schnitt liegt bei 482 Punkten. Das ist der einzige Bereich, in dem ein echter Leistungszuwachs verzeichnet wurde. Hinzu kommt ein neu getestetes Gebiet: „Lernen in der digitalen Welt“. Österreichs Schülerinnen und Schüler erzielten dabei 509 Punkte, ebenfalls über dem internationalen Mittel.
Erstmals in allen Bereichen über dem OECD-Schnitt – aber mit einem Haken
Seit Beginn der PISA-Studien liegt Österreich nun erstmals in sämtlichen geprüften Bereichen signifikant über dem jeweiligen OECD-Schnitt. Das klingt nach einem Erfolg. Tatsächlich ist dieser Befund jedoch mit Vorsicht zu lesen.
Denn mit Ausnahme der Naturwissenschaften und des neuen Digitalbereichs erklärt sich der Vorsprung vor allem dadurch, dass Schülerinnen und Schüler in anderen OECD-Staaten noch stärker an Leistung verloren haben. An der Weltspitze stehen unverändert Südkorea und Japan, in Europa liegen Estland und Irland vorne. Die chinesischen Provinzen Peking, Shanghai, Jiangsu und Zhejiang, die separat ausgewertet werden, erreichten 612 Punkte in Mathematik, 597 in den Naturwissenschaften und 527 beim Lesen. Singapur erzielte 560, 535 beziehungsweise 563 Punkte.
Wiederkehr: „Bedenkliche Entwicklungen, die wir global sehen“
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) sprach nach Bekanntgabe der Ergebnisse von „Licht und Schatten“. Österreich befinde sich weiterhin „im internationalen Spitzenfeld“ und habe sich in den Naturwissenschaften verbessert. Zugleich räumte er einen „signifikanten Rückgang von Grundkompetenzen“ beim Lesen und in Mathematik ein.
„Bedenkliche Entwicklungen, die wir global sehen“, sagte Wiederkehr, Bildungsminister und Neos-Politiker, bei der Präsentation der Studie. Als besonders dringlich bezeichnete er den nach wie vor überdurchschnittlich starken Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und schulischen Leistungen. Mit der Ausweitung der Sommerschule, Anpassungen bei der Deutschförderung und dem Chancenbonus seien bereits Maßnahmen auf den Weg gebracht worden – eine Trendwende brauche jedoch Zeit.
Digitalisierung kommt zu früh: Minister verschiebt Laptop-Ausgabe
Ein konkretes bildungspolitisches Signal setzte Wiederkehr beim Thema digitale Geräte. Er will die Ausgabe vergünstigter oder kostenloser digitaler Endgeräte verschieben: Statt wie bisher in der fünften Schulstufe sollen die Geräte künftig erst am Ende des zweiten Semesters der sechsten Schulstufe ausgegeben werden.
Hintergrund ist ein in den PISA-Daten erkennbarer Zusammenhang zwischen früher Bildschirmnutzung und schlechteren Lernergebnissen. „Nicht begleitete Digitalisierung in Schulen führt zu schlechteren Ergebnissen“, sagte Wiederkehr. Wer früh und lange digitale Geräte nutze, könne zwar besser scrollen, habe aber größere Schwierigkeiten beim Verstehen komplexerer Texte. Sein Fazit: „Wir dürfen Haptisches nicht vernachlässigen.“
Die Maßnahmen im Überblick, die der Minister ankündigte:
- Verschiebung der Laptop-Ausgabe von der fünften in die sechste Schulstufe (Ende zweites Semester)
- Ausweitung der Sommerschule für leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler
- Anpassungen im Bereich der Deutschförderung
- Weiterer Ausbau des Chancenbonus für sozial benachteiligte Schulen
- Stärkung der frühkindlichen Bildung als Grundlage
Was bleibt offen: Herkunft als stärkster Faktor
Auch nach der Präsentation der PISA-Ergebnisse 2025 bleibt eine strukturelle Frage ungelöst. Der Zusammenhang zwischen dem sozialen Hintergrund eines Kindes und seinen schulischen Leistungen ist in Österreich nach wie vor überdurchschnittlich ausgeprägt – stärker als im OECD-Mittel. Alle angekündigten Maßnahmen zielen darauf ab, diesen Graben zu verringern, doch messbare Ergebnisse werden frühestens in der nächsten PISA-Erhebung sichtbar werden.
Ob Wiederkehrs Kurs, die Digitalisierung zu verlangsamen statt zu beschleunigen, innerhalb seiner eigenen Partei und im breiteren bildungspolitischen Diskurs Bestand hat, wird sich in den kommenden Monaten zeigen – zumal die Debatte über Schüler-Laptops innerhalb der Neos bereits zuvor für Reibung gesorgt hatte.
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