MAK-Juwelenraub Wien: Zeugin Sonja T. widerlegt die Museumsleitung mit 41 Schlägen

Zwei Minuten. So viel Zeit lag zwischen dem Moment, in dem Sonja T. das später gestohlene Collier noch durch das Glas betrachtete, und dem ersten dumpfen Schlag gegen die Vitrine. Sie stand in der Ausstellung “Glanzstücke” im Wiener Museum für angewandte Kunst, ihre große Handtasche über der Schulter — unbehelligt, unkontrolliert, unbemerkt.

Was sie in den folgenden Minuten erlebte, widerspricht laut ihrer Aussage der offiziellen Darstellung der MAK-Leitung in einem zentralen Punkt: Weder ein Alarm war zu hören, noch erschien Sicherheitspersonal bei der aufgebrochenen Vitrine. Ihre Schilderung wirft Fragen auf, die das Museum bislang nicht vollständig beantwortet hat.

Keine Kontrollen, keine Taschen, niemand sah hin

Sonja T. schilderte ihre Eindrücke gegenüber der Wiener Tageszeitung Die Presse in ungewöhnlich klaren Worten. Die Darstellung der Museumsleitung sei “beschönigend”, was sie “sehr geärgert” habe. “Nach meinem Empfinden gab es für diese Ausstellung keinerlei Sicherheitsvorkehrungen, keine Taschenkontrollen, nichts”, sagte sie.

Ihr Befund ist konkret: “Ich betrat die Ausstellung mit meiner Handtasche, die relativ groß ist. Niemand sah mich auch nur an.” Damit stellt die Augenzeugin das Sicherheitskonzept des MAK vor dem Raub grundsätzlich in Frage — zu einem Zeitpunkt, als dort Schmuck im Wert von knapp 4 Millionen Euro ausgestellt war.

41 Schläge, kein Alarm: Was Sonja T. hörte und sah

Kurz nachdem sie das Collier betrachtet hatte, vernahm T. ein “sehr lautes, dumpfes Klopfen” — so heftig, dass die Trennwände der Ausstellung vibrierten. Sie hielt inne. Das Klopfen wiederholte sich. “Wie wir jetzt offiziell wissen: 41 Mal — über Minuten”, schilderte sie.

Erst eine andere Besucherin, die aus Richtung der Vitrine kam, sprach es aus: “Da schlägt gerade jemand eine Vitrine ein.” T.s spontane Reaktion fasst das Versagen in einem Satz zusammen: “Was? Aber warum geht dann kein Alarm los?” Als die Schläge schließlich verstummten, sah sie die kreisrund gesplitterte Vitrine und Scherben auf dem Boden — und noch immer kein Sicherheitspersonal.

Besucher spazierten einfach hinaus — niemand wurde aufgehalten

Im Foyer erfuhr T., dass zwei Täter geflüchtet waren. Eine Mitarbeiterin erzählte einem Kollegen, dass ihr jemand eine Pistole ins Gesicht gehalten habe. T. erwartete, dass das Museum umgehend abgeriegelt und die Besucher als mögliche Zeugen befragt würden.

“Aber nichts dergleichen geschah. Alle Besucher spazierten entweder in andere Teile des Museums oder — wie ich — hinaus.” Vor dem Gebäude standen bereits Polizeiwagen der Wiener Polizei, doch T. verließ das MAK unbefragt. “Ich verließ das Museum sehr zögerlich, hielt sogar Ausschau nach Polizisten, um zu fragen, ob ich tatsächlich einfach gehen könne. Die ganze Situation ließ mich an Kottan denken.”

Was MAK-Generaldirektorin Lilli Hollein danach ankündigte

Seit dem Freitag nach dem Raub werden bei der “Glanzstücke”-Ausstellung Metalldetektoren eingesetzt, wie MAK-Generaldirektorin Lilli Hollein bekanntgab. Besucher müssen Taschen und Rucksäcke laut einem Bericht des Kurier an der Garderobe abgeben. Zusätzlich sind zehn Sicherheitsmitarbeiter im Einsatz, die Videoüberwachung wird ausgebaut.

Hollein betonte, diese Maßnahmen seien bereits vor Beginn der Ausstellung beschlossen worden. Die Metalldetektoren sollen laut ZiB zumindest bis zum Ausstellungsende am 27. September 2026 in Betrieb bleiben. Die nun ergriffenen Maßnahmen im Überblick:

  • Metalldetektoren beim Eingang zur “Glanzstücke”-Ausstellung
  • Pflicht zur Taschenabgabe an der Garderobe
  • 10 zusätzliche Sicherheitsmitarbeiter vor Ort
  • Erweiterung der bestehenden Videoüberwachung

Internationale Fahndung läuft — zahlreiche Hinweise auf die Täter

Die internationale Lichtbildfahndung nach den beiden Tätern ist weiterhin aktiv. Nach Informationen von Heute sind inzwischen zahlreiche Hinweise auf die Männer bei den Ermittlern eingelangt. Offiziell bestätigt ist, dass das gestohlene Schmuckstück einen Wert von knapp 4 Millionen Euro hat.

Ob die neuen Hinweise zu einer raschen Identifizierung der Täter führen, ist offen. Ebenso ungeklärt bleibt, warum das Sicherheitssystem trotz 41 Schlägen über mehrere Minuten hinweg keinen hörbaren Alarm auslöste — eine Frage, auf die die MAK-Leitung bislang keine befriedigende Antwort gegeben hat.

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